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Solarpionieren droht ein vorzeitiges Aus

Die Forderung eint Solarvereine, Bürgergenossenschaften, Stadtwerke-Manager und Landespolitik: Der Bund muss die Regelungen zum Weiterbetrieb der ersten Photovoltaik-Anlagen (PV) schleunigst vereinfachen. Sonst droht vom nächsten Jahr an der vorzeitige Abbau intakter Technik. Denn eigentlich könnten die älteren Solaranlagen noch mehrere Jahre sauberen Strom erzeugen. Auch kommunal wird an Lösungen gearbeitet.

Die ersten Solaranlagen fallen ab 2021 aus der EEG-Förderung. Im Kreis soll bis zu 1000 PV-Anlagen das Aus drohen. Archivfoto: Andreas Weber
Die ersten Solaranlagen fallen ab 2021 aus der EEG-Förderung. Im Kreis soll bis zu 1000 PV-Anlagen das Aus drohen. Foto: Andreas Weber

Kreis Ludwigsburg. „Wir suchen noch nach Lösungen“, sagt Bernd Waser vom Solarverein Marbach, der zu den Sonnenstrom-Pionieren im Kreis gehört und in einer Zeit entstand, als man in Marbach noch davon träumte, mit der Firma Würth ganz groß ins Solargeschäft einsteigen zu können. Der Verein hat Bürgeranlagen im Marbacher Schulzentrum und auf Kitas installiert, die erste PV-Anlage auf dem Dach des Friedrich-Schiller-Gymnasiums fällt im Januar aus der EEG-Förderung. Ob und wie sie angesichts der noch geltenden technischen und bürokratischen Regelungen wirtschaftlich weiterbetrieben werden kann (siehe Stichwort unten rechts) – diese Frage kann Waser noch nicht beantworten.

Nicht besser ergeht es Jürgen Bothner von „Sonne aufs Dach“ in Kirchheim – die Gemeinde im Norden des Kreises war dank der Initiative in den ersten Jahren nach der Jahrtausendwende regelmäßig unangefochtener Meister der Solar-Kreisliga. Die aktuellen Regelungen bedeuteten das baldige wirtschaftliche Aus für kleine Post-EEG-Anlagen, prophezeit Bothner. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, der bisher – anders als Fachverbände und Solar-Lobbyisten – keinen Handlungsbedarf sieht, gehe es offenkundig darum, die großen Energiekonzerne zu schützen. Noch sei nicht einmal sichergestellt, dass die für Gemeinschaftsanlagen ungeeignete, für Privatleute technisch und finanziell aber absolut probate Lösung zulässig sein wird: Man ergänzt die PV-Anlage auf dem Dach mit einer Batterie im Keller, speichert bei Sonnenschein den überschüssigen Strom im eigenen Haus, statt ihn einzuspeisen, und verbraucht ihn bei Bedarf – statt dann Strom teuer zukaufen zu müssen. Doch selbst das ist laut Bothner ohne eine Korrektur des jetzigen Regelwerks nicht ohne weiteres erlaubt.

Bundesweit fallen 2021 laut Umweltbundesamt gut 18000 PV-Anlagen aus der EEG-Förderung, bis 2025 kommen weitere 176000 dazu. Damit könnte kurzfristig ein Abbau intakter PV-Technik mit einer Erzeugungskapazität von 114 Megawatt drohen, bis 2025 könnte es sogar fast ein Gigawatt sein – obwohl die Klimawende entscheidend vom Ausbau einer CO-freien Energieerzeugung abhängt.

1000 PV-Anlagen im Kreis gefährdet?

Allein im Kreis Ludwigsburg wären bis 2025 zwischen 500 und 1000 PV-Anlagen betroffen, befürchtet der Asperger Grünen-Landtagsabgeordnete Jürgen Walter, der bei dieser Abschätzung von den Landeszahlen ausgeht. In Baden-Württemberg fallen demnach bis 2025 rund 30000 kleine Anlagen mit zusammen 227 Megawatt installierter Leistung aus dem EEG.

Für Walter ist – wie für die Sprecher von Solarvereinen und Bürgergenossenschaften – klar: Der Bund muss die Weichen noch in diesem Jahr neu stellen. Er verweist auf eine entsprechende Bundesratsinitiative der Landesregierung, die genau das anstrebe: „Abgeschriebene Anlagen brauchen keine Förderung mehr, aber die Rahmenbedingungen müssen so sein, dass es nicht teurer ist, die Anlage weiter zu betreiben, als sie abzustellen.“

Sollte der Bund trotzdem nicht reagieren, setzt Walter auf die kommunale Ebene, voran die Stadtwerke. Rainer Kübler, Geschäftsführer der Stadtwerke Bietigheim-Bissingen, möchte sich diesen Ball aber nicht so einfach aus Berlin zuschieben lassen. Er könne sich derzeit allenfalls vorstellen, Betreibern kleiner PV-Anlagen eine weitere Einspeisung mit bestehenden Zählern zu den jeweiligen Börsenpreisen anzubieten, doch zunächst sei der Gesetzgeber gefragt, sagt Kübler. Ökostrom-Erzeuger wie Grünpower in Mainz oder die einstigen „Stromrebellen“ der EWS Schönau bereiten unterdessen Pool-Lösungen vor, durch die sie den Betreibern kleiner Anlagen bundesweit ihre wetterabhängigen Überschüsse abnehmen und sie zugleich als Stromkunden für sonnenarme Zeiten gewinnen können. Auch sie erwarten aber, dass Altmaier bald handelt.

Virtuelles Kraftwerk geplant

Weit gediehen ist die Vorbereitung einer regionalen Lösung speziell für den Kreis bei den Stadtwerken Ludwigsburg-Kornwestheim: Sie wollen ein Netzwerk kleinerer – darunter auch aus dem EEG gefallener – PV-Anlagen aufbauen, um sie in einem „virtuellen Kraftwerk“ zu bündeln und den erzeugten Strom gemeinsam zu vermarkten. Der technische Check und die Zusammenfassung der SWLB-eigenen PV-Anlagen „ist schon sehr weit fortgeschritten“, sagt Geschäftsführer Johannes Rager. Bis zum Jahresbeginn wollten die SWLB auch externen PV-Betreibern „über das eigene Netzgebiet hinaus“ ein Angebot unterbreiten können und würden dann beispielsweise gezielt auch auf Solarvereine und Bürgergenossenschaften im Kreis zugehen. „Wir bemühen uns, sie in unser Portfolio zu holen“, bekräftigt Rager den Anspruch der SWLB als Energieversorger „aus der Region für die Region“.

Einen rein kommunalen Ansatz verfolgt unterdessen Aspergs Klimaschutzmanager Alexander Greschik: Er will der örtlichen Solarinitiative anbieten, dass die Stadt deren Anlagen auf den Schuldächern zu einem symbolischen Preis übernimmt. Die Initiative könnte so wenigstens das für den Abbau ihrer Anlagen zurückgestellte Geld gewinnbringend für die solare Zukunft verwenden – und die Stadt Schulen und Kitas mit dann städtischem Solarstrom im „Eigenverbrauch“ versorgen. Dazu käme als dritter Vorteil der für die kommunale CO-Bilanz: Vorhandene Solartechnik würde weiter genutzt statt verschrottet.

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