Logo

Halbfinale

Schwaben-Duell noch ohne Sieger

Der Schlagabtausch der Riesen gegen Ulm sorgt für ein Novum. Nach fast einem halben Jahrhundert endete wieder ein Play-off-Spiel in der Basketball-Bundesliga remis.

Ludwigsburgs bester Spieler des Tages, Marcos Knight (links), bedient gegen Ulms Gavin Schilling (Mitte) seinen Teamkollegen Hans Brase. Foto: Eibner
Ludwigsburgs bester Spieler des Tages, Marcos Knight (links), bedient gegen Ulms Gavin Schilling (Mitte) seinen Teamkollegen Hans Brase. Foto: Eibner

München/Ludwigsburg. 45 Jahre nach dem letzten Unentschieden in einem Play-off-Spiel der Basketball-Bundesliga haben sich die MHP-Riesen Ludwigsburg und ratiopharm Ulm gestern mit 71:71 getrennt. Im Spielsystem mit Hin- und Rückspiel beim Finalturnier der BBL in München konnte sich damit keines der beiden Teams einen Vorteil für das morgige Rückspiel verschaffen. In einem umkämpften, nur selten hochklassigen Basketballspiel brachten die Co-Kapitäne Marcos Knight und Jonas Wohlfarth-Bottermann die Ludwigsburger im Schlussviertel zurück in die Partie.

Dank des Remis haben die Riesen weiterhin alle Chancen, ins BBL-Finale einzuziehen. „Das war ein sehr intensives Spiel. Beide Mannschaften waren vielleicht ein bisschen müde, aber es war ein toller Kampf“, bilanzierte Riesen-Trainer John Patrick.

In der Anfangsphase bestrafte Ludwigsburgs Nick Weiler-Babb noch fahrlässig agierende Ulmer. Für die vergaben alleine Archie Goodwin und Patrick Heckmann vier Freiwürfe in Serie. Auf der anderen Seite versenkte Weiler-Babb, dessen Bruder Chris Babb zwei Jahre für ratiopharm spielte, zwei Dreier in Serie und brachte die Riesen mit 17:7 in Front. Trotz des Zehn-Punkte-Rückstands bewegte Ulm in der Offensive weiterhin gut den Ball – und traf nun auch seine freien Würfe. Stück für Stück kamen sie zurück ins Spiel. Nach verwandelten Freiwürfen vom Ulmer Routinier Per Günther gingen die Ludwigsburger noch mit einer Sieben-Punkte-Führung (21:14) in die erste Viertelpause.

Diese schrumpfte aber weiter: Mitte des zweiten Viertels glich ratiopharm-Nachverpflichtung Thomas Klepeisz per Distanzwurf zum 25:25 aus. Weitere drei Punkte von Center Derek Willis bescherten Ulm die erste Führung seit der ersten Spielminute. In der wie erwartet umkämpften Partie brachte der treffsichere Weiler-Babb die Riesen zurück in Führung. 17 Punkte legte der 24-jährige US-Amerikaner in der ersten Spielhälfte auf. Zwei davon mit einem spektakulären Dunk nach Pass von Wohlfarth-Bottermann zum 36:32 für Ludwigsburg. Willis brachte Ulm bis zur Halbzeit lediglich noch auf 34:36 heran.

Auch in der zweiten Spielhälfte blieb das Spiel eng. Die Riesen hatten in der Offensive sichtlich Probleme mit der Ballzirkulation. „Move the ball“ („bewegt den Ball“) hörte man Riesen-Trainer John Patrick deutlich zu seinen Spielern rufen, nachdem Andreas Obst und Willis Ulm mit 37:36 in Führung geschossen hatten.

Marcos Knight kaum zu stoppen

Beide Teams mussten sich über beinahe die komplette Partie jeden Punkt hart erarbeiten. Vier Punkte in Serie machten Marcos Knight und Radii Caisin nach Offensivrebounds. Die Kapitäne Wohlfarth-Bottermann und Knight gingen in dieser Phase voran. Besonders Knight griff sich etliche Rebounds und war im Angriff an nahezu jedem Ludwigsburger Punkt beteiligt. 24 Zähler legte er am Ende auf, 16 davon in Hälfte zwei. „Es ist schwer, ihn da rauszuhalten“, sagte Ulms Heckmann über Knights energische Arbeit unter dem Korb. „Er ist stark, schnell und immer am richtigen Ort“, so Heckmann. Dennoch nahmen die Ulmer einen Vier-Punkte-Vorsprung mit in den Schlussabschnitt (56:52). Den begann der unter dem Korb dominante Willis mit einem Ausrufezeichen. Einen Fehlwurf dunkte er direkt aus der Luft in die Reuse. Nach weiteren Punkten von Topscorer Willis (19 Punkte) und Heckmann nahm Riesen-Coach Patrick beim Stand von 54:62 und dem höchsten Rückstand der Partie eine Auszeit.

Diesmal kämpften sich Knight und Co. zurück, ohne spielerisch zu glänzen. Freiwürfe und Offensivrebounds prägten das Angriffsspiel der Gelb-Schwarzen, deren Mühe belohnt wurde: Freiwürfe von Youngster Lukas Herzog drei Minuten vor Spielende brachten die Ludwigsburger wieder in Führung (69:68). Willis fand per Drei-Punkte-Wurf allerdings die prompte Antwort. Nach einem No-Look-Pass von Knight glich Wimbush zum 71:71 aus.

Da Knight in der Offensive gestoppt wurde und die Riesen gegen Ex-NBA-Profi Goodwin stark verteidigten, blieb es bis zur Schlusssirene beim 71:71. „Wenn zwei so gute Teams in starker Form aufeinandertreffen, kann das passieren“, sagte Ludwigsburgs Weiler-Babb über das Unentschieden. Morgen (20.30 Uhr) treffen beide Teams im Rückspiel erneut aufeinander. Dann wird es allerdings sicher einen Gewinner geben – und wenn dafür eine Verlängerung nötig sein wird.

Autor: