Logo

Gesundheit

Schlechte Luft in Klassenzimmern

In der Markgröninger Landern-grundschule treten gesundheitsschädliche polychlorierte Biphenyle (PCB) in den Klassenzimmern aus. Nun setzen sich Vertreter der Stadt und des Gesundheitsamtes zusammen, um über die Lage zu beraten.

Landerngrundschule in Markgröningen: Die mehr als 200 Schüler sollen hier weiterhin unterrichtet werden, obwohl es seit 2016 Probleme mit erhöhten Schadstoffwerten gibt. Foto: Ramona Theiss
Landerngrundschule in Markgröningen: Die mehr als 200 Schüler sollen hier weiterhin unterrichtet werden, obwohl es seit 2016 Probleme mit erhöhten Schadstoffwerten gibt. Foto: Ramona Theiss

Markgröningen. An der Landernschule in Markgröningen lüften und wischen sie die Klassenzimmer seit vier Jahren besonders intensiv – und nicht nur, weil es während des Matheunterrichts und der Deutschstunden mal hitzig werden kann.

Eine Sanierung der Landernschule

ist erst für 2024 geplant


Im Jahr 2016 lässt die Stadt die Turnhalle der Grundschule sanieren. Experten stellen fest, dass gesundheitsschädliches PCB in die Umgebung ausdünstet. Die möglicherweise krebserregende Chlorverbindung sitzt nach Angaben des Markgröninger Bürgermeisters Rudolf Kürner in den Fensterfugen, die in den 70er Jahren so verwendet wurden, als die Landerngrundschule gebaut wurde.

Seither finden in der Einrichtung, die von mehr als 200 Schülern besucht wird, regelmäßig Messungen statt. Denn die polychlorierten Biphenyle treten auch aus den Fugen mehrerer Klassenzimmer aus. Zuletzt betrug die Konzentration des Stoffes in der Luft mehr als 300 Nanogramm pro Kubikmeter – eine PCB-Richtlinie verlangt jedoch, dass der Wert dauerhaft unter die 300-Nanogramm-Schwelle sinken sollte. Aktuell bewegt sich die Stadt damit im sogenannten Vorsorgebereich. Was in diesem Fall von ihr verlangt wird: verstärkt zu lüften und zu reinigen.

Immerhin sind sie in Markgröningen noch weit von der 900-Nanogramm-Grenze entfernt, wonach schwangere Lehrerinnen nicht mehr arbeiten dürfen – und erst recht von 3000 Nanogramm. „Von da an werden sofortige Sanierungsarbeiten erforderlich“, sagt Kürner.

Doch auch so will der Bürgermeister das Problem nicht verharmlosen. „Die Werte sind schlecht. Wir müssen der Situation Herr werden“, bekennt er. Derzeit läuft erneut eine großangelegte Messreihe, die in der kommenden Woche Ergebnisse liefern soll. Die Fachleute rückten während der Ferien und im laufenden Betrieb in mehr als zehn Klassenzimmern an. Am 27. Januar ist ein Treffen mit dem Gesundheitsamt und der Schulleitung angesetzt.

In der mittelfristigen Finanzplanung steht die Modernisierung der Landernschule eigentlich erst ab dem Jahr 2024 auf dem Plan. „In welcher Größenordnung wir sanieren müssen, lässt sich jetzt noch nicht abschätzen“, sagt der Rathauschef. Die Freien Wähler wollen den Untersuchungen nach eigenen Angaben nicht vorgreifen. Sie rechnen aber damit, dass die Sanierung früher kommen muss als angedacht. Der Fraktionschef Matthias Reutter in seiner Haushaltsrede: „Sollte früherer Handlungsbedarf bestehen, so wird unsere mittelfristige Finanzplanung durcheinandergewirbelt. Das hat dann die logische Folge, dass andere Projekte geschoben oder gestrichen werden müssen.“

Kürner will davon noch nichts wissen. Die Stadt muss in den kommenden Jahren viele Millionen Euro für zusätzliche Kindergartenplätze ausgeben. „Da können wir nichts zurückstellen.“ Die Landernschule hat er bereits zu Beginn seiner Zeit in Markgröningen in den 90er Jahren im großen Stil runderneuern lassen. Damals hatte ein Brandstifter ein Feuer in der Einrichtung gelegt.

Im Nacken sitzt der Stadt auch die Europäische Gesellschaft für gesundes Bauen und Innenraumhygiene – eine ehrenamtlich betriebene Informationsplattform mit Sitz in Bayern. Sie äußert offenbar die Vermutung, dass das Rathaus die Nutzer und Betroffenen nicht rechtzeitig über die Belastungen an der Landerngrundschule informiert habe. Kürners Gebäudemanager Reiner Schulze: „Dem kann ich nur entschieden widersprechen.“ Die Ergebnisse der bisherigen Messungen seien auf einer Veranstaltung in der Schule präsentiert worden und einsehbar gewesen. Darüber hinaus organisiere die Verwaltung seit 2016 jedes Jahr eine Infoveranstaltung in Markgröningen für neue Eltern, an der auch Architekten und Gebäudemanager teilnehmen. Schulze sagt: „Den Schulleiter und die Lehrerschaft informieren wir ohnehin laufend.“

Autor: