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Stadt verordnet Ludwigsburger Neubauten neben Grün auch mehr Photovoltaik auf dem Dach

Photovoltaik-Anlagen sind derzeit heiß begehrt. Foto: Marijan Murat/dpa
Photovoltaik-Anlagen sind derzeit heiß begehrt. Foto: Marijan Murat/dpa
Dachbegrünung in Kombination mit Photovoltaik: Dazu gilt die Klimaschutzverordnung mit 30 Prozent Anteil. Ludwigsburg will 40. Damit geht sie über die Landesvorgabe hinaus.

Ludwigsburg. Wer neu baut, muss eine Photovoltaikanlage (PV) aufs Dach setzen: Diese Vorgabe gilt nun per baden-württembergischer Klimaschutzverordnung: 60 Prozent der Dachfläche – Gewerbe seit Januar, privat seit Mai – müssen mit den Panelen belegt werden, ab 2023 gilt dies auch bei Sanierungen. Gibt es eine Pflicht zur Dachbegrünung, reduziert sich der parallele PV-Anteil auf 30 Prozent. Solch eine öffentlich-rechtliche Pflicht gibt es in Ludwigsburg: Für Neubauten mit Flachdach ist in der Regel eine Begrünung vorgeschrieben.

Die Stadt – und alle Stadträte nach einstimmigem Beschluss im Bauausschuss, der kommenden Mittwoch im Gemeinderat bestätigt werden dürfte – will aber mehr: Gibt es eine Dachbegrünung, soll diese bei Neubauten um 40 Prozent Photovoltaik ergänzt werden. Die Begründung: Nur ein Drittel Solarnutzung ist aus Sicht der Verwaltung zu wenig, um die städtischen Klimaschutzziele zu erreichen – Klimaneutralität bis 2050.

Die Grünen loben die Stadt für ihren Vorstoß und sagen: „Bitte mehr davon“

Die Stadt habe schon 2020 mit ihrem ersten Beschluss zur PV-Pflicht vorgelegt, lobte Florian Sorg für die Grünen, „das Land hat nachgelegt, der Bund diskutiert noch“. Die neue Klimaschutzverordnung des Landes hatte den städtischen Beschluss von 2020 obsolet gemacht, jetzt wird es eine restriktivere Variante à la Ludwigsburg geben. Sorgs Kommentar: „Bitte mehr davon.“

Die CDU mit Mike Stefan Braumann hält dies für „wirtschaftlich angemessen und technisch realisierbar“. Mit einer Ausnahme: Fraktionskollege Wilfried Link begrüßt zwar die wenig sympathisch benamste „Photovoltaik-Pflicht-Verordnung“ des Landes, verweigert sich aber dem Einfluss der Stadt, um die 30 Prozent PV-Anteil „um mindestens zehn Prozent zu erhöhen“.

„Individuell von Haus zu Haus anschauen“

Einen ungleichen Bruder im Geiste fand er in Dieter Juranek (SPD), der beiden Beschlüssen gerne zustimmte, aber die Verwaltung bat, bei Grundstücksverkäufen, städtebaulichen Verträgen oder Bebauungsplänen „nicht so stur“ zu sein. Manchmal könne auch Dachgrün wertvoller sein. „Das muss man individuell von Haus zu Haus anschauen.“ Vollen Herzens stimmten auch die Freien Wähler zu, die – sonst nicht gerade Anhänger von Vorschriften von oben – den Anteil gar noch steigern wollten. Bernhard Remmele: „Von uns aus hätten es auch 50 Prozent sein können.“

Mit dem Programm dürften Land und Stadt offene Türen einrennen, und auch der Mindestanteil an Photovoltaikanlagen – ob mit oder ohne Grün auf dem Dach – dürfte sich in Zeiten exorbitant hoher Energiepreise von selbst in die Höhe schrauben, auch wenn die Einspeisevergütung so niedrig ist wie nie.

Bundesweit gibt es eine riesige Nachfrage nach Photovoltaikanlagen

Nicht nur das städtische Förderprogramm Klimabonus ist laut Schwarz längst aufgebraucht (und soll mit frischem Geld gefüttert werden): Bundesweit sind PV-Anlagen samt Handwerkern Mangelware, laut Tagesschau wollen 25 Prozent der deutschen Hauseigentümer eine PV-Anlage installieren, das seien 3,5 Millionen Anlagen – die immer teurer werden. Die Wartezeit soll derzeit mindestens ein halbes Jahr betragen. Das spräche für eine verlängerte Umsetzungsfrist seitens der Stadt.

Bei Verstößen gegen die städtische Vorgabe sind Vertragsstrafen vorgesehen

In einem gravierenden Punkt übrigens unterscheidet sich die Ludwigsburger Variante ebenfalls von der Landesvorgabe. Während dort keinerlei Strafen vorgesehen sind, wird es in Ludwigsburg eine Vertragsstrafe bei Nichteinhaltung geben. Die orientiert sich an den Herstellungskosten der möglich gewesenen PV-Anlage. Bei Neubauten hat die Stadt da den Finger drauf, bei den nicht genehmigungspflichtigen Sanierungen wird es schwieriger. Peter Fazekas, Leiter Bürgerbüro Bauen, sprach von „Inaugenscheinnahme“. Kontrollen seien aber kaum zu leisten.