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Reaktivierung nimmt Formen an

Der Stadtbahn-Zweckverband hat einen Geschäftsführer gefunden, der ab 2026 Züge zwischen Markgröningen und Ludwigsburg aufs Gleis bringen – und danach weitere Meilensteine umsetzen soll.

Noch fahren zwischen Markgröningen und Ludwigsburg keine Züge: Ab 2026 oder 2027 könnte sich das nach dem Willen des Landrats Dietmar Allgaier und des neuen Zweckverbandschefs Frank von Meißner ändern. Fotomontage: Werner Bischof (p)
Noch fahren zwischen Markgröningen und Ludwigsburg keine Züge: Ab 2026 oder 2027 könnte sich das nach dem Willen des Landrats Dietmar Allgaier und des neuen Zweckverbandschefs Frank von Meißner ändern. Fotomontage: Werner Bischof (p)

Kreis Ludwigsburg. Astronomen hatten es genau berechnet. In diesem Jahr begann der Sommer in Deutschland am Montag um Punkt 5.31 Uhr – gleichzeitig das Datum der Sommersonnenwende, wenn auf der Nordhalbkugel der längste Tag des Jahres begangen wird. Im Landratsamt in Ludwigsburg sprach Dietmar Allgaier aber nicht nur deshalb von einem „außergewöhnlichen Tag“. Wichtiger als die Sommersonnenwende ist dem Landrat die erste Sitzung des Zweckverbandes Stadtbahn im Kreis Ludwigsburg. Ihm gehören neben dem Landkreis, die Kommunen Ludwigsburg, Markgröningen, Möglingen, Remseck und der Zweckverband Pattonville an. Noch in diesem Jahr wird erwartet, dass die Gemeinde Schwieberdingen dazukommt – und im Herbst der neue Geschäftsführer Frank von Meißner, der von der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) nach Ludwigsburg wechseln wird.

Das Ziel ist klar umrissen: Nach Jahrzehnten der Planung endlich Züge aufs Gleis zu setzen. Allgaier und von Meißner wollen zunächst die Strecke zwischen Markgröningen und Ludwigsburg mit einem Vorlaufbetrieb reaktivieren – und zwar in fünf oder sechs Jahren, wie sie gestern während eines Pressegesprächs in Aussicht stellten. „Die Zeit ist jetzt reif, das Projekt nach vorne zu bringen“, sagte Allgaier. Eine Umsetzung in zwei oder drei Jahren, wie vielfach gefordert, nannte er am Montag „unrealistisch“. Dafür soll es dann möglichst 2026 oder 2027 so weit sein.

Derzeit geht er von Kosten in Höhe von rund 250 Millionen Euro aus, um auch bis Pattonville fahren zu können und Äste nach Oßweil und Schlösslesfeld in Ludwigsburg in der Niederflurversion zu verwirklichen. „Die Voraussetzungen waren noch nie so gut wie jetzt“, so der neue Zweckverbandschef von Meißner. Im besten Fall winken Bund und Land mit Zuschüssen von 95 Prozent – die politisch angestrebte Verkehrswende und die Klimakrise machen es möglich.

Kritiker, die bemängeln, dass in den vergangenen zweieinhalb Jahren nach einer gemeinsamen Verständigung im Verkehrsministerium kaum Fortschritte auf der Strecke zu erkennen gewesen seien, hielt der Ludwigsburger OB Matthias Knecht entgegen, dass „uns die Pandemie riesig gefordert hat“. Knecht und Allgaier beteuerten, nun nach vorne schauen zu wollen. „Die Chemie zwischen uns stimmt“, so der Landrat – anders als zwischen seinem Vorgänger Rainer Haas und dem Ex-OB Werner Spec.

In den kommenden Wochen wollen die Projektpartner einen konkreten Zeitrahmen für die Stadtbahn erstellen, den sie „Meilensteinplan“ nennen. Für Knecht ist klar, dass die Markgröninger Bahn zuerst an der Reihe sein wird. Schritt Nummer zwei sei die Verbindung von Remseck nach Pattonville, für die die SSB sorgen soll – und womöglich weiter nach Ludwigsburg. Spangen in die Ortsteile mit flachen Bahnsteigen würden erst danach folgen.

Allgaier und Knecht verteidigten ihre Überlegungen, von Pattonville gelbe SSB-Hochflurbahnen Richtung Evangelischer Hochschule, Karlshöhe, W&W und den Ludwigsburger Süden bis zum Bahnhof zu führen. Die Ergebnisse einer Potenzialanalyse sollen im dritten Quartal vorliegen. „Es gilt, im Vorfeld alle Eventualitäten zu betrachten“, so der Ludwigsburger Rathauschef. Sicher ist aber: Vor einer Umsetzung müssten alle Beteiligten noch Beschlüsse in ihren politischen Gremien herbeiführen.

Was wird nun also von diesem Sommersonnenwendentag für die Stadtbahn zwischen Markgröningen, Möglingen, Ludwigsburg und Pattonville bleiben? Der Markgröninger Bürgermeister Rudolf Kürner hat „jetzt endlich den festen Eindruck“, dass es keine weiteren Verzögerungen mehr geben wird. „Ob es ein historischer Tag war“, sagt der Landrat Allgaier indes zurückhaltend, „wird die Zukunft zeigen.“

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