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S-Bahn-Ausbau auf dem Prüfstand

Der Verband Region Stuttgart investiert regelmäßig in die S-Bahn, jüngst etwa in neue Züge (vorne) – und vielleicht auch in ein größeres Netz. Archivfoto: Alfred Drossel
Der Verband Region Stuttgart investiert regelmäßig in die S-Bahn, jüngst etwa in neue Züge (vorne) – und vielleicht auch in ein größeres Netz. Archivfoto: Alfred Drossel
Studien zur Verlängerung der S5 nach Kirchheim und Vaihingen und weiterer Linien sowie für Zehn-Minuten-Takt angestoßen

Kreis Ludwigsburg. Als 1978 in der Region die S-Bahn in Betrieb ging, gab es gerade einmal drei Linien, von Stuttgart nach Plochingen, Weil der Stadt und nach Ludwigsburg. Eine Fahrt bis zum Stuttgarter Flughafen? Keine Verbindung. Doch mittlerweile kommt man auch über dieses Fahrtziel hinaus, bislang bis nach Filderstadt, künftig sogar bis nach Neuhausen, der Planfeststellungsbeschluss soll noch dieses Jahr gefasst werden. Auch im Kreis Ludwigsburg hat sich in den vergangenen mehr als 40 Jahren einiges getan, vor allem 2012 mit der Verlängerung der S4 über Marbach hinaus bis nach Backnang – und es könnte nicht die einzige bleiben. Denn immer mal wieder gab es bereits Vorstöße, die S5 über Bietigheim und Sachsenheim bis nach Vaihingen zu führen – und das soll nun konkreter untersucht werden, ebenso in Kombination mit einer zweiten Variante bis nach Kirchheim und mit einem zusätzlichen Stopp in Gemmrigheim, auf Antrag der CDU.

Auch viele andere Fraktionen im Verband Region Stuttgart hatten in den vergangenen Monaten Ähnliches und weitere Streckenverlängerungen im Blick, so etwa für die S1 bis nach Bondorf (FDP) oder bis nach Göppingen (Freie Wähler), zudem soll nun eine Verlängerung der S3 oder S4 von Backnang nach Murrhardt geprüft werden. „In den Außenbereichen könnte so ein erheblicher Verbesserungsbedarf erzielt werden“, sagte dazu der Verkehrsdirektor Jürgen Wurmthaler im Verkehrsausschuss am Mittwochnachmittag – ausgerechnet an einem Sitzungsort, der nicht bequem per S-Bahn erreichbar ist wie sonst in der Stadtmitte: im SI-Centrum auf den Fildern. Er machte aber auch klar, dass die nun beschlossene Erstellung einer Leistungsbeschreibung nur ein erster Schritt auf einem langen Weg ist, nun aber sei die Zeit günstig, weil der S21-Fahrplan konkreter bekannt sei. Allein für die grundsätzliche Prüfung, was möglich ist, was nötig und vor allem wirtschaftlich, wird mit einer Dauer von einem Jahr gerechnet, Ergebnisse dann im Herbst 2023 vorliegen – und mögliche Umsetzungen schrittweise vielleicht erst in zehn Jahren.

Hürden: Nutzung durch andere Züge, Verfügbarkeit von Fahrzeugen und vor allem Wirtschaftlichkeit

Denn ganz so einfach ist eine Verlängerung, trotz bestehender Gleise, nicht. Zum einen, weil man die Verkehre in Zuständigkeit des Landes, die Metropolexpresslinien, nicht verdrängen, sondern ergänzen will. Fahrpläne müssen deshalb aufeinander abgestimmt sein, auch mit dem Güterverkehr – als besonders problematisch gilt das auf der eingleisigen Strecke nach Murrhardt. Zudem benötigt man vor allem auch zusätzliche Fahrzeuge. Darüber waren sich auch alle Fraktionsredner im Klaren, eine Zustimmung deshalb fast nur noch Formsache. Zum einen, weil es immer schon das Ziel des Verbands gewesen sei, die Verkehre auszubauen, aber auch, weil es in einigen Fällen derzeit nicht rund laufe, so Elke Kreiser (CDU) über die Probleme auf der Frankenbahn Richtung Heilbronn. Das ganz große Chaos sei dort bislang nur ausgeblieben, weil Corona dazwischen kam und die Fahrgastzahlen reduzierte, so ihre Einschätzung. Die Aufsplittung der S5 und zwei neue Endstationen sah sie, wie auch zuvor Thomas Leipnitz von der SPD, die generell die Zulaufstrecken zum Hauptbahnhof untersucht haben wollte, als „gute Chance“.

Viele Räte sehen dichteren Takt kritisch

Vielleicht sogar mehr als für den folgenden Tagesordnungspunkt, die Einführung eines Zehn-Minuten-Taktes, nachdem man vor Kurzem auf 15 Minuten unter der Woche und jüngst auch samstags tagsüber verdichtet hatte. Den müsse man dann auch auf den Verlängerungsstrecken mitbetrachten, so Bernhard Maier (Freie Wähler). Vor allem aber müsse eine Angebotsausweitung um 50 Prozent auch entsprechend finanziert werden, wandte unter anderem Armin Serwani (FDP) ein – mit Blick auf die ebenfalls in der Sitzung präsentierten Zahlen zur Fahrgastentwicklung in Pandemiezeiten. Für die Grünen hingegen ist vielmehr wichtig, dass der aktuelle Takt stabil und robust angeboten werden könne, so Michael Lateier, der beim Thema Verlängerung auch auf die Notwendigkeit von Toiletten in den Zügen hingewiesen hatte. Auch hier spielt die Verfügbarkeit von Fahrzeugen eine Rolle, erinnerten manche Redner, ebenso müsse man berücksichtigen, dass die Ausstattung der S-Bahn-Stammstrecke mit der neuen Leit- und Sicherungstechnik ETCS zwar einen dichteren Takt ermöglichen könne, aber außerhalb auch andere Zugarten diese eigentlich benötigten.

Obwohl sich viele Redner skeptisch zeigten, das politisch formulierte Ziel eines Zehn-Minuten-Takts auch längerfristig zu erreichen, votierten alle Ausschussmitglieder dennoch auch hier für eine entsprechende Studie. Die könnte etwa doppelt so lange dauern wie die erste zu den Verlängerungen, Zwischenergebnisse könnten aber vielleicht noch dieses Jahr präsentiert werden, so Wurmthaler. 180.000 Euro sind bislang im Haushalt für dieses Jahr eingestellt, und man gehe davon aus, dass diese Summe zumindest für diesen Zeitraum reiche, war Harald Raß (SPD) wichtig. Denn alles muss sich am Ende auch rechnen – gerade in Zeiten von Fahrgastrückgängen und höheren Energiepreisen für die Transportunternehmen.