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So wollen Fitness-Studios und Einzelhandel Energie sparen

Die Beleuchtung von Einkaufsgeschäften und einer Bank wirft Licht auf die Stuttgarter Königstraße. Die neuen, ab 1. September geltenden Energiesparvorgaben werden laut Bundeswirtschaftsministerium nicht zu Dunkelheit in den Städten führen. Schaufenst
Die Beleuchtung von Einkaufsgeschäften und einer Bank wirft Licht auf die Stuttgarter Königstraße. Die neuen, ab 1. September geltenden Energiesparvorgaben werden laut Bundeswirtschaftsministerium nicht zu Dunkelheit in den Städten führen. Schaufenst
Erst die Pandemie, nun steigende Energiekosten. Die Belastungsprobe für Händler und Gewerbetreibende hört nicht auf.

Ludwigsburg. Seit den Vorgaben der Bundesregierung zum Energiesparen am 1. September, werden im ganzen Land die Fassadenbestrahlungen gedrosselt, Schaufensterbeleuchtung ausgeschaltet sowie Klimatisierung und Beheizung limitiert.

Wie sieht es in Ludwigsburg aus?

Citymanager Markus Fischer: Viele Fragen von Händlern und Geschäftsleuten

„Es ist ähnlich wie mit der Coronaverordnung. Einige Formulierungen dieses aktuellen Maßnahmepakets für die Stromversorgung sind relativ schwierig und lassen Interpretations- und Spielraum. Hier sind wir aktuell in der Klärung“, sagt Citymanager Markus Fischer und nennt den Paragrafen 11 „Nutzungseinschränkung für beleuchtete Werbeanlagen“. Danach ist der Betrieb beleuchteter oder lichtemittierender Werbeanlagen von 22 Uhr bis 16 Uhr des Folgetages untersagt. „Hierzu gibt es zahlreiche Rückfragen seitens der Händler und Geschäftsleute.“ Diese würden gebündelt an die Stadtverwaltung weitergeleitet. „Der Wille ist da, die Maßnahmen umzusetzen“, betont Fischer.

Oberpaur hat Beleuchtung auf LED umgestellt

Das Modehaus Oberpaur ist hier bereits einen Schritt weiter. „Wir haben in den vergangenen Jahren schon einiges getan“, sagt Geschäftsführer Christoph Sprenger: Die komplette Beleuchtung ist auf LED-Technik umgerüstet worden. Aktuell geplant sei, eine Photovoltaikanlage auf dem Dach zu installieren. Die Eingangsportale bleiben geschlossen, Raumtemperaturen, ob gekühlt oder gewärmt, würden entsprechend angepasst. „Wir achten auf moderate Temperaturen, bei denen sich unsere Kunden und Mitarbeiter wohlfühlen.“

Die Außenbeleuchtung, sprich der Oberpaur-Schriftzug, werde von 22 Uhr an ausgeschaltet. Die Schaufensterbeleuchtung werde angepasst, „je nachdem wie viele Passanten noch unterwegs sind, schalten wir sie ab 21 Uhr aus“. Ob er keine Bedenken habe, dass dies Einbrecher oder Vandalen auf den Plan rufen könnte? „Nein“, ist Sprenger optimistisch, „ich denke nicht, dass dies negative Auswirkungen hat. Wir sind hier in der Fußgängerzone und in einem positiven Umfeld“, so Sprenger.

Textilreinigungsbranche hat vergleichsweise hohe Energiekosten

In der Textilreinigungsbranche entfallen etwa zehn bis 15 Prozent vom Jahresumsatz auf die Energiekosten. Damit sind diese verglichen mit anderen Branchen sehr hoch. Dennoch ist ein großes Einsparpotenzial beim Energie- und Wasserverbrauch vorhanden. Mithilfe von Wärmetauschern wird in seinem Unternehmen die Wärme aus dem Waschwasser zurückgewonnen und genutzt, erklärt Michael Schulz, Geschäftsführer von der Wäscherei Möglingen in der Friedenstraße.

