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Schwerer Gang für den S-Bahn-Chef

Kam zuletzt häufiger vor: Eine S-Bahn fährt wegen der Sperrung des Stuttgarter Tunnels in den oberirdischen Teil des Hauptbahnhofs ein. Foto: Marijan Murat
Kam zuletzt häufiger vor: Eine S-Bahn fährt wegen der Sperrung des Stuttgarter Tunnels in den oberirdischen Teil des Hauptbahnhofs ein. Foto: Marijan Murat
Die Sanierung des Stuttgarter S-Bahn-Tunnels und Probleme mit den Rädern haben die Flotte in der Region wieder mal ins Chaos gestürzt. Dafür hat sich S-Bahn-Chef Dirk Rothenstein jetzt entschuldigt.

Kreis Ludwigsburg. Dirk Rothenstein kommt am Mittwochnachmittag im dunklen Businessanzug in den regionalen Verkehrsausschuss in der Sparkassen-Akademie am Pariser Platz. Nicht das passende Outfit, findet zumindest der Regionalpräsident Thomas Bopp (CDU). Er rät dem Stuttgarter S-Bahn-Chef zum Kampfanzug.

Denn Rothenstein muss das tun, was er in den vergangenen Jahren so oft getan hat – die Probleme der chronisch unpünktlichen Flotte erklären. Der oberste S-Bahner in der Region fängt mit einer Entschuldigung an die Fahrgäste an – für die vielen Unannehmlichkeiten der vergangenen Wochen, die die meisten als aufrichtig empfinden.

Zum zweiten Mal ließ die S-Bahn in den Sommerferien den kompletten Stuttgarter S-Bahn-Tunnel sperren, um ihn fit für die moderne Signaltechnik ETCS zu machen und den Haltestellen ein frischeres Outfit zu verpassen. Die Investitionssumme: 80 Millionen Euro. „Die Baustelle ist gut gelaufen“, bilanziert Rothensteins Kollege Rüdiger Weiß von der Bahntochter DB Netz. Viel mehr aber auch nicht.

Am 17. August muss die Bahn fast 100 Fahrzeuge der Baureihe ET 430 aus dem Verkehr ziehen und den Betrieb auf der Ausweichstrecke zwischen dem Stuttgarter Norden und dem Stadtteil Vaihingen einstellen – wie im Vorjahr. Der Grund ist eine erhöhte Abnutzung der Räder auf der kurvenreichen Strecke.

Am 5. September kommt es noch dicker. Die Bahn räumt ein, dass auch der Abschnitt zwischen Flughafen und Filderstadt die Räder so malträtiert, dass hier ebenfalls nichts mehr geht.

Das ist aber noch nicht alles: Als die Stammstrecke am 12. September wieder regulär in Betrieb gehen soll, bremst ein Oberleitungsschaden die Züge ab 5.30 Uhr stundenlang aus. Die Ursache ist menschliches Versagen – eine vergessene Kralle.

Der Frust ist seitdem enorm. Die Grünen sprechen von einem Tiefpunkt des S-Bahn-Systems in der Region. Der Stuttgarter Regionalrat Philipp Buchholz: „Die S-Bahn ist derzeit die beste Werbung, um ein Auto zu kaufen.“

Das Problem ist ja: Auch in den kommenden drei Sommerferien wird die Röhre unter dem Hauptbahnhof zur Baustelle, um den Knotenpunkt zu digitalisieren. Der Ditzinger Oberbürgermeister und SPD-Regionalrat Michael Makurath fordert deshalb für 2023 „ein Modell, das sicher befahrbar ist“. Der CDU-Regionalrat Rainer Ganske sagt: „Der nächste Schuss muss sitzen.“

Die Bahn hat nun einen externen Gutachter beauftragt, der die Räder und die Schienen auf der sogenannten Panoramabahn untersuchen soll. Der Regionaldirektor Alexander Lahl gibt der Bahn bis Jahresende Zeit für Lösungen – sonst muss für die nächste Stammstreckensanierung ein Plan B her.