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Energiepolitik

Solaranlage ist CDU-Chef zu groß

Die Solarthermieanlage, die auf dem Römerhügel in Ludwigsburg und südlich angrenzend in Kornwestheim entstehen soll, ist ein echtes Leuchtturmprojekt – nicht nur für die gemeinsamen Stadtwerke, sondern für die ganze Region. Trotzdem ist es im Kornwestheimer Gemeinderat umstritten.

Das Ja zur Sonnenenergie steht. Doch an den Kollektoren scheiden sich die Geister. Foto: NASA/dpa
Das Ja zur Sonnenenergie steht. Doch an den Kollektoren scheiden sich die Geister. Foto: NASA/dpa

Kornwestheim. Am Römerhügel soll – wie mehrfach berichtet – mit Kollektoren auf einer Fläche von 15 000 Quadratmetern die größte Anlage Deutschlands entstehen. Die klimafreundlich erzeugten 5200 Megawatt pro Jahr werden ausreichen, um rund 300 Haushalte mit Wärme zu versorgen. Dem Bund ist dieses Vorhaben so wichtig, dass er sich mit 10,4 Millionen Euro an den Gesamtkosten vom 13 Millionen Euro an dem Projekt „Solar Heat Grid“ beteiligt.

Bei einigen Kommunalpolitikern in Kornwestheim herrscht allerdings alles andere als eitel Sonnenschein, wenn dieses Thema zur Sprache kommt: Zwar hatte der Gemeinderat Ende 2017 der Nutzung von Ackerflächen auf Kornwestheimer Gemarkung südlich des Römerhügelwegs zugestimmt, doch scheinen einige Stadträte ihre Entscheidung von damals mittlerweile zu bereuen.

Kritik an Informationspolitik und Flächenverbrauch

Hätten die Stadtwerke die 7500 Quadratmeter Ackerfläche auf Kornwestheimer Gemarkung auch benötigt, wenn Röhren- anstatt Flachkollektoren verbaut würden? Diese Frage treibt vor allem Hans Bartholomä um, der als CDU-Fraktionsvorsitzender dem Aufsichtsrat der Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim angehört. In der jüngsten Gemeinderatssitzung übten er und die Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, Gabi Walker, Kritik an der Informationspolitik der Stadtwerke. „Zur rechten Zeit hat die richtige Information gefehlt“, so Walker. Sogar von Misstrauen war die Rede.

Hans Bartholomä reibt sich vor allem an einer Zahl auf, das ist die 4500. Denn rein rechnerisch hätte durch die Installation der leistungsfähigeren Röhrenkollektoren der Flächenverbrauch um 4500 Quadratmeter reduziert werden können. „Diese Fläche wird nun anderen Generationen vorenthalten“, so der Vorwurf des CDU-Fraktionsvorsitzenden. Dass diese Fläche möglicherweise als Bauland in Frage gekommen wäre, wie Bartholomä mutmaßte, ließ Baubürgermeister Daniel Güthler nicht im Raum stehen. „Das ist keine Bauerwartungsfläche“, widersprach er. Oberbürgermeisterin Ursula Keck wies darauf hin, dass immer wieder über dieses Vorhaben berichtet worden sei, oft auch in öffentlicher Sitzung. Allerdings räumte auch sie ein: „Die Stadtwerke würden das ein oder andere in ihrer Kommunikation sicherlich anders machen.“

Die zuständigen Mitarbeiter der Stadtwerke hatten sich die Mühe gemacht, alle Fragen, die vor allem Vertreter der CDU und der Freien Wähler in der Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Technik Anfang April gestellt hatten, dezidiert zu beantworten. Sieben Seiten umfasst die entsprechende Vorlage, die dem Gemeinderat vorgelegt wurde. Darin wird auch aufgeführt, welche Gremien zu welchem Zeitpunkt informiert wurden.

Es sei nicht Ziel der Ausschreibung gewesen, den geringsten Flächenverbrauch zu erzielen, sondern das beste Verhältnis zwischen Kosten und Wärmeertrag zu erzielen, so die Kernaussage. Und damit konnte das Unternehmen Arcon Sunmark aus Dänemark punkten. „Die Stadtwerke durften sich im Vorfeld der Ausschreibung nicht technologisch einschränken, um den größtmöglichen Wettbewerb zu erzielen“, so die Argumentation der Stadtwerke. Diese Offenheit sei wiederum Voraussetzung, um überhaupt die Fördermittel des Bundes in Anspruch nehmen zu können. Oder anders ausgedruckt: Es gab keinen Anbieter, der auf der zur Verfügung stehenden Fläche von 24 000 Quadratmetern, davon 7500 Quadratmeter in Kornwestheim, eine Anlage zu günstigeren Konditionen aufbauen kann, die 5200 Megawattstunden Energie jährlich erzeugt.

Die Technologieoffenheit sei von den Stadtwerken immer kommuniziert worden, verweist das Unternehmen auf entsprechende Sitzungen des Gemeinderates im September und November 2017. Auf die von Hans Bartholomä erwähnten 4500 Quadratmeter Ackerfläche hätte man nur verzichten können, wenn man die Richtlinien für die Förderung und Ausschreibung missachtet und sich im Vorfeld für die Röhrenkollektoren entschieden hätte. Das Ausschreibungsziel hätte aber bei einer geringeren Fläche nicht erreicht werden können. Auch auf den Kritikpunkt, dass die Flachkollektoren mit dem Frostschutzmittel Glykol gefüllt seien und diese bei einem Leck eine Umweltgefahr darstellten, gehen die Stadtwerke ein. Das Mittel sei als nicht umweltgefährdend eingestuft. Außerdem sei die Anlage mit umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen ausgestattet.

Bedeckt halten sich die Stadtwerke einzig bei der Frage, wie hoch die Unterschiede bei den eingerechten Angeboten waren. Nur soviel: Das Angebot des Mitbewerbers, der Röhrenkollektoren angeboten hatte, hätte zu einem höheren Preis für die Wärmeerzeugung geführt. „Genaue Zahlen darf die SWLB nicht nennen“, weist das Unternehmen auf die Vertraulichkeit des Vergabeverfahrens hin. Die Weitergabe könne Schadensersatzansprüche nach sich ziehen und stelle eine Straftat dar. Man habe Hans Bartholomä in seiner Funktion als Mitglied des Aufsichtsrates angeboten, ihm die genauen Zahlen mitzuteilen. „Dieses Angebot wurde bereits unterbreitet, jedoch nicht wahrgenommen“, heißt es abschließend.

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