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Schwerbehinderte weniger auf Achse

Fahrdienst für Menschen mit Handicap wird weiter bezuschusst – Nachfrage wegen Corona aber stark gesunken.

Kreis Ludwigsburg. Seit fast 40 Jahren unterstützt der Kreis Ludwigsburg Fahrdienste für schwerbehinderte Menschen, die den ÖPNV nicht nutzen können. Ein Fahrer in einem eigens dafür geleasten Fahrzeug bringt diesen Personenkreis ins Kino, auf Konzerte oder zu Sportveranstaltungen. Jedes Jahr kommen so auf Initiative der Johanniter-Unfallhilfe und des Malteser-Hilfsdienstes bis zu 1100 Fahrten zusammen. Die Kilometerleistung liegt bei 30000 bis 40000 – doch dann bricht das Coronavirus aus.

2020 zählte das Landratsamt nur noch 562 Fahrten, im ersten Quartal 2021 waren es 129. Der Vizelandrat Jürgen Vogt sagte jetzt im Kreistagsausschuss für Umwelt und Technik: „Die Zahlen sind um rund 50 Prozent zurückgegangen.“ Aber es gibt auch Werte, die Hoffnung machen. In diesem September haben mehr als 50 Menschen mit Handicap den Fahrdienst laut Vogt wieder in Anspruch genommen – insgesamt gelten aktuell 263 als berechtigte Nutzer. Der Vizelandrat ist sich sicher: „Die Jahre 2020 und 2021 sind aufgrund der Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen des öffentlichen Lebens nicht repräsentativ.“ Zumal die potenziellen Nutzer einem besonders gefährdeten Personenkreis zuzurechnen seien.

Vogt lässt daher keinen Zweifel daran, dass der Landkreis den Fahrdienst der Johanniter und Malteser auch in den kommenden beiden Jahren bezuschussen will – und zwar mit knapp 170000 Euro. Im Ausschuss gab es dafür in dieser Woche breite Zustimmung. „Es handelt sich um einen wichtigen Dienst“, sagte der Freie Wähler und Erligheimer Bürgermeister Rainer Schäuffele, „vor, während und nach Corona.“ Der Ludwigsburger CDU-Kreisrat Hans Schmid fand, dass die „Verlässlichkeit gewährleistet bleiben muss“, trotz der deutlich gesunkenen Nachfrage. Der Marbacher Sozialdemokrat Ernst-Peter Morlock betonte im Ausschuss, dass der Fahrdienst ein Stück Lebensqualität für behinderte Menschen bedeute, weil er ihnen ermögliche, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. „Der Rückgang sollte uns nicht erschrecken“, so Morlock weiter.

Nur der Vaihinger AfD-Kreisrat Walter Müller forderte, dass die Höhe der Zuschüsse kritisch überprüft werden müsse. Der Rechtspopulist: „Es ist nicht gerechtfertigt, aus Mitteln des Kreishaushalts auch Fixkosten zu decken.“

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