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Reiche Ernte ganz ohne Preisdruck

Solidarische Landwirtschaft als alternatives Konzept – Ludwigsburger Gruppe sucht Räumlichkeiten

Stefen Haag (rechts) wiegt Zwiebeln ab, die auf dem gemeinschaftlichen Hof gewachsen sind. Foto: Holm Wolschendorf
Stefen Haag (rechts) wiegt Zwiebeln ab, die auf dem gemeinschaftlichen Hof gewachsen sind. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Feld- und Pflücksalat sind frisch geerntet, Grünkohl und Wurzelgemüse machen Lust auf herbstliche Gerichte, der Thymian duftet nach Sommer und der Ingwer macht seinem Namen als Gewürz mit Heilkraft alle Ehre. Das alles wurde im Schwäbischen Wald frisch geerntet und steht jetzt Mitgliedern eines Ludwigsburger Zusammenschlusses zur Verfügung.

Genau zu wissen, wo herkommt, was man isst: Diesen Wunsch haben viele und er hat sich jetzt auch während der Coronapandemie verstärkt. Gesunde Ernährung steht mehr denn je im Fokus. Das gilt auch für den 30-jährigen Steffen Haag aus Ludwigsburg, der die Idee der solidarischen Landwirtschaft (solawi) vorantreiben will. Der Gedanke dahinter: Eine Gruppe von Menschen schließt sich mit einem landwirtschaftlichen Betrieb zusammen und die Mitglieder tragen die Kosten des Hofes vom Saatgut bis zu den Löhnen für die Mitarbeiter. Dafür erhalten sie das ganze Jahr über saisonales Gemüse.

Nicht das einzelne Lebensmittel, sondern die gesamte Landwirtschaft wird auf diese Weise finanziert: Dieses Ziel hat im ganzen Land schon eine ganze Reihe von Solawi-Initiativen ins Leben gerufen. Und in Spiegelberg im Rems-Murr-Kreis ist sie Wirklichkeit. Dort ernährt Florian Keimers Demeter-Gärtnerei im Ortsteil Großhöchberg inzwischen 150 Mitglieder, darunter seit wenigen Wochen auch 27 „Genussmenschen“ in Ludwigsburg.

Sie alle teilen sich Verantwortung, Risiko, Kosten und schließlich auch die Ernte. Einmal im Jahr beschließen sie die monatlichen Beiträge. Wer nicht so viel entrichten kann, erfährt Unterstützung durch die Gemeinschaft. Die Mitglieder wollen damit den Erhalt einer vielfältigen und kleinbäuerlichen Landwirtschaft ganz ohne Preisdruck fördern.

Dieses Konzept, das Steffen Haag auch aus anderen Städten kennt, wollte der wissenschaftliche Mitarbeiter an der Hochschule in Nürtingen auch in seinem neuen Wohnort in Ludwigsburg umsetzen, und so wurde er zum Solawi-Initiator. Er fand auch gleich Mitstreiter und freut sich über weitere, die hier dabei sein wollen. Immer freitags findet im Demokratischen Zentrum in der Ludwigsburger Wilhelmstraße das große Verteilen statt, und da zeigt sich, dass es auch Ende November noch eine reiche Vielfalt gibt. „Das alles wurde am Tag zuvor geerntet und hält sich zu Hause auch länger“, sagt Steffen Haag.

Es wird also auf Vorrat gekauft, so dass man möglichst bis zum nächsten Verteil-Freitag etwas davon hat. So auch das Ehepaar, das sich begeistert eindeckt und über die verschiedenen Wurzelgemüse staunt. Da ist mit „Yacon“ sogar eine ursprünglich aus dem Hochland der Anden stammende süße Knolle dabei. Steffen Haag organisiert das Geschehen mit der Überzeugung, dass dieser Weg Zukunft hat. Für die Gemüseverteilung wünscht er sich nun aber optimalere Räumlichkeiten. „Ideal wäre eine Garage“, meint Haag.

Info: Nähere Informationen über die Arbeit der Gärtnerei gibt es im Internet unter www.grosshoechberg.de. Kontakt zur Ludwigsburger Gruppe bekommt man per E-Mail: verteilraum.ludwigsburg@grosshoechberg.de

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