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Schloss wird zur Klinik für Psychotherapie

Jetzt ist es offiziell: Das Schloss Freudental wechselt seinen Besitzer. Die Wohninvest Holding GmbH aus Fellbach hat das Areal erworben, um dort eine Spezial- klinik einzurichten.

Das Areal mit Schloss, Park und Nebengebäuden wird bald einer neuen Bestimmung zugeführt. Foto: Alfred Drossel
Das Areal mit Schloss, Park und Nebengebäuden wird bald einer neuen Bestimmung zugeführt. Foto: Alfred Drossel

Freudental. Der Zeitplan klingt ziemlich ambitioniert: Die Wohninvest Holding hat nun das Freudentaler Schloss übernommen, Ende des kommenden Jahres sollen die ersten Patienten einziehen. Denn das historische Ensemble wird zu einer Spezialklinik für moderne Psychotherapie und Psychosomatik. Deren Betreiberin ist die Dr. Karsten Wolf AG aus dem nordrhein-westfälischen Erftstadt, wo im dortigen Schloss Gracht Anfang September 2019 eine private Akutklinik eröffnet worden war. „Das Areal in Freudental mit dem Schloss, seinen Nebengebäuden und dem Park ist ideal, um dort eine Privatklinik zu installieren“, zeigt sich Harald Panzer, Geschäftsführer der Wohninvest Holding, im Gespräch mit unserer Zeitung begeistert. „Wir waren auf der Suche nach einer Spezialimmobilie, die haben wir nun gefunden.“

Über den Kaufpreis bewahrt Harald Panzer Stillschweigen, investiert werden sollen mehr als 30 Millionen Euro. Angebaut werde nicht, es stehe aber ein „komplexer Umbau“ an. Es handle sich um ein denkmalgeschütztes Ensemble, das „nicht nur, was den Brandschutz anbelangt auf den neuesten Stand gebracht wird, sondern auch, was die medizinische und therapeutische Ausstattung betrifft. Es wird eine High-End-Klinik entstehen.“ In den Nebengebäuden, die zum Schloss gehören, könnten die Therapiebereiche untergebracht werden. „Die Klinik wird verschiedene Therapiemethoden, beispielsweise mit Kunst, Musik oder Licht anbieten“, erklärt Panzer. Für das Sportmanagement sei unter anderem der ehemalige Handballspieler Markus Baur zuständig. „Er gehört einem Team an, das den Fokus auf sportliche Bewegung sowie auf den Aufenthalt in der Natur legt.“ Dafür biete sich der Schlosspark geradezu an. Ob der künftig auch für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werde? „Nein“, sagt Panzer, „wir richten auf dem Areal eine Klinik ein, die Patienten benötigen Ruhe und Diskretion.“

Krankenkassen übernehmen die Kosten in solch einer Einrichtung nicht. Etwa 60 Prozent der Patienten seien privat versichert, 40 Prozent Beihilfeempfänger, also Beamte. „Bei uns betreut ein Arzt acht Patienten, das sind weit weniger, als die Kassen bezahlen würden“, ergänzt Harald Panzer. Eine intensive Betreuung sei aber für Menschen, die beispielsweise unter Depressionen, Burnout oder bipolaren Störungen leiden, notwendig.

Den zukünftigen Patienten stehen 75 stationäre Betten sowie 20 ambulante Plätze zur Verfügung. 100 Mitarbeiter – vom Klinikleiter über Psychiater, Psychologen, Therapeuten bis hin zu Personal, das sich um das „Wohlergehen der Gäste“ kümmert –, werden in der Klinik beschäftigt sein. Verköstigt werden die Patienten von Spitzengastronomen, denn „Essen ist Teil des Gesundungsprozesses“, betont Harald Panzer.

In der Gemeinderatssitzung heute Abend wird Bürgermeister Alexander Fleig das Projekt vorstellen. „Wir arbeiten an den Baugenehmigungen“, erklärt Panzer. „Läuft alles nach Plan, eröffnen wir Ende 2021.“

Wie mehrfach berichtet, hatte der Bietigheimer Galerist und Verleger Rudolf Bayer das ehemalige Kreisaltenheim im Sommer 2007 für rund 2,5 Millionen Euro gekauft. Ursprünglich wollte er ein privates Gymnasium in dem Schloss einrichten. Doch die Pläne scheiterten, auch weil Bayer und die Gemeinde lange keinen gemeinsamen Weg fanden und teilweise nur noch über Anwälte kommunzierten. In den vergangenen Jahren fanden im Schloss Tagungen, Veranstaltungen, Konzerte und Hochzeiten statt. Der Bietigheimer Galerist hatte auch vorgehabt, auf dem Gelände mehrere Häuser bauen lassen, bestehende Gebäude sollten zu Wohnungen umgebaut werden. Dazu war es aber nie gekommen.

Ist Bayer noch im Boot? „Nein“, antwortet Harald Panzer. „Das Schloss gehört nun uns.“

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