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Schnelltests kaum spontan möglich

Wer sich derzeit auf das Coronavirus testen lassen will, muss sich auf Warteschlangen einstellen. Auch Termine können in vielen Testzentren nur mit einigen Tagen Vorlauf gebucht werden. Einen Überblick, wie viele Tests vorgenommen werden, hat dabei offenbar niemand.

Zwar zeigen sie schnell ein Ergebnis an, aber schnell zu bekommen sind sie derzeit eher nicht. Foto: Robert Michael/dpa
Zwar zeigen sie schnell ein Ergebnis an, aber schnell zu bekommen sind sie derzeit eher nicht. Foto: Robert Michael/dpa

Kreis Ludwigsburg. Wer sich heute auf die Suche nach einem Termin für einen Coronatest begab, wurde mitunter enttäuscht. Im Schnelltestzentrum der Stadt Ditzingen etwa waren erst wieder am kommenden Montag Termine frei. Im Stadtteil Heimerdingen musste man sogar bis Dienstag warten. In Richtung übernächstes Wochenende dominiert dort im Kalender schon jetzt die Farbe Rot.

Im Nordosten des Landkreises sah es ähnlich aus. So gab es im Marbacher Coronatestzentrum „Schiller“ erst wieder ab Samstagmittag freie Termine. In der Murrer Filiale der Drogerie dm war genau noch ein Test um 13.52 Uhr verfügbar. Dann folgten mehrere ausgegraute Tage, erst der kommende Montag war wieder grün mit gleich 40 freien Terminen. Im Neckar-Käpt’n-Testzentrum an der Mundelsheimer Käsberghalle bekam man heute dagegen einen Termin innerhalb der nächsten halben Stunde – was auch daran liegen kann, dass die Stelle erst Anfang der Woche in Betrieb ging.

Mit den Öffnungsschritten steigt die Nachfrage nach Tests deutlich. Hinzu kommt, dass man sich inzwischen beliebig oft kostenlos testen lassen darf. Denn in der Coronavirus-Testverordnung des Bundes von Anfang März steht, dass Bürger „im Rahmen der Verfügbarkeit von Testkapazitäten mindestens einmal pro Woche“ einen Test in Anspruch nehmen können. Seit dieser Änderung beobachtet die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) einen Anstieg der Tests. „Klar, schließlich waren beziehungsweise sind Tests erforderlich, um beispielsweise einkaufen zu gehen“, so Pressesprecher Kai Sonntag auf Nachfrage.

Über die KVBW rechneten „nicht alle, aber sicherlich die meisten“ Anbieter ihre Schnelltests ab, so der Pressesprecher weiter. Darunter sind etwa Arztpraxen, Apotheken sowie nichtärztliche Betreiber von Testzentren, die von einer Kommune oder dem Sozialministerium beauftragt wurden. Nicht erfasst werden auf diesem Weg aber etwa die Schnelltests, die an Schulen vorgenommen werden.

Wie viele Tests in einem bestimmten Zeitraum etwa im Kreis Ludwigsburg gemacht wurden, wird sich laut Kai Sonntag auch wohl deshalb in absehbarer Zeit nicht darstellen lassen, weil Anbieter ihre Tests bis zu drei Monate später abrechnen können und Ärzte die Abrechnung grundsätzlich immer quartalsweise einreichen. „Hinzu kommt, dass viele Unternehmen ihren Mitarbeitern Tests anbieten, die gar nicht abgerechnet werden“, so der KVBW-Sprecher.

Auch das Land hat keinen Überblick darüber, wie viele Teststellen es in Baden-Württemberg gibt und wie viele Schnelltests vorgenommen werden. Das hatte kürzlich eine Anfrage unserer Zeitung ergeben. Dem Sozialministerium ist zwar bekannt, dass rund 750 Apotheken sowie knapp 1700 Teststellen in den Strukturen der Kassenärztlichen Vereinigung Schnelltests anbieten. Zu weiteren Leistungserbringern, darunter Dienstleister wie Friseure, gibt es jedoch keine Angaben. „Die Zahl der Tests ist uns nicht bekannt, da die negativen Ergebnisse ja nicht meldepflichtig sind“, so Pressereferent Florian Mader.

Neben den erwähnten Dienstleistern dürfen laut Coronaverordnung des Landes auch Arbeitgeber, Schulen und Kitas negative Testergebnisse bescheinigen. „Ob das tatsächlich erfolgt, können wir Ihnen nicht sagen“, heißt es dazu aus dem Sozialministerium. Diese Frage dürfte kommende Woche, wenn die Ferien enden, viele Schulen beschäftigen.

Doch werden solche Bescheinigungen überhaupt überall akzeptiert, etwa beim Restaurantbesuch? Ja, heißt es dazu vom Hotel- und Gaststättenverband Dehoga Baden-Württemberg. Laut Pressesprecher Daniel Ohl hatte es zwar in Einzelfällen Rückfragen gegeben, aber inzwischen sieht er das Thema als geklärt an. Zudem hätten mittlerweile über 4000 Mitglieder und Mitarbeiter an Onlineschulungen zum Testen teilgenommen und dürften somit grundsätzlich auch selbst Tests vornehmen. Derzeit gehe die Tendenz aber dazu, Gäste bei der Anwendung von Selbsttests zu überwachen und negative Ergebnisse zu bescheinigen.

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