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Singen ist Weiterentwicklung des Tanzes

Was tun Sie lieber: tanzen oder singen?

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Sänger mit Engelsstimme: Vincenzo Capezzuto. Foto: Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Was tun Sie lieber: tanzen oder singen?

Vincenzo Capezzuto: Ich mag beides. Das Interessante dabei ist, dass ich als Performer die beiden Dinge nicht trennen kann. Für mich ist das Singen eine Art Weiterentwicklung meines Tanzens. Das eine entsteht aus dem andern, und ich möchte beides miteinander verbinden. Zunächst lag der Fokus auf meiner Karriere als Tänzer. Es war die Entscheidung meiner Eltern, mich mit zehn Jahren in der Ballettschule des Teatro San Carlo in Neapel anzumelden. Aber schon während meiner tänzerischen Ausbildung hatte ich großes Interesse am Singen. Ich traf dort viele Sänger, Tänzer, Schauspieler, die ich während der Proben beobachtete. Eines Tages, als mich ein Musiker singen hörte, fragte er: „Woher kommt diese wunderbare Stimme? Ist das ein Mädchen oder ein Junge?“

 

Nach Ihrem Tanzstudium wurden Sie Solotänzer im Aterballetto von Mauro Bigonzetti.

Ja, und Mauro nutzte auch mein Talent als Sänger in manchen Stücken, wo er auch meine Stimme a cappella auf der Bühne verwendete. Es gab auch Projekte, in denen er mich mehr als Sänger und weniger als Tänzer einsetzte.

 

Wie kamen Sie mit Christina Pluhar in Berührung, mit deren Ensemble L’Arpeggiata Sie dann „Via Crucis“ aufnahmen?

Ich hörte einige ihrer Aufnahmen und war begeistert. Ich rief sie an, und wir trafen uns bei einem ihrer Konzerte in Italien. Unsere künstlerische Zusammenarbeit seit „Via Crucis“ währt nun schon sieben Jahre. Sie war von Anfang an interessiert an meiner natürlichen Stimme, die in der Lage einem Altus entspricht. Als ich professionell als Sänger begann, empfahlen mir manche Leute, meine Stimme zum Countertenor zu entwickeln. Aber an diesem Repertoire hatte ich nicht wirklich Interesse. Christina Pluhar war tatsächlich die Erste, die mir dazu riet, meiner natürlichen Stimme zu vertrauen.

 

Am 24. Juni kommen Sie mit „Stabat Mater“ noch einmal zu den Festspielen. Was ist das für ein Stück?

Das ist mein Lieblingsprojekt. Da komme ich mit meinem eigenen Ensemble „Soqquadro Italiano“, und da spielen Gesang, Tanz, Schauspiel und Musik auf natürliche und organische Weise ineinander. Die Idee zu dieser imaginären Reise in die Passionsmusik Antonio Vivaldis kam von dem Regisseur Claudio Borgianni, wir beide haben „Soqquadro“ gegründet. Claudio hat sich von einem Gemälde Masaccios über die Kreuzigung Jesu inspirieren lassen, ich kam über die Musik Vivaldis, die er für eine Altstimme, Streichorchester und Basso continuo komponiert hat. Wir spielen das mit Laute, Gitarre, Saxofon, Kontrabass, Schlagzeug und Live-Elektronik.

 

Sie wurden in Salerno geboren und in Neapel künstlerisch ausgebildet. Wie stark wirkt die musikalische und theatralische Tradition der mediterranen Kultur Süditaliens in Ihrer Kunst?

Natürlich steckt das in meiner DNA. Es ist in mir drin, aber ich möchte diesen kulturellen Hintergrund auf moderne Weise interpretieren. Die Tradition muss mit anderen Einflüssen gekreuzt werden, sonst erstarrt sie. Mit Ensembles wie „Soqquadro Italiano“ oder „L’Arpeggiata“ habe ich die Möglichkeit, unser kulturelles Erbe lebendig zu transformieren.

 

Info: Karten für „Stabat Mater“ am Freitag, 24. Juni, um 20 Uhr in der Reithalle über Telefon (07141) 939636 oder online unter www.schlossfestspiele.de.