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Schnelle Wohnungen für geringe Einkommen

Spatenstich für zwei Gebäude in der Höfinger Straße – Baugenossenschaft gewinnt mit Konzept für komplett geförderten Wohnraum

Schwingen die Spaten (von links): Hanns Hub und Bernd Heinl von der Baugenossenschaft mit Oberbürgermeister Michael Makurath und den Architekten Susanne Essig und Gerd Fröschle. Foto: Ramona Theiss
Schwingen die Spaten (von links): Hanns Hub und Bernd Heinl von der Baugenossenschaft mit Oberbürgermeister Michael Makurath und den Architekten Susanne Essig und Gerd Fröschle. Foto: Ramona Theiss

Ditzingen. Dem Geschäftsführer der Baugenossenschaft Zuffenhausen eG (BGZ), Hanns Hub, konnte es am Mittwochabend gar nicht schnell genug gehen. Kaum hatten sein Kollege Bernd Heinl und Ditzingens Oberbürgermeister Michael Makurath ihre Reden gehalten, da lud er zum geselligen Teil ins Zelt – doch eigentlich stand zunächst der Spatenstich an.

Und auch der Weg bis zum baldigen Beginn des Baus für die zwei Häuser mit 24 geförderten Wohnungen war schneller gegangen worden als üblich, erinnerte Makurath. 2017 hatte der Gemeinderat beschlossen, dass das Gelände am Rande des Ditzinger Zentrums neu bebaut werden soll – und dabei eine für die Stadt neue Form der Vergabe gewählt werden sollte. Denn nicht nur lag ein Augenmerk auf der Gestaltung, sondern vor allem auf der Schaffung von öffentlich gefördertem Wohnraum – dringend nötig, aber lange im Land vernachlässigt. Mittlerweile sei man zwar „zumindest von den Lippenbewegungen her in einer Hochphase“, so Makurath, doch zuvor sei Jahrzehnte nichts geschehen. Denn es habe die Meinung vorgeherrscht, dass der Markt alles regle – doch das tue er eben nicht für alle, weshalb man in Ditzingen aktiv werde. Etwa auch für die Einkommensgruppen, die zuletzt als systemrelevant ins Blickfeld geraten waren: Pfleger, Rettungskräfte und Kassierer zum Beispiel.

Für Menschen wie sie, vorrangig aus Ditzingen, sind die neun Zweizimmer-, drei Dreizimmer- und zwölf Vierzimmerwohnungen auch gedacht – und zwar ausschließlich gefördert. „Wir wollten ja gewinnen“, so Heinl über die Ausschreibung, für die sich die BGZ mit gar 100 statt der geforderten 50 Prozent sozialem Wohnraum bewarb. Wirtschaftlich möglich ist das neun Millionen Euro teure Projekt eigentlich nur durch die genossenschaftliche Struktur und ein entsprechendes Landeswohnraum-Förderprogramm. „Es war aber auch ein hervorragender Entwurf, der sich durchgesetzt hat“, so Makurath über die einstimmige Entscheidung von Fachjuroren und Stadträten Ende 2018 zugunsten der BGZ, die in Ditzingen schon in den Sechzigern etliche Wohnungen gebaut hat.

Die Pläne von Essig Gruber Architekten GbR in der Bietergemeinschaft mit der BGZ sehen zwei Gebäude mit 1600 Quadratmetern Wohnfläche vor, die Wohnungen gelten dank Aufzügen und bodengleichen Duschen als barrierefrei. Für beide Häuser gibt es eine gemeinsame Tiefgarage, die zusätzlich 31 öffentliche Plätze beherbergt, als Ersatz für die Fläche, die nun wegfällt.

Nach dem Spatenstich hoffen nun alle auf einen guten und schnellen Verlauf – denn ganz so leicht ist die Gründung nicht, schließlich war einst ein Kanal unter dem Baugelände, zudem verläuft nebenan die Glems, die früher immer mal wieder für Überschwemmungen gesorgt habe. Die Tiefgarage muss deshalb mit Schotten als Hochwasserschutz ausgestattet werden.

Trotz der Unwägbarkeiten sind die Beteiligten zuversichtlich, bis zum nächsten Sommer Richtfest feiern zu können. Und vielleicht mal wieder gemeinsam die Spaten schwingen zu können. „Gerne würden wir mit der Stadt weitere Projekte realisieren“, so Heinl. Potenzial dafür gibt es zumindest östlich des Geländes, dafür solle das BGZ-Projekt Impulse bieten, wie Makurath den Willen des Gemeinderats zitierte. Ganz so schnell wird dort aber vorerst nichts geschehen.

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