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Psychologische Hilfe in der Krise

Corona hat den Alltag in den Schulen grundlegend verändert. Doch wie läuft der Unterricht unter Pandemiebedingungen? In unserer Serie „Schule in Corona-Zeiten“ berichten wir in regelmäßigen Abständen, wie die Oscar-Paret-Schule (OPS) in Freiberg mit der „neuen Normalität“ umgeht. Dass die Pandemie auch Einfluss auf die Psyche der Schüler hat, ist Thema der heutigen Folge.

Durch den langen Lockdown haben manche Schüler Angst, wieder in den Schulalltag zurückzukehren. Foto: fizkes/stock.adobe.com
Durch den langen Lockdown haben manche Schüler Angst, wieder in den Schulalltag zurückzukehren. Foto: fizkes/stock.adobe.com

Freiberg. Schulsozialarbeiterin Sarah Angst hetzt von einem Termin zum nächsten. Nachdem seit Montag die Grundschüler sowie die Fünft- und Sechstklässler der weiterführenden Schulen wieder im Präsenzunterricht sind, häufen sich bei ihr die Beratungsanfragen. Damit der Coronaverordnung Rechnung getragen werden kann, braucht jeder Schüler, der Hilfe und Beratung benötigt, einen Termin, und kann nicht einfach in ihr Büro reinplatzen. Mit einer Ausnahme: „Notfälle weisen wir nicht an der Tür ab“, sagt sie.

Wie sehr die Coronakrise, das mit dem Lockdown verbundene Homeschooling und die Öffnung für die Fünft- und Sechstklässler in dieser Woche den Kindern und Jugendlichen zusetzen, wird auch in der Oscar-Paret-Schule deutlich. „Es gibt aktuell Schüler, die daheim bleiben, weil sie Probleme damit haben, in die Schule zu kommen“, sagt Schulleiter René Coels. Um diesen Schülern zu helfen, bleibe man mit ihnen im Gespräch, um ihnen ihre Sorgen zu nehmen. Dabei sei die Schule auch beratend tätig und könne dabei neben der Schulsozialarbeit auf drei entsprechend ausgebildete Beratungslehrerinnen zurückgreifen. Zudem werden die Eltern auf die Angebote der Schulpsychologischen Beratungsstelle des Staatlichen Schulamts Ludwigsburg hingewiesen, wo es weitere Hilfe gibt.

Bereits nach dem ersten Lockdown im vergangenen Jahr haben sich laut Coels nicht alle Schüler gefreut, wieder in den Präsenzunterricht zurückkehren zu dürfen. Manche seien von der Sorge befallen gewesen, wie der Kontakt mit den Mitschülern nach Wochen wieder funktionieren würde. Pubertierende dagegen würden eher unter der häuslichen Isolation leiden, weil sie lieber den Kontakt zu Freunden statt zu den Eltern suchen. Nach der Rückkehr der Unterstufe sei es nun wichtig, dass die Schüler, moderiert von den Lehrkräften, miteinander in Kontakt kommen. Fragerunden könnten bei der Integration in den normalen Schulalltag behilflich sein. Fällt es den Schülern schwer, zu kommen? Wer fühlte sich im Lockdown unwohl? Gab es viel Streit in der Familie? Doch auch positive Fragestellungen, wie beispielsweise nach einem neuen Hobby, seien wichtig. So werden im Unterricht auch Mutmachplakate erstellt, damit sich die Schüler mit der Situation auseinandersetzen.

„Vielen fehlt der Austausch und ein normales Zusammensein mit den Mitschülern“, sagt Schulsozialarbeiterin Sarah Angst. Sie empfinden es psychisch eher belastend, wenn sie zu Hause lernen müssen. Für andere Schüler stelle der Lockdown eher eine Entlastung dar, insbesondere wenn sie sich Sorgen machen, weil ein Familienangehöriger zu einer Risikogruppe gehört. „Für diese Kinder wird die Situation angespannter, wenn sie wieder in die Schule gehen“, so Sarah Angst.

Besonders Schüler der Abschlussklassen plagen zurzeit regelrecht Zukunftssorgen. Manche fragen sich, ob sie ausreichend für die Prüfungen vorbereitet sein werden, ob sie es weiterhin schaffen, sich aufs Lernen zu konzentrieren oder ob sie das Schuljahr gar wiederholen sollen.

Auch Eltern melden sich beim Team der Freiberger Schulsozialarbeit, welches nicht nur in der OPS, sondern auch in den drei Grundschulen Beratungsangebote unterbreitet. Dabei geht es laut Sarah Angst oft darum, wie Mütter und Väter ihr Kind beim Fernlernen unterstützen können. Manche machen sich auch Sorgen, wenn sie beobachten, dass sich ihr Kind zurückzieht, Verhaltensänderungen aufweist oder aggressiv wird. Die Schulsozialarbeiterin erarbeitet an jedem einzelnen Fall eine Strategie, wie dem Kind individuell geholfen werden kann. „Oft reicht es schon, mal an die frische Luft zu gehen oder die Lieblingsmusik zu hören“, sagt Sarah Angst, die freilich über ein umfangreiches Instrumentarium verfügt, den Schülern zu helfen.

So rät sie Schülern, besonders schöne Erinnerungen aufzuschreiben, die Zettel in einer Box oder einem Glas aufzubewahren und in Momenten durchzulesen, in denen es ihnen nicht so gut geht. „Das kann man einfach mal ausprobieren, denn oft vergisst man die schönen Dinge, die man erlebt hat“, sagt Sarah Angst. Wenn Schüler Angst haben, in die Schule zu kommen, sei es wichtig, gemeinsam im Dialog mit den Lehrern die Ursachen zu eruieren und dann die Sorgen und Nöte abzubauen. Dabei sei es wichtig, dass die Schüler sich selbst dazu äußern. Mitunter helfe es ihnen, ihre Ängste aufzuschreiben. Gerade in der Coronakrise seien manche Schüler von Selbstzweifeln geplagt. Auch verschiedene Entspannungsübungen würden mitunter zum Erfolg führen. „Man muss einfach bei jedem Schüler individuell sehen, was ihm helfen kann“, so Sarah Angst.

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