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Schwerpunkt liegt auf Unterhaltung

Die Stuttgarter Schauspielbühnen stellen ihren neuen Spielplan für 2021/22 vor – Sommerprogramm statt Rest-Saison

Junger Klassiker: „Frühstück bei Tifffany“ kommt auf die Bühne. Foto: Martin Sigmund/p
Junger Klassiker: „Frühstück bei Tifffany“ kommt auf die Bühne. Foto: Martin Sigmund/p

Stuttgart. Voller Optimismus stellt Axel Preuß, der Intendant der Schauspielbühnen in Stuttgart mit dem Alten Schauspielhaus und der Komödie im Marquardt, den vierten Spielplan seit seiner Amtsübernahme vor. Erst einer, der erste, konnte so gespielt werden, wie er sich das gedacht hatte. Die beiden letzten fielen teilweise und mehr oder weniger ganz dem Lockdown zum Opfer. Preuß und sein Team haben auch beschlossen, vor der Sommerpause, obwohl es jetzt von den Vorschriften her möglich wäre, nicht mehr in den Restspielplan einzusteigen. Vielmehr warten noch drei besondere Projekte auf ihre Premiere: Zum einen ab 1. Juli die Reihe „Theatersommer im Pfarrgarten“ in Weilimdorf mit bekannten Schauspielern, die dem Haus verbunden sind, dann vom 10. bis 17. Juli sieben Konzerte mit dem großartigen Ensemble der Inszenierung der „Comedian Harmonists“ im Rosengarten des Hospitalhofes und schließlich die schauspielerische Stadterkundung „Stuttgart – ein Traum“ in der Rotunde der neuen Staatsgalerie als Kooperation zwischen der Staatsgalerie, dem Theater und der Hochschule für Darstellende Kunst Stuttgart und deren diesjährigen Absolventen, das vom 13. bis 24. Juli gespielt wird.

Und im Herbst soll es dann mit dem normalen Spielbetrieb, wie er seit Monaten ruht, weitergehen. Wie genau, das hat Preuß auf einer unterhaltsamen Preview jetzt bekannt gegeben. Denn die Spielplanpräsentation ist bei ihm keine dröge Erzählveranstaltung, er zelebriert sie auf der Bühne der Komödie im Marquardt mit musikalischen Einschüben und Gästen aus der Riege der Schauspieler und Regisseure, die diesen neuen Spielplan mit Leben erfüllen sollen. Und wenn man ein wenig analytisch auf die neuen Pläne an diesem Doppeltheater schaut, darf man feststellen, dass der Schwerpunkt auf der guten Unterhaltung liegt. Nicht der billigen, profanen Belustigung, aber gepaart mit Witz, mit Geist, mit Spannung, mit Nachdenklichkeit, mit Mundart, mit Hintergründigkeit und vielem mehr. In diesen angespannten Zeiten, die uns allen wohl auch noch eine ganze Weile erhalten bleiben werden, sicher eine gute Idee, ein wenig leichter zu werden im Theater, vor allem wenn die Unterhaltung im Gleichklang mit anderen Komponenten klug vermixt daherkommt.

Im Alten Schauspielhaus will man das mit Peter Shaffers „Amadeus“, mit Ferdinand von Schirachs „Gott“, der Fortsetzung der Comerdian Harmonists-Story „Halleluja!“, dem Trennungs- und Familienepos „Nur drei Worte“ von John und Peter von Düffel, das vielen Freunden der Theater schon vom Podcast ein Begriff ist, Stephen Kings „Misery“ als Kooperation mit den Stuttgarter Kriminächten, der Familiengeschichte „Dinge, die ich sicher weiß“ sowie dem jungen Klassiker „Frühstück bei Tifffany“ tun. In der Komödie im Marquardt, die im Dezember vor siebzig Jahren erstmals ihre Tore öffnete, gibt es die Bühnenversion von Simon Verhoevens Erfolgsfilm „Willkommen bei den Hartmanns“, es gibt die angebliche Entstehungsgeschichte des Sketches „Dinner für One“. „Spatz und Engel“ thematisiert die Freundschaft zwischen Marlene Dietrich und Edith Piaf und auch das „Stück der Stunde“, wie es das Fachmagazin Die deutsche Bühne apostrophiert, „Extrawurscht“ kommt in einer schwäbischen Version der unvermeidlichen Monika Hirschle zur Aufführung. Endlich auch soll den Besuchern der dritte Teil der „Zeiten-Trilogie“ „Himmlische Zeiten“ über das Älterwerden, das schon zweimal dem Lockdown zum Opfer fiel, gezeigt werden und schließlich gibt es als Familienstück „Pettersson und Findus“.

Bekannte Darsteller wie Monika Hirschle, Reinhold Weiser, Andreas Klaue, Anja Barth, Ralf Stech oder Lisa Wildenmann treffen wieder auf neue, spannende Gäste im Ensemble, Preuß spielt hier gekonnt mit seinen Möglichkeiten, die ihm das freie Casting ohne Ensemblezwänge bietet. Gleiches gilt für die Regisseure. Udo Schürmer, Folke Braband, Eva Hosemann oder Benjamin Hille haben sich längst einen Namen gemacht, neue Handschriften werden hinzukommen, so dass Preuß auch hier zeigt, dass er für eine kontinuierliche Weiterentwicklung seiner Bühnen arbeitet, dass er Abwechslung und Qualität in sein Programm bringen will und so seine Theater, die vor dem Lockdown 12000 Abonnenten hatten, wieder kräftig in Schwung bringen will, damit die Erfolgsgeschichte der Schauspielbühnen, die unter seinem Vorgänger dank einer bräsigen Spielplangestaltung und einer noch gleichförmigeren Ausführung, kräftig ins Stottern geraten war, weiter geschrieben werden kann.

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