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Schultes will Tamm bis 2022 zur Stadt machen

Gemeindeentwicklungsplan soll urbanes Gepräge nachweisen – Bernhard verspricht sich von neuer „Marke“ mehr Gehör bei Nachbarn

Städtischen Charakter weist spätestens seit dem Bau des Bürgersaals Tamms Ortsmitte auf. Foto: Holm Wolschendorf
Städtischen Charakter weist spätestens seit dem Bau des Bürgersaals Tamms Ortsmitte auf. Foto: Holm Wolschendorf

Tamm. Das Ziel hatte schon sein Vorgänger Roland Zeller ausgerufen und seinerzeit Tamms Jubiläumsjahr 2012 anvisiert. Auch der aktuelle Tammer Bürgermeister Martin Bernhard spricht nicht zum ersten Mal davon: Tamm soll Stadt werden! Spätestens 2020, nannte Bernhard vor zwei Jahren sein Ziel. Jetzt will der Schultes Nägel mit Köpfen machen: Der kürzlich verabschiedete Gemeindeentwicklungsplan (wir berichteten) biete eine belastbare Grundlage, um das „urbane Gepräge“ der Kommune nachweisen zu können, sagt Bernhard. 2022 soll es endlich soweit sein – und Tamm zur 19. Stadt im Kreis Ludwigsburg werden.

Seit Jahren stabil über 12000 Einwohner, S-Bahn-Station und Autobahnanschluss, regionaler Wohnbauschwerpunkt, ein überdurchschnittliches Angebot an Arbeitsplätzen, mit dem Bürgersaal eine moderne Veranstaltungshalle, in der schon die Ludwigsburger Festspiele gastierten: Von den meisten Nicht-Tammern wird Tamm längst als Stadt wahrgenommen. Doch im Gegensatz zu all seinen Nachbarn – neben Ludwigsburg und Bietigheim-Bissingen grenzen Asperg, Freiberg und Markgröningen an die Tammer Markung – firmiert die Kommune immer noch als Gemeinde. Ein Nachteil, findet Bürgermeister Bernhard. Auch wenn mit einer Stadterhebung keine zusätzlichen Rechte verbunden wären – die „Marke“ Stadt gäbe Tamm ein neues Image, glaubt er. Und das werde nicht nur Selbstbewusstsein und Identität der Tammer stärken, sondern auch der Kommunalpolitik helfen – beispielsweise im Umgang mit den größeren Nachbarn.

Bernhard hat nicht vergessen, dass Ludwigsburg sich bisher bei Diskussionen um die Erweiterung des Breuningerlands wenig um die Belange des kleineren Nachbarn scherte. Auch das Verhältnis zu Bietigheim-Bissingen hat zuletzt gelitten: Drängte „Bi-Bi“ lange auf eine Erweiterung des gemeinsamen Industriegebiets Laiern, so ließ man die Tammer, als die erweitern wollten, in dieser Frage hängen: Die Große Kreisstadt ist an mehreren interkommunalen Gewerbestandorten beteiligt, die Haltung von Bietigheim-Bissingens Gemeinderat hat sich geändert.

Eine Schlichtung des Streits schien in Sicht, als die Frage des künftigen Tammer Anschlusses an die Nordtangente planerisch vom Thema Laiern-Erweiterung abgekoppelt wurde. Doch jetzt zögert Bietigheim-Bissingen auch die Straßenbau-Thematik hinaus. Bernhard verlangt deshalb eine gemeinsame Sitzung beider Ratsgremien – nicht irgendwann, sondern kurz nach der Sommerpause.

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