Auch der Nachdampf, der beim Betrieb von Mangeln, Trocknern und maschinellen Pressen in der Wäscherei entsteht und der in der Regel zum Druckausgleich über das Dach abgegeben wird, ist eine wertvolle Wärmequelle und wird in den Heizkreislauf zurückgeführt. „Kaltes Wasser wird erwärmt und dem Waschvorgang zugeführt“, erklärt Schulz. „So haben wir immer warmes Wasser, das uns fast nichts kostet.“

Sauna nur noch nach Bedarf

Die Beleuchtung in ihrem Fitness-Studio „Body Talk“ in der Uhlandstraße habe sie schon seit langem auf LED umgerüstet, sagt Geschäftsführerin Brigitte Bagosi. Eine Nachfrage bei den Mitgliedern habe ergeben, dass es akzeptabel sei, wenn die Saunen nur noch auf Bedarf angeschaltet würden. „Unsere Mitglieder zeigen sich da sehr kooperativ.“ Solarien habe sie abgeschafft, teilt Brigitte Bagosi mit. Und einige Geräte wie Ergometer, Crosstrainer sowie Rudergeräte würden durch integrierte Stromgeneratoren betrieben. Die wandeln die Bewegungsenergie in Strom um, der dann für den Betrieb des Bordcomputers sowie für die Bremse genutzt wird. Eine Klimaanlage gibt es nicht, „bei uns sind ständig die Fenster offen“. Im vergangenen Jahr sei im Trainingsbereich die Heizung ausgeschaltet gewesen, einzig die Ruheräume und Umkleidekabinen seien von der Temperatur her überschlagen. „Wir wollen nicht, dass die Mitglieder und Mitarbeiter frieren.“ Es sei für sie und ihr Team selbstverständlich, einen „Beitrag für den Umweltschutz und die Allgemeinheit im Bereich des Energiesparens zu leisten“, betont Brigitte Bagosi.

Lesen Sie hier: So will das Ludwigsburger Klinikum Energie sparen.

Ohne Saunen „sind wir nicht wettbewerbsfähig“, meint Mario Klas, Geschäftsführer von „Milk & Honey“ im Bleyle-Turm, aber: „die Saunen werden nur nach Wunsch oder zu festen Zeiten in Betrieb genommen“. Seine Mitarbeiter seien sensibilisiert, darauf zu achten, ob eine Beleuchtung unbedingt angeschaltet sein müsse. „Es gibt noch einige Stellschrauben, an denen wir drehen können“, ergänzt Klas, „gerade im privaten Bereich.“

Parkleitsysteme mit LED-Technik

Und wie handhabt es die Stadtverwaltung Ludwigsburg? Beispielsweise befinden sich an den Ortseingängen Parkleitsystemschilder, auf denen die Kapazität der Parkplätze angegeben wird. Sind das keine Stromfresser? „Im Stadtgebiet von Ludwigsburg befinden sich vier Anzeiger zur Darstellung von Verkehrsinformationen“, teilt die Pressestelle mit. Diese Schriften an den Anzeigern werden mit LED-Leuchten dargestellt, „somit ist der Stromverbrauch gering“. Durch den dunklen Hintergrund seien sehr wenige Lichter an, denn nur die dargestellten Schriften sind als LED-Anzeiger aktiv. Die digitalen Ortseingangstafeln sind nicht rund um die Uhr in Betrieb. „Der Verbrauch liegt somit bei 2,5 Kilowatt pro Tag je LED-Anzeige, was sehr gering ist.“

Marstall-Center und Breuningerland bemühen sich um Einsparungen

Klimaanlage und Heizung drosseln, um Energie zu sparen? Sind das Maßnahmen, die im Marstall-Center ergriffen werden? „Im Marstall haben wir bereits diverse Einsparungsmaßnahmen vorgenommen, um Energie zu sparen“, erklärt Center-Managerin Nadine Fensterer, die Einsparungsmaßnahmen im Marstall „umfassen die geringere Kühlung des Centers sowie die Reduzierung der Beleuchtung an Stellen, wo dies nicht unbedingt erforderlich ist, oder die Abschaltung der Illumination im Außenbereich“. Das Center werde durch Fernwärme versorgt, im Herbst/Winter würden die Temperaturen durch eine geringe Beheizung abgesenkt – unter Einhaltung aller vertraglichen und gesetzlichen Vorgaben und Verpflichtungen, so Fensterer. „Durch den vorausschauenden strategischen Einkauf der benötigten Energiemengen konnten wir die Preise sichern und somit liegen wir weit unter den aktuellen Marktpreisen, was wiederum den Mietern bei den Nebenkosten zugutekommt.“

Energie zu sparen, hat sich ebenfalls das Breuningerland auf die Fahnen geschrieben. „Die Senkung der Energieintensität und eine Verringerung des CO-Fußabdrucks sind integrale Bestandteile der Geschäftsauffassung des Breuningerlands Ludwigsburg“, teilt Marketingmanagerin Valeriia Grushetska mit. „Wir arbeiten grundsätzlich, aber seit einigen Monaten mit Nachdruck, daran, Potenziale für Energieeinsparungen zu identifizieren und diese zu nutzen.“ Darüber hinaus sei das Einkaufszentrum hinsichtlich Maßnahmen in den Shops im engen Austausch mit den Mietpartnern.