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Sanierung gerät ins Stocken

Qualitätsprobleme bei Stahlbauteilen aus Ukraine – Fortsetzung der Hauptarbeiten erst gegen Jahresende?

Im August 2019 starteten die Hauptarbeiten der Sanierung, seitdem wurde vor allem die Fahrbahn der A 81 von unten her um 50 Zentimeter verstärkt. Diesen April sollte es eigentlich weitergehen, auch mit Spursperrungen in einer Röhre tagsüber.Archivfot
Im August 2019 starteten die Hauptarbeiten der Sanierung, seitdem wurde vor allem die Fahrbahn der A 81 von unten her um 50 Zentimeter verstärkt. Diesen April sollte es eigentlich weitergehen, auch mit Spursperrungen in einer Röhre tagsüber. Foto: Werner Kuhnle
Die geplante Überleitung von Spuren ist am Südportal gut sichtbar. Wird das in der nächsten Bauphase umgesetzt, werden alle Spuren verengt. Screenshot: SVZ
Die geplante Überleitung von Spuren ist am Südportal gut sichtbar. Wird das in der nächsten Bauphase umgesetzt, werden alle Spuren verengt. Screenshot: SVZ

Gerlingen/Leonberg. Die Veränderungen im Engelbergtunnel haben sich zuletzt immer mehr angedeutet: Nachts war zeitweise nur noch eine Spur befahrbar, zudem waren wieder häufig Messpunkte sichtbar, aufgebracht in jenem Abschnitt der Tunnelröhren, der besonders stark vom aufquellenden Anhydrit betroffen ist und verstärkt werden muss. Und seit kurzem ist der Bereich vor dem Südportal asphaltiert und nur noch durch niedrige Trennwände von den Fahrbahnen in die Gegenrichtung abgegrenzt – hier soll je eine der drei Spuren übergeleitet werden, damit in der anderen Röhre mehr Platz für die Bauarbeiten ist. Doch eines hat sich auch angedeutet: eine erneute Verzögerung bei der Sanierung. Das hat das Regierungspräsidium (RP) nun auf LKZ-Anfrage bestätigt.

Eigentlich hätte die nächste Bauphase nach den zuletzt veröffentlichten Angaben Mitte August beginnen sollen – wann es nun weitergeht, steht derzeit noch nicht fest. Denn diesmal sind nicht „coronabedingte Engpässe beim Material und Personal“ wie zum geplanten Bauphasenbeginn im April schuld. Sondern vor allem Probleme bei der Herstellung. Bei der Überprüfung der ersten eingetroffenen, fünf Meter langen Stahlbauteile zur Verstärkung der Tunnelinnenschale habe man festgestellt, „dass sie nicht die geforderte Qualität aufweisen und so nicht verwendet werden können“, heißt es in einer am Dienstag versandten Mitteilung. Das beziehe sich auf die Schweißnähte mancher Teilabschnitte, was unter Umständen die Robustheit beeinträchtigt hätte, konkretisiert das RP auf Nachfrage. Doch gerade bei einer solchen Baustelle müsse man hohe Ansprüche an die Qualität stellen – und das werde man auch sicherstellen.

Produziert wurden die Bauteile in einem Werk in der Ukraine, das aber nach europäischer Norm zertifiziert sei, so das RP – das aber nach eigenen Angaben bislang über keine Erfahrung in der Zusammenarbeit mit diesem Hersteller verfügt. Man habe jedoch, zusätzlich zu den Kontrollen durch die Baufirma, ein Institut beauftragt, das Werk vor der Produktion zu überprüfen – und diese Stichproben seien unauffällig gewesen. Wieso dann nicht gleich danach, noch in der Ukraine, die Fehler entdeckt wurden, ist unklar, beim beauftragten Bauunternehmen war am Dienstag niemand erreichbar. Das RP schränkte aber schon ein, dass es „bei der Überwachung und Lieferung wie derzeit in vielen Bereichen auch Beeinträchtigungen durch Corona gab“. Deshalb sei die Sicherstellung der Herstellungsqualität aufwendiger als geplant.

Bislang sind 70 von rund 700 Bauteilen am Engelbergtunnel eingetroffen, die weiteren hätten während der kommenden Monate kontinuierlich geliefert werden sollen. Man könne also in der aktuellen Produktion noch nachsteuern. Wann die nachzuarbeitenden – oder gar neu zu produzierenden – Teile hier eintreffen, ist noch offen. Denkbar sei durchaus, dass die zweite Bauphase erst im Herbst oder Winter starte, so das RP auf Nachfrage. Damit ist auch klar, dass der Fertigstellungstermin Mai 2024, den die Behörde bei der Ankündigung der ersten Verzögerungen nach wie vor genannt hatte, nicht mehr gehalten werden kann. Aber: „Selbstverständlich werden das Regierungspräsidium und die beauftragten Firmen alles daran setzen, um Zeit aufzuholen und die Verschiebung des Bauendes so gering wie möglich zu halten.“ Aktuell würden deshalb auch die Arbeiten, die unabhängig vom Einbau der Stahlbauteile sind, fortgeführt.

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