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Riesen ohne Knight chancenlos

Die MHP-Riesen Ludwigsburg haben das erste Finalspiel um die deutsche Basketball-Meisterschaft klar verloren. Gegen den Top-Favoriten Alba Berlin verlor das Team von Trainer John Patrick gestern Abend ersatzgeschwächt mit 65:88 und muss nun für das Rückspiel am Sonntag (15 Uhr) auf ein Wunder hoffen.

In der Zange: Der Ludwigsburger Jonas Wohlfahrt-Bottermann (Mitte) geht gegen die Berliner Kenneth Ogbe (link) und Luke Sikma (rechts) vergeblich zum Ball. Foto: Adam Pretty/dpa
In der Zange: Der Ludwigsburger Jonas Wohlfahrt-Bottermann (Mitte) geht gegen die Berliner Kenneth Ogbe (link) und Luke Sikma (rechts) vergeblich zum Ball. Foto: Adam Pretty/dpa

Sport. München. Die Hiobsbotschaft verbreitete sich schon eine Dreiviertelstunde vor dem Tip-off: Als auf dem großen Anzeigenwürfel über dem Mittelkreis die Aufstellung beider Finalisten erschien, fehlte auf Ludwigsburger Seite der Name Marcos Knight. Der bislang effektivste und erfolgreichste Scorer der Riesen und des gesamten dreiwöchigen Finalturners um die deutsche Meisterschaft musste seiner schweren Fußverletzung, die er sich im Halbfinalrückspiel gegen ratiopharm Ulm zugezogen hatte, Tribut zollen und konnte lediglich in Zivil sein Team von der Bank aus unterstützen.

Der US-Profi humpelte in Straßenkleidung mit gesenktem Haupt durch den Audi Dome in München. „Marcos hat sich leider seinen Fuß verletzt“, sagte Riesen-Coach John Patrick direkt vor der Partie bei Magentasport. „Nach dem Spiel gegen Ulm konnte er schon nicht gehen. Es ist schade, er hat eine unglaublich wichtige Rolle in unserer Mannschaft. Aber wir haben andere, die diese Rolle vielleicht kompensieren können.“ Anstelle des 30-jährigen Guards kam Cameron Jackson in den Kader.

Die Schwächung des Teams machte sich schon beim Einlaufen bemerkbar. Ludwigsburg spulte sein Aufwärmprogramm routiniert ab, ganz anders dagegen der Favorit aus Berlin: Das Team von Trainer Aito Garcia Reneses schien auf den Punkt genau topfit und vor Ehrgeiz zu brennen.

Trotzdem brachte zunächst der Underdog Feuer aufs Parkett. Jaleen Smith startete mit einem Dreier, Nick Weiler Babb stellte auf 5:2, Teyvon Meyers brachte seine ersten drei Freiwürfe zur 8:7-Führung im Korb unter. Berlin wirkte abgeklärt und reifer, per Dreier besorgte Marcus Eriksson die 12:8-Führung, Martin Hermannsson legte nach einem Fast Break zum 14:8 nach. Doch Ludwigsburg hielt dagegen. Der gerade eingewechselte Youngster Jacob Patrick traf per Dreier zum 13:16, ehe Nels Giffey mit seinem ersten Dreier zum 19:13 für die Hauptstädter nach zehn Spielminuten stellte. Die Ludwigsburger Nachwuchsspieler zeigten auch danach, dass ihre Berücksichtigung verdient war. Jacob Patrick mit seinem zweiten mutigen Distanzwurf zum 19:16, wenig später Lukas Herzog Dreier zum 22:20 hielten die Berliner Dominanz zunächst in Grenzen.

Berlin zeigt spielerische Klasse

Dann aber zeigten die Hauptstädter ihre ganze Klasse. Wiederholt fand Luke Sikma seine Mitspieler mit genialem Passspiel. Der Vorsprung wuchs erstmals auf zehn Punkte (30:20). Zu einfach fanden die freien Würfe ihr Ziel, beim Stand von 46:29 ging es in die Halbzeitpause. Eine schwache Trefferquote aus dem Feld, insgesamt 15 Ballverluste und eine dürftige Freiwurfbilanz dokumentieren die Schwächen der Schwaben, die den Ausfall von Knight nicht kompensieren konnten. Vor allem Weiler-Babb war ein Schatten seiner selbst, aber auch von Thomas Wimbush und Smith war kaum etwas zu sehen.

So kam es, dass die Schwaben die ganze Härte der Berliner zu spüren bekamen. Mit spielerischer Klasse brachte das Team von Trainer-Ikone Reneses die Partie schon vor dem Schlussviertel (69:42) nach Hause und stellte am Ende gleich sieben Spieler mit zweistelliger Trefferquote.

Im vierten Durchgang bäumten sich die Riesen noch einmal auf, gänzlich auf die Schlachtbank führen lassen wollten sie sich nicht. Dennoch: Nur ein Wunder kann am Sonntag noch die Wende bringen.

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