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Schönheitsideale im Laufe der Zeit

Das Ditzinger Stadtmuseum öffnet wieder seine Türen: Die Sonderausstellung „Was ist schön? Weibliche Schönheitsideale im Wandel der Zeit“ lädt zur Zeitreise zu schönen Ansichten über die Jahrhunderte.

Barbie als Schönheitsideal? Eine Sonderausstellung im Ditzinger Stadtmuseum geht der Frage nach, was schön ist. Foto: Holm Wolschendorf
Barbie als Schönheitsideal? Eine Sonderausstellung im Ditzinger Stadtmuseum geht der Frage nach, was schön ist. Foto: Holm Wolschendorf

Ditzingen. Ein Doppelkinn, ein aufgeklebtes Muttermal („Mouche“), gebleichte Haut oder – ja! – schwarze Zähne. Schönheit mag im Auge des Betrachters liegen, sie spiegelt aber auch den Spirit einer Epoche wider. Ein großer Unterschied bestehe darin, meint Kunsthistorikerin Dr. Alice Selinger, dass Schönheit früher ein Thema der Oberschicht gewesen sei, während heute alle Leute durch die sozialen Medien viel mehr auf ihr Äußeres schauten. „Ich glaube nicht, dass es ein Wesen bei uns gibt, das davon völlig frei ist.“ Sicherlich sei es auch ein Statement, fügt Stadtmuseumsleiterin Nina Hofmann an, wenn man das Thema Schönheit eben nicht wichtig nehme.

Die Ausstellung gibt einen chronologischen Überblick in 13 Stationen vom alten Ägypten über das Mittelalter und das Barock bis heute. Veranschaulichend zeigen Abbildungen etwa von Nofretete, von der Rubensfigur oder dem Sonnenkönig Louis XIV frühere Schönheitsideale. Auch die umstrittene Barbie, heiß geliebte Puppe mehrerer Generationen, fehlt hier nicht. Jede Zeit hat ihre Ideale, meist sind sie schwer zu erreichen. Oder etwas skurril: Hofmann malt sich ein Muttermal ins Gesicht und erklärt’s: „Ein Fleck auf der Wange hätte bedeutet, dass ich liebeslustig bin. Auf der Stirn sollte er wohl Würde ausstrahlen.“

Coronabedingt muss sich das sinnliche Erleben während der Vorstellung der Ausstellung auf das Optische beschränken. Die Besucher aber können sich bei der Eröffnung auch auf Eindrücke freuen, die ihnen ihr Geruchssinn vermittelt. Nina Hofmann jedenfalls berichtet sehr angetan über die Vorbereitungen im Stadtmuseum: „Es duftete wahnsinnig gut!“ Mandeln, Kardamom, Oliven und – das Highlight für Alice Selinger – Rosenöl sind allzeit geschätzte Zutaten für Kosmetika.

Zur Schau gestellter sozialer Status

Mit der Rückbesinnung einiger Firmen auf natürliche Inhaltsstoffe schließt sich vielleicht ein Kreis. Der Kosmetikmarkt bleibt indes ein Milliardengeschäft. Damals wie heute gehe es immer auch um den sozialen Status, ob zur Schau gestellt oder suggeriert, meinen Selinger und Hofmann. So habe man sich einst die Zähne schwarz gefärbt, um vorzugeben, dass man regelmäßig Zucker konsumierte – ein Luxusgut. Früher wie heute nahmen die Bemühungen gefährliche Ausmaße an. Selinger nennt einige hochgiftige Substanzen, vor denen Frauen sich nicht fürchteten: die Tollkirsche für weite Pupillen oder Bleiweiß, eine ätzende Bleichcreme für helle Haut. Sie führten am Ende dazu, dass Haare und Zähne ausfielen. Viele Frauen starben durch das Gift.

Massive Eingriffe stehen auch heute auf der Tagesordnung: Fett absaugen, Falten füllen, mit Botox lähmen. Als die heute riskanteste Schönheitskorrektur nennen Hofmann und Selinger den „Brasilia Buttlift“, das Modellieren einer ausladenden Kehrseite à la Kim Kardashian. Hofmann war auf der Suche nach einer Sonderausstellung und fand mit Selinger, die Museen regelmäßig Leihausstellungen anbietet, eine Kooperationspartnerin. Das zeitlose und über die Epochen doch immer wieder neu bespielte Thema könnte den Ditzingern etwas Leichtigkeit schenken – sicherlich willkommen nach anstrengenden Coronaphasen.

Info: Die Eröffnung der Sonderausstellung ist für Mittwoch, 26. Mai, geplant. Ob die Museen bis dahin öffnen dürfen, hängt noch von den Inzidenzen und der Einschätzung von Land und Landkreis ab. Zu sehen ist die Ausstellung bis 26. September.

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