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Schüler kennen Probleme von Schülern am besten

Die Abiturientinnen Sara Reinelt (links) und Sarah Schwahlen haben an der Sommerschule unterrichtet. Foto: Holm Wolschendorf
Die Abiturientinnen Sara Reinelt (links) und Sarah Schwahlen haben an der Sommerschule unterrichtet. Foto: Holm Wolschendorf
Um Wissenslücken zu schließen, haben zahlreiche Schulen in den vergangenen beiden Wochen eine Lernbrücke angeboten. Neben diesem Förderprogramm des Landes setzt man am Marbacher Friedrich-Schiller-Gymnasium auf eine Sommerschule, die sich schon lange vor der Pandemie bewährt hat.

Marbach. Die Abiturientinnen Sara Reinelt und Sarah Schwahlen (Foto von links) gehören zu den 60 ehemaligen und aktuellen Schülern des Gymnasiums, die in diesen Ferien anderen geholfen haben, Stoff zu wiederholen. Zwei Wochen lang hatten die Schüler Einzelunterricht, pro Tag zwei Schulstunden à 45 Minuten. Sie konnten dabei zwischen einem Kurs in den ersten und letzten beiden Ferienwochen wählen. Inwieweit der Nachholbedarf ihrer Schüler coronabedingt war, können die beiden Abiturientinnen schwer einschätzen, da sie erst seit vergangenem Jahr dabei sind. Auch an den Anmeldezahlen lässt sich keine höhere Nachfrage aufgrund der Pandemie ablesen. Während es bei der ersten Sommerschule 2003 gerade mal 40 Einzelkurse waren, stieg die Zahl 2016 auf rund 250. In diesen Sommerferien waren es 160.

Lehrer Steffen Merz, der die Sommerschule mitorganisiert, geht davon aus, dass das Fernlernen vor allem Leistungsschwachen Probleme gemacht hat: „Gute Schülerinnen und Schüler hatten sogar mehr Chancen und Inhalte, um den Stoff zu verstehen. Das ging aber nur gut, wenn sie sich selbst organisieren können.“ Sara Reinelt vermutet, dass vor allem Jüngeren die direkte Ansprache gefehlt hat. Eine ihrer Sommerschülerinnen habe selbst beobachtet, dass sie zwar vor dem Laptop saß, aber nicht richtig dabei war. Dafür könne man in der Sommerschule zu 100 Prozent auf die Bedürfnisse eingehen.

„Ich glaube, dass man sich von anderen Schülern leichter etwas sagen lässt als von einem Lehrer“, sieht Sara Reinelt als Vorteil. Sie unterrichtete eine Sechstklässlerin gleich in Deutsch und Englisch. Diese beiden Fächer bezeichnet Sarah Schwahlen als ihre Leidenschaften und studiert sie daher demnächst auf Lehramt. „Ich arbeite gern mit Kindern und gebe auch privat Nachhilfe“, sagt sie und kann sich gut vorstellen, auch im kommenden Jahr wieder bei der Sommerschule mitzuwirken. Gern gibt sie ihren Schülern auch die Lernmethoden und Apps weiter, die sie bei der Abiturvorbereitung für sich entdeckt hat.

In der Regel unterrichten in Marbach Ehemalige oder Schüler ab der Klassenstufe zehn Jüngere aus den Stufen fünf bis zehn. Laut Steffen Merz bewerben sich immer mehr potenzielle Lehrende, als eingesetzt werden, so dass automatisch nur gute bis sehr gute den Job bekommen. „Wenn es gar nicht passt, würden die Eltern auf uns zukommen“, ist sich seine Kollegin Jana Müller sicher. Die Rückmeldebögen fielen zu 95 bis 99 Prozent positiv aus. Laut den Organisatoren kann die Sommerschule die Startchancen und die Motivation für das kommende Schuljahr verbessern. Manche Schüler besuchen sie auch, weil sie noch eine Nachprüfung ablegen müssen, um versetzt zu werden.

Anders als die Sommerschulkurse, von denen einer 180 Euro kostet, die mit 170 Euro fast vollständig an die Lehrenden weitergegeben werden, ist die Teilnahme an einer Lernbrücke kostenfrei. Auch diese Möglichkeit wurde am Friedrich-Schiller-Gymnasium in den vergangenen beiden Wochen angeboten. „Wir können nicht darauf verzichten“, so Schulleiter Volker Müller. So hätten sie mehr Schüler unterbringen können. Ohnehin sei manchen das Lernen in Gruppen lieber, auch wenn sie dann nicht nur unter ihresgleichen sind. Denn bei der Lernbrücke unterrichten keine Schüler, wie Organisatorin Andrea Saffert erklärt. In diesem Jahr konnte man in Marbach dafür vier Vertretungslehrkräfte und eine Doktorandin gewinnen, die 46 Schüler vor allem Mathematik, aber auch Englisch und Deutsch beibrachten. „Grundsätzlich ist das Programm ein gutes“, so Volker Müller. Da die Schulen dafür keine zusätzlichen Stunden zugeteilt bekommen, sei es aber schwierig gewesen, Personal zu finden. Dass die zweite Auflage nun deutlich weniger Teilnehmer hatte, erklärt er sich damit, dass es zwar weiter Fernunterricht gab, aber nach Stundenplan: „Die Lücken und Ängste sind nicht so ausgeprägt wie vor einem Jahr.“ Dennoch wollten die Schüler Sicherheit für den Einstieg am Montag.