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Schwirrende Form, eigentümliche Poesie

Der Leonberger Fotograf Gary Duszynski präsentiert eine Auswahl seiner Werke in der Städtischen Galerie

Die optische Wirkung steht im Vordergrund: Gary Duszynski mit der Tübinger Neckaransicht (links), daneben eines der vier Diptychen, in denen der Künstler zwei Bilder über den Inhalt miteinander verbindet. Fotos: Andreas Becker
Die optische Wirkung steht im Vordergrund: Gary Duszynski mit der Tübinger Neckaransicht (links), daneben eines der vier Diptychen, in denen der Künstler zwei Bilder über den Inhalt miteinander verbindet. Foto: Andreas Becker
Die optische Wirkung steht im Vordergrund: Gary Duszynski mit der Tübinger Neckaransicht (links), daneben eines der vier Diptychen, in denen der Künstler zwei Bilder über den Inhalt miteinander verbindet. Fotos: Andreas Becker
Die optische Wirkung steht im Vordergrund: Gary Duszynski mit der Tübinger Neckaransicht (links), daneben eines der vier Diptychen, in denen der Künstler zwei Bilder über den Inhalt miteinander verbindet. Foto: Andreas Becker

Ditzingen. Nicht zu viel Bewegung darf das Wasser haben, aber auch nicht zu wenig. „Sonst erkennt man entweder nichts – oder es ist langweilig“, erklärt Gary Duszynski. Der Leonberger Kunstfotograf präsentiert in seiner neuen Ausstellung „Der andere Blick“ in der Städtischen Galerie in Ditzingen eine schillernde Sammlung von Eindrücken aus der vom Menschen beeinflussten und geformten Umwelt. Am Tübinger Neckarufer etwa verfolgte das sanfte Spiel der Wellen, in denen sich die Fassaden der farbenfrohen Häuser dahinter spiegelten. Und drückte auf den Auslöser. Entstanden ist eine Fotografie („Panta rhei“, altgriechisch für „alles fließt“), in der das Alltägliche, Formen und Farben eine neue Gestalt annehmen. Bis hin zum Eindruck der Abstraktion.

Mehr Sammler als Jäger

Gary Duszynski ist ein Umherstreifender, mehr Sammler denn Jäger. Mal bildet ein Loch in der dünnen Eisdecke über einem Bach eine Herzform, in dessen Mitte sich wacker ein Ast behauptet, dann wieder der in faszinierenden Formen abblätternde Lack einer Tür. „Der Verfall sei eine Metamorphose“, sagt der Künstler, „es ist immer auch ein offener Prozess“. Designer-Schaufensterpuppen in Antwerpen hat er abgelichtet und danach die Farbwerte so abgeändert, dass das Bild einen anderen Charakter erhält, mehr wie ein Plakat, eine Malerei erscheint. Zuweilen fährt ein Bus hinter dem Fotografen vorbei, der sich in der Schaufensterscheibe spiegelt. Immer wieder greift er nachträglich in die Realität ein, wie etwa bei den Skulpturen auf dem Venusberg bei Aidlingen (Kreis Böblingen), die er mittels Bildbearbeitung ein wenig „in Bewegung gebracht“ hat, wie er es ausdrückt.

Gezeigt wird auch eine Reihe mit von insgesamt 20 angefertigten Diptychen, also Arbeiten, die aus zwei Teilen bestehen, die miteinander korrespondieren. Dem makellosen Körper einer klassizistischen Steinfigur aus dem Stuttgarter Lapidarium stellt er eine Collage mit unterschiedlichsten Fotos von Tätowierungen gegenüber. Eine Frau hält sich eine Muschel und horcht hinein, vielleicht um das Rauschen zu hören – gleichzeitig hält sie sie wie ein Handy. Daneben ein grob verpixelter Winterwald, der damit auf seine Weise digital zu werden scheint.

Und immer wieder Fundstücke: Ob es nun ein Haufen Müll aus einem Schnellrestaurant im grünen Gras, ein Besen oder eine in Einzelteile zersplitterte Keramikmaske ist – die Motive, die der Fotograf sucht und findet, entwickeln in ihrer isolierten Abbildung eine eigentümliche Poesie. Die optische Wirkung seiner Fotografien steht für Gary Duszynski klar im Vordergrund, eine Botschaft, ein Subtext liegt im Auge des Betrachters. Potenzial für eine ausführliche Beschäftigung haben sie jedenfalls.

Info: Die Ausstellung wird am morgigen Sonntag, 5. Juli, um 11 Uhr in der Städtischen Galerie Am Laien eröffnet. Sie ist bis 2. August zu sehen. Der Eintritt ist frei.

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