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Sehnsucht nach Bistro-Essen

Mitarbeiter von Firmen, IHK und Landratsamt zwischen Homeoffice und der Rückkehr in Büros

Ralf Schmidhuber, Leiter der IT-Produktion der W&W-Gruppe, arbeitet in Tiefenbronn von zu Hause aus. Foto: privat
Ralf Schmidhuber, Leiter der IT-Produktion der W&W-Gruppe, arbeitet in Tiefenbronn von zu Hause aus. Foto: privat

Kreis Ludwigsburg. Das Homeoffice dürfte einer Studie zufolge nach Ende der Coronazeit in vielen Unternehmen neue Normalität werden. Forscher des Stuttgarter Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation und der Deutschen Gesellschaft für Personalführung haben dazu rund 500 Unternehmen befragt. Ergebnis: Fast die Hälfte (42 Prozent) hat bereits beschlossen, die Möglichkeiten, von zu Hause aus zu arbeiten, nach der Coronakrise noch auszuweiten. Zurück zu weniger Homeoffice will kaum ein Unternehmen, wie es in der jüngst veröffentlichten Studie heißt.

Wir haben einige Unternehmen und Institutionen im Kreis Ludwigsburg nach ihren Homeoffice-Erfahrungen befragt.

..Diese Antwort von Markus Faiß wird das Küchenteam der Möglinger Firma USU Software freuen: Gefragt, ob die Mitarbeiter der AG in der Coronakrise nicht mehr nur im Homeoffice, sondern auch wieder im Büro arbeiten wollen, sagt der Personalleiter: Die Beschäftigten hätten das Arbeiten von zu Hause aus „überwiegend positiv“ angenommen, doch seit Mai wünschten sich viele Mitarbeiter „wieder vermehrt den persönlichen fachlichen Austausch“ mit den Kollegen im Büro „und auch das Mittagessen im Bistro“.

Das USU-Küchenteam scheint also gute Arbeit zu machen – und dürfte nun wieder mehr zu tun haben als noch vor Wochen. Denn von diesem Monat an können laut Faiß alle USU-Mitarbeiter wieder freiwillig im Büro arbeiten – „auf Basis eines Abstands- und Hygienekonzepts“.

Von Mitte März an seien von den weltweit etwa 750 USU-Mitarbeitern ungefähr 90 Prozent im Homeoffice gewesen. Der Personalleiter spricht von „guten Erfahrungen“ in den vergangenen Monaten: Den Mitarbeitern werde deshalb künftig „noch mehr Flexibilität durch mobiles Arbeiten im Homeoffice“ ermöglicht (sofern arbeitstechnisch machbar). Doch hält die Firmenspitze es für wichtig, dass die Beschäftigten unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln „mehr Tage im Büro beziehungsweise bei unseren Kunden als im Homeoffice arbeiten“, so Faiß.

..Bis zu 20 Prozent der Arbeitszeit konnten Mitarbeiter des Ditzinger Unternehmens Trumpf mobil erbringen, sofern nichts dagegensprach – diese Regelung galt bei dem Spezialisten für Werkzeugmaschinenbau und Lasertechnik schon vor der Coronakrise. Die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten, wurde „in einer frühen Phase der Pandemie massiv erweitert“, teilt Trumpf-Sprecher Manuel Thomä mit. Die Mitarbeiter hätten ihre Arbeitszeit flexibler erbringen können: „Dies sollte insbesondere Eltern zugute kommen, die durch Homeschooling oder Kinderbetreuung zusätzlich belastet waren.“

Thomä: „Seit sich das Infektionsgeschehen beruhigt hat, arbeiten 50 Prozent der Mitarbeiter wieder im Büro.“ Auf dem Trumpf-Gelände gebe es viele Vorsichtsmaßnahmen – etwa Mundschutzpflicht, Spender mit Desinfektionsmitteln an zentralen Stellen und genügend Abstand zwischen den Plätzen im Mitarbeiterrestaurant.

Corona habe manche zuvor skeptische Mitarbeiter gezwungen, sich mit digitaler Arbeit auseinanderzusetzen; einige könnten nun besser mit dem Thema umgehen oder hätten sich sogar damit angefreundet, so Thomä. Auch im Homeoffice seien die Mitarbeiter produktiv gewesen, dennoch gehe bei dieser räumlichen Form der Arbeit „auch einiges an zwischenmenschlichem Miteinander verloren“.

