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Region will nur Beifahrerin sein

Eine Studie gibt grünes Licht für einen Stadtbahnast ins Schwieberdinger Gewerbegebiet, in dem bereits Bosch sitzt und Porsche folgen soll. Der Stuttgarter Regionalverband will aktuell trotzdem nicht mehr als politischer Begleiter sein.

Bosch ist schon mit rund 6800 Beschäftigten in Schwieberdingen, Porsche soll möglichst noch folgen: Davor müsste sich die Gemeinde aber mit rund 100 Eigentümern der angrenzenden Ackerflächen einigen. Eine gute ÖPNV-Anbindung ist hier derzeit Fehlanze
Bosch ist schon mit rund 6800 Beschäftigten in Schwieberdingen, Porsche soll möglichst noch folgen: Davor müsste sich die Gemeinde aber mit rund 100 Eigentümern der angrenzenden Ackerflächen einigen. Eine gute ÖPNV-Anbindung ist hier derzeit Fehlanzeige. Foto: privat
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Schwieberdingen/ Stuttgart. Die Chancen, dass Schwieberdingen mit seinem größten Arbeitgeber, dem Automobilzulieferer Bosch, an eine Stadtbahn angeschlossen wird, sind gestiegen. Eine Machbarkeitsstudie hat jetzt ergeben, dass der sogenannte Schwieberdinger Ast technisch umsetzbar wäre – und die Wirtschaftlichkeit des gesamten Projekts nicht gefährden würde. „Deshalb schlage ich meinem Gemeinderat vor, dem Zweckverband zur Realisation der Stadtbahn noch in diesem Jahr beizutreten“, sagte Bürgermeister Nico Lauxmann am Mittwoch unserer Zeitung.

Dem Zweckverband gehören bisher die Anrainer einer möglichen Stadtbahntrasse an, und zwar Markgröningen, Möglingen, Ludwigsburg, Pattonville, Remseck und der Landkreis. Ein weiterer Ast könnte später noch zum neuen Standort des Finanzdienstleisters Wüstenrot & Württembergische nach Kornwestheim führen.

Wann und wie Schwieberdingen tatsächlich an eine Stadtbahn angebunden wird, lässt sich laut Lauxmann momentan aber noch nicht sagen. „Das werden die nächsten Arbeitsschritte zeigen.“ Möglich wäre eine Trasse von Möglingen oder Markgröningen über das dortige Bildungszentrum mit Hans-Grüninger-Gymnasium und Realschule.

Für Schwieberdingen wäre der Schienenanschluss ein weiterer Meilenstein neben einem vierspurigen Ausbau der B10 und einer möglichen Ansiedlung des Sportwagenbauers Porsche – direkt neben Bosch. Auf große Unterstützung des Stuttgarter Regionalverbands brauchen die Gemeinde und der Landkreis derzeit aber nicht hoffen. Als der erfolgreiche Bürgerentscheid über den regionalen Gewerbeschwerpunkt neben Bosch im vorvergangenen Sommer anstand, war das noch anders. Damals traten der regionale Planungsdirektor Thomas Kiwitt und der Wirtschaftsförderer Walter Rogg regelmäßig im Strohgäu auf.

Fakt ist nun aber, dass der Regionalverband eine Anbindung des Arbeitsplatzschwerpunktes im Norden der Gemeinde zwar weiter befürwortet. Im Herbst 2020 berufen sich die Stuttgarter jedoch auf die Coronakrise, um sich zumindest vorläufig aus dem Dialog mit den Anrainern, Verkehrsträgern und Unternehmen zu verabschieden. Die Geschäftsstelle verweist darauf, dass die mittelfristigen wirtschaftlichen Folgen der Pandemie und die Auswirkungen auf die Steuereinnahmen gegenwärtig nicht hinreichend genau abgeschätzt werden können – und gleichzeitig Entscheidungen für neue Schienenverbindungen mit hohen Investitionen verbunden seien. Der regionale Verkehrsdirektor Jürgen Wurmthaler geht daher davon aus, dass „nicht mit einer Gesprächs- und Entscheidungsbereitschaft“ aller Beteiligten gerechnet werden könne. Der Verband wolle die Debatte um den Schwieberdinger Ast demnach weiter beobachten und sich „bei passenden Gelegenheiten“ wieder einmischen.

Die Ludwigsburger CDU-Regionalrätin Elke Kreiser machte am Mittwoch in Stuttgart deutlich, dass „es für uns von enormer Wichtigkeit ist, Schwieberdingen mit Bosch und Porsche an die Schiene zu bringen“. Ihre Fraktion hatte das Thema in den regionalen Verkehrsausschuss gebracht. Dafür gab es Lob ihres Parteifreundes Lauxmann: „Ich bewerte das als Unterstützung.“

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