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Schnittgut bringt Jogger vom Weg ab

Belange der Naherholungssuchenden und Nutzer prallen am neuen Häckselplatz aufeinander

Thomas Bauschert ist seit der Kindheit blind. Foto: privat
Thomas Bauschert ist seit der Kindheit blind. Foto: privat

Erdmannhausen. Thomas Bauschert ist gerne in der Natur unterwegs. Etwa auf einer Laufstrecke, die er sich über viele Jahre erarbeitet hat: Sie führt auch am 2017 eröffneten Häckselplatz vorbei, wo es eines Tages für ihn nicht mehr weiterging, denn auf der Zufahrt lagen Berge von Schnittgut. Bauschert, der seit früher Kindheit an blind ist, kam nur mit Hilfe von Passanten wieder auf den richtigen Weg. Darf das sein? Unsere Zeitung hat nachgehakt.

Die Zufahrt zum Häckselplatz in der Verlängerung der Gärtnerei Gruber gehört zu einem Straßen- und Feldwegesystem, das auch gerne von Spaziergängern, Radfahrern und Joggern wie Bauschert benutzt wird. Konflikte bleiben da nicht aus. Während einer Schönwetterphase Ende Februar eskalierte nun die Lage. In den Gärten war fleißig geschafft und schließlich auch jede Menge Schnittgut entsorgt worden. Aufgrund der Überlastung des Platzes wurde das Grünzeug einfach auf der Zufahrt abgeladen.

Wie Gemeindekämmerer Eberhard Immel auf Nachfrage unserer Zeitung versichert, habe der Bauhof deshalb sofort die große Häckselmaschine der Abfallverwertungsgesellschaft des Landkreises (AVL) geordert. Der Hintergrund: Der Häckselplatz wird zwar von der Gemeinde unterhalten, für Verarbeitung und Verwertung des Schnittguts ist aber die AVL zuständig. Als die schwere Maschine der AVL vor Ort war, schaffte sie laut Immel drei Tage am Stück, bis alles, was da herumlag, gehäckselt war. „Das war schon eine Sondersituation“, räumt Immel ein.

Der große Häcksler ist ein echtes Schwergewicht. Deshalb musste die Gemeinde auch ihren früheren Häckselplatz beim Sportgelände aufgeben, die Genehmigung war schon im Jahr 2016 ausgelaufen. Der Grund: Das Areal war nicht befestigt, was aber wegen des Einsatzes der schweren Maschine verlangt worden war. So hatte sich die Kommune auf die Suche nach einem neuen Standort gemacht. Zunächst hatte sich ein Areal im Bremental an der Kreisstraße zwischen Erdmannhausen und Marbach in der engeren Wahl befunden, das Landratsamt hatte aber wegen der Nähe zum Wohngebiet aus Lärmschutzgründen Bedenken geäußert. Schließlich wurde das Areal im Tiefental samt Zufahrt realisiert.

„Ich schreibe und spreche nicht nur für mich“, betont Thomas Bauschert, der in Marbach eine Praxis für Physio- und Psychotherapie, Naturheilkunde und Hypnose betreibt. Er sieht die Situation am neuen Häckselplatz weiterhin kritisch. Was ihm viele Menschen, mit denen er regelmäßig ins Gespräch komme, bestätigt hätten: Die Belange der Naherholungssuchenden würden von den Nutzern des Häckselplatzes nicht berücksichtigt. Er beklagt, dass die Fahrzeuge mit zu hohem Tempo unterwegs seien und dass sogar sonntags Schnittgut abgeladen werde. Bauschert fragt sich deshalb, warum der Platz nicht eingezäunt werden und es dann Schließzeiten geben könne.

„Wir halten den Platz bewusst offen und haben damit gute Erfahrungen gemacht“, sagt Immel. Das erleichtere auch der großen Häckselmaschine die Zufahrt. Immel appelliert aber gleichzeitig an die Anlieferer, auf andere Rücksicht zu nehmen. In der von der Gemeinde und der AVL erarbeiteten Benutzungsordnung gibt es bei allem Verzicht auf Schließzeiten doch einige Regelungen. So heißt es darin auch: „Grünschnitt darf nur auf den dafür vorgesehenen Flächen innerhalb des Häckselplatzes abgeladen werden.“

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