..Die angestellten Mitarbeiter des Ludwigsburger Filterspezialisten Mann+Hummel waren im März und April „flächendeckend“ im Homeoffice, teilt Unternehmenssprecherin Laura Montag mit. Im Mai und Juni seien die Abteilungen in zwei Teams geteilt worden, die im wöchentlichen Wechsel von zu Hause aus und im Büro arbeiteten. Die Kooperation habe gut funktioniert; Führungskräfte und Teams waren laut der Sprecherin dazu angehalten, sich täglich mit den Kollegen auszutauschen und sie zu kontaktieren. Von diesem Monat an sollen alle Mitarbeiter in die Büros zurückkehren, „angepasst an das regionale Infektionsgeschehen“, so Montag. „Für uns bleiben die Vorteile des persönlichen Austauschs vor Ort unersetzlich“, betont Montag. Workshops und bestimmte Besprechungen etwa „sind definitiv effektiver, wenn alle Beteiligten in einem Raum sind“.

Seit mehreren Wochen gebe es wieder ein eingeschränktes Kantinenangebot für Mitarbeiter, wie die Sprecherin kürzlich mitteilte. Die Zahl der Personen in Besprechungsräumen und Aufzügen werde begrenzt, externe Besuche würden stark reduziert.

...Schon Ende März arbeiteten 80 Prozent der Beschäftigten der Ludwigsburger W&W-Gruppe (Wüstenrot & Württembergische) zum Schutz vor dem Coronavirus von zu Hause aus, teilt Sprecher Immo Dehnert mit. „Unsere IT konnte dies sehr gut leisten. Hier zahlt sich die umfassende Digitalisierung unseres Geschäfts aus, die wir vor drei Jahren gestartet haben.“ Auch bei W&W wechseln sich nun Teams wöchentlich mit Heim- und Büroarbeit ab. Bei W&W kann laut Dehnert seit Herbst 2017, auf Basis einer Betriebsvereinbarung, mobil gearbeitet werden – sofern die Tätigkeit es zulässt und die Führungskraft zustimmt. „Auch in der neuen Normalität wollen wir mobiles Arbeiten offensiv anbieten“, so Dehnert.

..Am 18. März wurde entschieden, dass fast alle 30 Mitarbeiter der IHK-Bezirkskammer Ludwigsburg ins Homeoffice geschickt werden. Die ersten Wochen war nur eine Notbesetzung vor Ort, „um die Bescheinigung der Außenwirtschaftsdokumente aufrechtzuerhalten“, wie Zehra Dogan von der Kammer-Geschäftsführung mitteilt. Von Mitte Mai an kehrten weitere Mitarbeiter ins Ludwigsburger IHK-Haus zurück – vor allem jene, die mit Prüfungen in der Aus- und Weiterbildung und mit Ausbildungsberatung zu tun haben. Eine interne Arbeitsgruppe hat ein Sicherheits- und Hygienekonzept erarbeitet: Jedes Büro darf nur mit einer Person besetzt sein, Prüflinge und Außenwirtschaftskunden werden vor dem Gebäude abgeholt, für ein Beratungsgespräch muss ein Termin vereinbart worden sein, außerhalb der Büros herrscht Maskenpflicht, wie Dogan jüngst mitteilte. Um Prüfungsabläufe nicht zu gefährden, arbeiteten einige IHK-Beschäftigte noch immer zu Hause, um im Falle einer Infektion einspringen zu können.

Zwar sollen die Kammer-Mitarbeiter künftig flexibler arbeiten können, dank digitaler Technik; doch „wir wollen weiterhin persönlicher Ansprechpartner sein“, betont Dogan: „Die Nähe zu unseren Mitgliedern entsteht durch eine gute Präsenz vor Ort.“

..Das Landratsamt Ludwigsburg hat 600 neue Homeoffice-Arbeitsplätze geschaffen – damit könnten nun insgesamt 800 Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten, teilt Sprecher Andreas Fritz mit. Das mobile Arbeiten in der Coronazeit sei „sehr gut“ angenommen worden. Wer wechselweise von daheim aus arbeitet und wer im Büro sein muss, das regeln die Fachbereiche unter sich, so Fritz.

Das Landratsamt behalte die Homeoffice-Angebote bei, eine weitere Ausweitung werde im Rahmen des Projekts „Mobiles Arbeiten“ und in Zusammenarbeit mit dem Personalrat geprüft. Fritz teilt mit: „Es wird keine Rückkehr zur Arbeitsweise wie vor Corona geben.“

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