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Sportlerfamilie ist wieder vereint

Zum ersten Sporttag der Transplantierten und Dialysepatienten hatte der SGV Murr am Samstag auf den Sportanlagen am Hermannsplatz geladen. Diesem Aufruf waren Sportler aus dem gesamten Bundesgebiet gefolgt. Der Sport stand aber nur an zweiter Stelle.

Transplantierten und Dialysepatienten zeigten in Murr ihre sportlichen Leistungen.Foto: Andreas Becker
Transplantierten und Dialysepatienten zeigten in Murr ihre sportlichen Leistungen. Foto: Andreas Becker

Murr. Die äußeren Bedingungen sind optimal, als am Samstagvormittag der Sporttag der Transplantierten und Dialysepatienten auf den Sportanlagen am Hermannsplatz eröffnet wird. Sportler aus dem gesamten Bundesgebiet sind dabei, ein Teilnehmer ist sogar aus dem nordfriesischen Husum angereist – nun genießt das Nordlicht bei strahlendem Sonnenschein den milden Spätsommer im Ländle.

„Das Wetter ist natürlich perfekt“, freut sich Uwe Funk, der die Veranstaltung mit 20 seiner Kollegen von der Leichtathletikabteilung des SGV Murr in Kooperation mit dem Verein Transdia Sport, dem bundesweiten Dachverband der sporttreibenden Transplantierten und Dialysepatienten, organisiert hat.

„Der Vorstand von Transdia hatte uns angesprochen, ob wir den Sporttag ausrichten können. Vielleicht war das ja als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für die Familie Funk gedacht“, meint der Organisator schmunzelnd. Trotz des unausweichlichen Aufwands willigte er aber gerne ein. Die Leichtathletikabteilung des SGV Murr hat schon in der Vergangenheit mit Transdia zusammengearbeitet, 2019 etwa fanden in Murr die Deutschen Meisterschaften der Transplantierten und Dialysepatienten statt.

„Die Deutschen Meisterschaften waren einfach toll“, schwärmt Eberhard Schollmeyer, der bei Transdia für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. „Damals sind wir in Murr sehr herzlich aufgenommen worden. Vor der Meisterschaft fand ein Lauf der Grundschüler statt, und es waren viele Besucher da, die mit den Sportlern ins Gespräch kamen.“

Auch beim Sporttag erweist sich der SGV Murr als guter Gastgeber. Die Sportler sind bereits am Freitagabend im Ludwigsburger Hotel Nestor eingetroffen. Nach der Anfahrt nach Murr stehen im Verlauf des Samstags vor allem klassische Leichtathletikwettbewerbe wie die 100 Meter, Hoch- und Weitsprung auf dem Programm. Einige Besucher sind mit dem Rad ins Bottwartal gefahren.

Am Hermannsplatz messen sich die Sportler auch in Patenque, einer Boule-Variante, und zielen mit ihren Pfeilen auf Dart-Scheiben. Die Wettbewerbe finden zeitversetzt statt; wer genug Kondition hat, kann also in mehreren Kategorien antreten. Am Samstagabend werden die Sieger nach der Rückkehr ins Hotel Nestor bei einem gemeinsamen Abendessen geehrt.

Im Mittelpunkt steht aber nicht die sportliche Leistung, sondern das Miteinander. Die Atmosphäre auf dem Sportgelände ist trotz aller Konkurrenz familiär. Nach dem vergangenen Jahr müssten die Deutschen Meisterschaften auch in diesem Jahr ausfallen, sagt Funk.

„Es geht vor allem darum, dass die Sportler sich endlich wieder treffen und untereinander austauschen können. Das ist am Ende viel wichtiger als der Wettkampf.“ Nach langer Coronapause ist die Sportlerfamilie der Transplantierten und Dialysepatienten endlich wieder wieder vereint.

Nicht zuletzt betreibt Transdia bei Veranstaltungen wie in Murr Aufklärungsarbeit, sowohl bei den Sportlern selbst als auch bei externen Besuchern. „Wir selbst müssen uns immer wieder dazu motivieren, Sport zu machen“, sagt Schollmeyer. „Das ist wichtig, damit die transplantierten Organe länger halten. Und Besucher erfahren, dass jeder irgendwann auf eine Organtransplantation angewiesen sein könnte - es kann jeden treffen, die Menschheit ist nicht per se in gesund und krank unterteilt.“

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