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Stadt möchte Senioren besser integrieren

Kornwestheim ist als einzige Stadt im Land Teil des bundesweiten Projekts Zukunftswerkstatt Kommunen. Das Ziel ist, für alle Generationen in allen Lebensphasen attraktiv zu bleiben. Nachholbedarf sieht Kornwestheim bei der Arbeit für Senioren.

Kornwestheim. Ein Viertel der Kornwestheimer Bevölkerung ist im Rentenalter: 8000 der rund 33743 Bürger (Stand: Dezember 2020) gehören zur Generation 65+. Die Herausforderungen des demografischen Wandels erlebt die Verwaltung der Salamanderstadt direkt: „In den nächsten zehn Jahren geht ein Drittel der Mitarbeiter in Rente“, sagte Oberbürgermeisterin Ursula Keck beim Pressegespräch am Donnerstag im Rathaus. 2021 seien erstmals mehr Personen, darunter viele Familien, aus Kornwestheim weg- als zugezogen. „Eine negative Bilanz, aber kein Trend“, so die Verwaltungschefin. Nach Jahren steigender Kinder- und Schülerzahlen und fehlender Betreuungsplätze gebe es in diesem Jahr keine Warteliste für die Kindertagesstätten. Dahinter steckten viele Fragen: „Wie entwickelt sich Gesellschaft? Was sind die Anforderungen an uns? Wie lösen andere Kommunen diese Probleme?“

„Es ist ein großes Glück“, als eine von bundesweit 40 Kommunen für dieses vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und dem Verein kompetenzz mit insgesamt 40000 Euro geförderten Projekt ausgewählt worden zu sein, so die Oberbürgermeisterin. 30000 Euro sollen für eine 50-Prozent-Projektstelle − die noch ausgeschrieben werden muss − eingesetzt werden. In den vergangenen 15 Jahren habe sich die Stadt intensiv um den Ausbau der Kitas und die Schulentwicklung gekümmert, jetzt gelte es, die Seniorenarbeit in den Blick zu nehmen − gemeinsam mit anderen Partnern, beispielsweise Sportvereinen, Kulturvereinigungen, Seniorenheimen, Nachbarschaftshilfe und Baugenossenschaften. Viele Angebote und Hilfestellungen für ein selbstbestimmtes Leben − von der Tagespflege über Sportangebote für ältere Menschen bis zu Senioren-WGs und Pflegeomas − gebe es bereits in Kornwestheim. Auch an Pflegeheim-Plätzen mangele es nicht. In anderen Bereichen sieht Keck Nachholbedarf. Viele Senioren seien nach Kornwestheim gezogen, weil sie die ärztliche Versorgung, die Kultur- und Museumslandschaft, das kompakte Stadtgebiet schätzten. Die Senioren lebten barrierefrei, seien selbstständig unterwegs, allerdings fehle manchmal die Einbindung in das Stadt- und Vereinsleben, vor allem wenn es keine familiären Bande gebe. Bei Tagesplätzen sei die Stadt eher „schlecht versorgt“, ähnlich sehe es beim „betreuten Wohnen light“ aus, wenn die Senioren selbstständig lebten, aber ein wenig medizinische oder soziale Betreuung bräuchten, sagte Keck.

Angehörige, die vor individuellen Betreuungs- oder Versorgungsproblemen stehen und Rat bei einem Pflegestützpunkt gesucht haben, mussten bisher nach Ludwigsburg fahren. Das wird sich bald ändern. In Kornwestheim soll in der kommenden Woche ein Pflegestützpunkt eingerichtet werden. Das Projekt habe sich durch Corona verzögert, bedauert Oberbürgermeisterin Ursula Keck.

Um möglichst lange selbstbestimmt leben zu können, sind auch neue Wohnformen eine Alternative, beispielsweise Mehrgenerationenhäuser oder Senioren-WGs. „Optimal und super“ nennt Keck die generationenübergreifende Baugemeinschaft Neckarstraße. Für das Vorhaben in der Kornwestheimer Ziegelstraße, für das eine Konzeptvergabe geplant ist, wünscht sich die Verwaltungschefin, dass das Thema Senioren „mitfokussiert wird“.

Bis Ende 2024 läuft das Projekt Zukunftswerkstatt Kommunen. Was will Kornwestheim bis dahin erreichen? „Unser Wunsch ist es, dass eine größere Nähe zu den Anbietern von sportlichen, kulturellen und sonstigen Dienstleistungen besteht und dass die Angebotspalette für Senioren und Seniorinnen größer geworden ist“, sagte die Oberbürgermeisterin.

Ein weiteres Ziel des Projekts ist es, Menschen mit Migrationshintergrund in das gesellschaftliche Miteinander zu integrieren, sagte Kadir Koyutürk, Beauftragter für Integration, Soziales und Bürgerengagement. Kornwestheim sei als Pilotkommune auch wegen seiner spannenden Historie ausgewählt worden, auch mit Blick auf die ersten Gastarbeiter, die in die Stadt kamen. In Kornwestheim sei Integration selbstverständlich, so Koyutürk. Der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund liege bei rund 30 Prozent. Die Teilnehmer der Online-Konferenz aus Ostdeutschland hätten darüber nur gestaunt. Dort liege der Anteil oft bei weniger als drei Prozent, eine Integration sei trotzdem eher schwierig.

Internet: Mehr Informationen unter www.zukunftswerkstatt-kommunen.de. Die Stadt richtet für das Projekt eine eigene Webseite ein (Kornwestheim im Wandel).

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