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Schüler aus dem Iran erhält Stipendium

Hamidreza Zia kam vor zwei Jahren aus dem Iran nach Deutschland. Inzwischen besucht der Ludwigsburger ein Gymnasium in Fellbach und ist in diesem Jahr Stipendiat der Baden-Württemberg-Stiftung im Programm „Talente im Land“.

Der 18-jährige Hamidreza Zia ist vor zwei Jahren nach Deutschland gekommen. Jetzt ist er Stipendiat bei „Talent im Land“. Foto: Andreas Becker
Der 18-jährige Hamidreza Zia ist vor zwei Jahren nach Deutschland gekommen. Jetzt ist er Stipendiat bei „Talent im Land“. Foto: Andreas Becker

Ludwigsburg. Wenn er von sich selbst erzählt, hat Hamidreza Zia ein leichtes Lächeln auf den Lippen. Der 18-Jährige, der vor zwei Jahren aus dem Iran geflüchtet ist, spricht sehr gutes Deutsch. Wenn man ihn darauf anspricht, lächelt er nur und zuckt mit den Schultern. Selbstverständlich für ihn. Seit zwei Jahren ist Zia nun in Deutschland, seit Juni wohnt er in Ludwigsburg.

„An der Sprachschule habe ich innerhalb von vier Monaten Deutsch gelernt“, sagt er. Ob er davor schon Deutsch konnte? Nein. Am ersten Tag an der Sprachschule habe er kein Wort verstanden. Richtig viel gelernt habe er nicht, anscheinend liegen ihm Sprachen gut. Denn nach vier Monaten stand die Prüfung für das Sprachniveau A1 an. Die Niveaus A1 bis C2 gelten europaweit und sollen es einfacher machen, die Kentnisse einer Fremdsprache länderübergreifend zu vergleichen. A1 steht dabei für Anfänger, C2 für annähernd muttersprachliche Kenntnisse. „Weil ich die erste Prüfung ohne Fehler geschafft habe, meinte meine Lehrerin, ich soll die nächste auch gleich versuchen“, erzählt Hamidreza Zia. Das tat er – und meisterte auch die Level A2 und B1 ohne Probleme. Nach einer vierten Prüfung stand der 18-Jährige schließlich auf Level B2.

„Mit B2 kann man auf ein deutsches Gymnasium“, erzählt Zia. Er startete in der achten Klasse des Kolping Gymnasiums in Fellbach. Nach nur zwei Wochen wechselte er in die neunte Klasse. „Da war ich mehr gefordert“, sagt er mit diesem Lächeln, das zeigt, wie stolz er auf sich selbst ist. Hamidreza Zia ist ein Schüler, den man wohl mit Recht als Überflieger bezeichnen kann.

Das hat auch die Baden-Württemberg-Stiftung gemerkt und den Ludwigsburger in das Stipendienprogramm „Talent im Land“ aufgenommen. Das Programm fördert begabte Schüler aus Baden-Württemberg, die auf dem Weg zum Abitur Hürden zu überwinden haben. 53Schüler aus dem Südwesten sind in diesem Schuljahr Teil des Programms.

„Die Jurymitglieder waren beeindruckt von Hamidrezas Bildungsstreben“, teilte ein Sprecher des Programms mit. Auch die Lehrer an seiner Schule hätten im Vorfeld eine Förderung durch das Stipendium deutlich befürwortet und seine hohe Sozialkompetenz innerhalb der Klassengemeinschaft hervorgehoben.

Die Förderung der neuen Stipendiaten hat im September begonnen und beinhaltet ein monatliches Stipendium, persönliche Beratung sowie Stipendiatentreffen, Seminare und weitere Bildungsangebote. In diesem Jahr finden viele Angebote nur virtuell statt. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, bei Bedarf Mittel für Nachhilfe in den Hauptfächern, Zuschüsse zu Klassenfahrten und zu außerschulischem Engagement zu beantragen.

Hamidreza Zia hat über seine Betreuerin von dem Programm gehört und sich beworben. Er wurde zum Vorstellungsgespräch eingeladen. „Dort wurden mir Fragen gestellt und ich habe geantwortet“, berichtet er auf seine nüchterne Art. Sicher, ob es wirklich klappt, war er sich nicht. Aber nach zwei Wochen habe er die Zusage bekommen. „Zuerst habe ich es gar nicht geglaubt“, sagt er. Dann habe er sofort seine Eltern angerufen. Sie hätten sich riesig gefreut. Seine Eltern sind noch im Iran, Zia ist mit seiner Schwester nach Deutschland gekommen. „Mein einziges Ziel, das ich noch nicht erreicht habe, ist es, meine Eltern zu mir zu holen“, sagt Zia nachdenklich.

Mathe, Physik und Chemie sind seine Lieblingsfächer. Deutsch falle ihm schon etwas schwerer, vor allem wenn es darum geht, Parabeln oder Gedichte zu interpretieren. Trotzdem sei er zufrieden mit seinen Noten in dem Fach, das für seine Mitschüler die Muttersprache ist.

Früher wollte Hamidreza Zia Pilot werden. Doch der Berufswunsch hat sich inzwischen geändert. Ein Lehrer habe ihn mal gefragt: „Wenn du Flugzeuge bauen kannst, warum solltest du sie dann fliegen?“ Dieser Satz ist bei ihm hängen geblieben, jetzt möchte der 18-Jährige Flugzeuge entwickeln.

In seiner Freizeit macht er gerne Sport, er spielt Gitarre und zeichnet. Außerdem liest er viel und schaut sich Dokumentationen an. „Es macht mir einfach Spaß, Neues zu lernen“, sagt er.

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