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Sanierung der L 1124: Planung löst heftige Kritik aus

Auf der offiziellen Umleitungsstrecke gibt es aktuell zwei Baustellen. Auch das kritisieren die Ortschaftsräte aus Rielingshausen. Foto: Henning Kaiser/dpa
Auf der offiziellen Umleitungsstrecke gibt es aktuell zwei Baustellen. Auch das kritisieren die Ortschaftsräte aus Rielingshausen. Foto: Henning Kaiser/dpa
Zwei Ortschaftsräten aus Rielingshausen geht das, was das Regierungspräsidium rund um die Sanierung der Landesstraße zwischen Erdmannhausen und Rielingshausen geplant hat, über die Hutschnur. Von Untätigkeit und Unverständnis ist in ihrem Dringlichkeitsantrag die Rede.

Marbach. Die Sanierung der Landesstraße 1124 zwischen dem Kreisverkehr an der Schweißbrücke bei Erdmannhausen und Rielingshausen, die am Montag unter Vollsperrung der Strecke beginnen soll, sorgt für Ärger. Heute haben zwei der drei CDU-Räte im Ortschaftsrat Rielingshausen einen Dringlichkeitsantrag an Marbachs Bürgermeister Jan Trost gestellt, der vier Kritikpunkte umfasst. Trost soll „die genannten Punkte unverzüglich mit dem Regierungspräsidium (RP) Stuttgart erörtern und Lösungen im Sinne der (Rielingshäuser) Bürgerinnen und Bürger herbeiführen.“

Die Räte Jochen Biesinger und Stefanie Hofmiller ärgern sich vor allem darüber, dass der Ortschaftsrat bei der Planung der Sanierung und der Umleitungsstrecke nicht eingebunden war. „Das Regierungspräsidium fühlt sich von jeglichen geordneten Anhörungs- und Abstimmungsprozessen entbunden“, so die Kritik.

Entsetzen über Wegfall des Geh- und Radwegs

Konkret monieren sie, dass bei der Sanierung der Landesstraße der Gehweg auf der kompletten Länge entfernt werden soll; das habe man auf Nachfrage in Erfahrung gebracht. Jochen Biesinger ist entsetzt: „Es kann doch nicht sein, dass eine von der Bevölkerung genutzte Wegeverbindung einfach ersatzlos entfällt!“ Bei anderen Straßenbauprojekten des Landes würden parallele Geh- und Radwege neu gebaut.

Umleitungsstrecke für Gelenkbusse ungeeignet

Biesinger, hauptberuflich beim Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) tätig und ausgewiesener Nahverkehrsexperte, lässt zudem kein gutes Haar an der Umleitungsstrecke für die Busse. Abgesehen davon, dass der Umleitungsfahrplan erst seit Mittwoch vorliege, sehe dieser bei den Schulbussen „massive Fahrzeitverlängerungen“ vor; der für Pendler und Berufsschüler sehr wichtige Bus um 6.52 Uhr werde nicht als Gelenk-, sondern nur als Standardbus angeboten. Biesinger ärgert das besonders, „weil das Regierungspräsidium seit Monaten weiß, dass die Busumleitungsstrecke durch den Steinbruch für Gelenkbusse ungeeignet ist“. Dennoch sei die Strecke nicht ertüchtigt worden. Biesinger: „Es kann doch nicht sein, dass die Untätigkeit des RP in dieser Angelegenheit auf dem Rücken der ÖPNV-Nutzer ausgetragen wird.“

Alternative Umleitung wäre 15 Minuten kürzer

Wie die beiden Ortschaftsräte weiter schreiben, gebe es in der Bevölkerung zudem „deutliches Unverständnis“ für die Umleitungsstrecke. Die soll von der Schweißbrücke über Steinheim, Kleinbottwar, den Forsthof und dann über die Landesstraße 1115 nach Rielingshausen führen; in umgekehrter Richtung gilt dasselbe. Diese Strecke sei ökonomisch und ökologisch die schlechteste aller denkbaren Alternativen, schreiben Biesinger und Hofmiller. Die offizielle Umleitungsstrecke sei acht Kilometer länger als der direkte Weg ohne Sperrung und nehme 17 Minuten mehr Fahrzeit in Anspruch. Eine Umleitung über Kirchberg wäre 1,3 Kilometer länger, bei einer zusätzlichen Fahrzeit von zwei Minuten. Der Vollständigkeit halber weisen die Ortschaftsräte darauf hin, dass es aktuell in der Ortsdurchfahrt Steinheim eine Baustelle gibt und in Kleinbottwar Gehwegarbeiten stattfinden.

Schließlich ziehen die beiden Kommunalpolitiker den Zeitplan der Sanierung in Zweifel; vier Wochen Bauzeit erschienen angesichts der Verzögerung bei anderen Projekten (Stichwort B 27 in Besigheim) fraglich.

Bürgermeister hat morgen Gesprächstermin

Bürgermeister Jan Trost hat den Dringlichkeitsantrag am heutigen Donnerstag an die zuständige Referatsleitung im RP weitergeleitet und für morgen einen Besprechungstermin zu Sanierung und Umleitung bekommen. „Was wir gegenüber dem RP klar kommuniziert haben, ist, dass es eine Alternative geben muss, wenn in der heutigen Zeit ein Geh- und Radweg im Rahmen einer Straßenbaumaßnahme durch das Land entfernt wird. Wenn so seitens des Landes vorgegangen wird, schaffen wir die Mobilitätswende nicht“, so Trost auf Anfrage unserer Zeitung.