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So geht es aktuell den Händlern in Ludwigsburg

Geschäfte wochenlang geschlossen – Noch keine Überbrückungshilfe bekommen

Gerald Pritz übergibt an der Ladentür von Lotter bestellte Ware an eine Kundin. Foto: Holm Wolschendorf
Gerald Pritz übergibt an der Ladentür von Lotter bestellte Ware an eine Kundin. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Diese Krise trifft sie alle bis ins Mark! Im vergangenen Frühjahr mussten Einzelhändler und Gastronome ihre Betriebe komplett schließen. Im November und Dezember kam erneut das Aus. Läden und Restaurants sind seither geschlossen. Während die Gastronomie bereits im November einen Abholservice anbieten durfte, ist das den Einzelhändlern erst seit Montag erlaubt. Bis dahin durften sie lediglich Bestellungen ausliefern. Jetzt können Kunden die Ware online oder per Telefon bestellen und zu einem vereinbarten Termin an der Ladentüre abholen.

„Es macht Spaß, wieder mit den Kunden in Kontakt zu kommen“, sagt Christoph Sprenger, Geschäftsführer beim Modehaus Oberpaur. Wirtschaftlich könne der Bestell- und Abholservice, der zusätzlich zum Onlineshop angeboten wird, den Textileinzelhandel nicht retten, „aber wir können die Bestände abbauen.“ Und das ist notwendig, denn die Frühjahrsware lässt nicht mehr lange auf sich warten. Lange kann man Kaschmirpullover und Daunenjacken nicht mehr verkaufen. Was dann noch übrig ist, muss entweder bis über die Schmerzgrenze hinaus reduziert oder eingelagert werden. Beides keine wirtschaftlich sinnvolle Optionen.

„Vor allem dem Textilbereich geht es schlecht“, sagt Citymanager Markus Fischer. Mode habe ein Verfallsdatum, die müsse verkauft werden. „Und von was soll die neue Kollektion bezahlt werden, wenn für die aktuelle Saisonware kaum Geld eingenommen werden konnte?“

Isabelle Mellin, Inhaberin des Modegeschäfts La Strada am Marktplatz, hatte zwar weniger Ware als sonst üblich geordert, „aber wir haben immer noch Winterware en masse, und die Frühjahrsmode drückt uns im Nacken“, sagt sie. In ihrem Schaufenster sind kamelfarbene Wollpullover und reduzierte Winterschuhe zu sehen. Seit Montag bietet sie Click&Collect an. „Es ist extrem aufwendig für sehr wenig Ertrag, aber es tut sich immerhin etwas.“ Ihr Blick auf die Zukunft ist düster: „Die Fixkosten können wir gerade noch decken, aber wenn die Frühjahrsmode kommt, die wir wieder nicht verkaufen können, wird es prekär.“

Citymanager Fischer betrachtet die Entwicklung im innerstädtischen Einzelhandel mit Sorge. „Die Liquidität neigt sich dem Ende zu.“ Und das liege auch an der Politik. Denn bislang habe seinen Informationen zufolge noch kein Händler finanzielle Unterstützung aus der versprochenen Überbrückungshilfe bekommen. „Der Staat sagt den Händlern, dass sie schließen müssen, und jetzt lässt er sie verhungern. Das ist desaströs!“ Die Händler würden von der Politik im Stich gelassen. Da sei Click&Collect zwar gut, aber letztlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Gerald Pritz, Leiter Lotter-Einzelhandel, steht selbst an der zugigen Ladentür in der Oberen Marktstraße, um die bestellten Waren an die Kunden abzugeben. „Wir möchten gerne für die Kunden da sein, und natürlich auch etwas Umsatz machen.“ Es tue gut, sich mit den Kunden auszutauschen, „die Beziehung ist enger geworden.“ Die Krise werde Lotter überstehen, sagt Pritz. „Aber wären wir nicht ein Teil der großen Lotter-Familie, dann wäre auch für uns die Lage dramatisch.“

Das Fahrrad zählte schon im ersten Lockdown im Frühjahr zu Siegfried Mandls wichtigstem Arbeitsinstrument: Der Inhaber der Mörike-Buchhandlung in der Seestraße fährt damit bestellte Bücher an seine Kunden aus. Nun bietet er zusätzlich auch Click&Collect an. „Abholung bitte klopfen“ steht auf einem Schild vor seiner Ladentür. „Es macht nur einen geringen Prozentsatz unseres sonst üblichen Umsatzes aus, aber wir sind guter Dinge.“

Während Siegfried Mandl wieder aufs Rad steigt, fordert Citymanager Fischer klare Worte von der Politik: „Wir brauchen eine Perspektive. Die Händler müssen wissen, ob sie im März oder April wieder öffnen dürfen, dann können sie auch wieder planen.“

Julian Raether von Fotoprofi (ehemals Hobbyfoto) in der Seestraße hat gleich schon im ersten Lockdown geplant und reagiert. Auf die Schnelle wurden unter anderem eine Video-Fachberatung eingerichtet und der Onlineshop intensiviert. „Wir sind nicht in Schockstarre versunken, sondern haben viel getan, um weiter dabei sein zu können.“ Rückblickend spricht er dennoch von einem „heftigen Jahr“ mit einem „starken Umsatzrückgang“. Gefährdet sei der Betrieb aber nicht, betont er.

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