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Stadt vollzieht Kehrtwende bei E-Scootern

Als vor zwei Jahren in Deutschlands Metropolen Verleihsysteme für Tretroller mit Elektroantrieb in Mode kamen, hielt man in Ludwigsburg wenig von den neuen Flitzern. Doch von Montag an sollen 300 E-Scooter in der ganzen Stadt verfügbar sein. Die Geschichte einer Kehrtwende.

Von der S-Bahn auf den E-Scooter und umgekehrt: Am Bahnhof wurden zwei Stellplätze für den E-Scooter-Verleih eingerichtet. Wenn die Roller nicht ordentlich abgestellt werden und zu Stolperfallen werden, will die Stadt weitere Stellplätze einrichten.
Von der S-Bahn auf den E-Scooter und umgekehrt: Am Bahnhof wurden zwei Stellplätze für den E-Scooter-Verleih eingerichtet. Wenn die Roller nicht ordentlich abgestellt werden und zu Stolperfallen werden, will die Stadt weitere Stellplätze einrichten. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. „Dadurch ist kein Auto weniger auf der Straße“, „ökologisch eine Bruchlandung“, „ein Haufen Sondermüll“ und „Stolperfallen“ – die Kommentare zu den E-Scootern auf der Facebook-Seite unserer Zeitung gehen fast alle in die gleiche Richtung. Das Urteil der Leser fällt dabei vernichtend aus. Positive Stimmen sucht man (fast) vergeblich. „Elektrische Tretroller, wie sie aktuell in Innenstädten zum Verleih angeboten werden, sind zurzeit kein Gewinn für die Umwelt: Erste Zahlen zeigen, dass sie oft den umweltfreundlicheren Fuß- und Radverkehr ersetzen“, schreibt auch das Umweltbundesamt in einer Analyse.

Vor rund einem Jahr hatten die Experten im Rathaus ihrerseits noch keinen großen Bedarf für E-Scooter ausgemacht. Im Gegenteil. Matthias Knobloch, Leiter des Fachbereichs Nachhaltige Mobilität, war damals nicht traurig darüber, dass die Anbieter von E-Scootern Ludwigsburg bis dahin noch nicht auf dem Radar hatten. Es herrschte vielmehr die Befürchtung, dass Anbieter ihre Fahrzeuge einfach überall aufstellen, ohne dass die Stadt etwas dagegen tun kann.

Umso überraschender jetzt die Kehrtwende: Während in manchen Städten die Roller mit E-Antrieb bereits wieder auf dem Rückzug sind, teilt die Stadt kurz vor Ostern mit, dass 300 E-Scooter von Mitte April an verfügbar sein werden (wir berichteten). Oberbürgermeister Matthias Knecht und Bürgermeister Michael Ilk haben die Flitzer auf dem Rathaushof bereits getestet. Öffentliche Debatte? Fehlanzeige. Hinter verschlossenen Türen wurden derweil nur die Stadträte über die Pläne informiert.

Was ist mit den einstigen Bedenken? „Man kann es nicht verhindern, dass sich E-Scooter-Verleihe ansiedeln, aber versuchen, es zu kanalisieren“, erklärt Matthias Knobloch im Gespräch mit unserer Zeitung. Über eine Sondernutzungserlaubnis und einen öffentlich-rechtlichen Vertrag mit gleich zwei Anbietern, versuchen die Verantwortlichen im Rathaus, Einfluss auf das Wo und Wie zu nehmen.

„Mit Tier Mobility und Zeus Scooters haben wir kleinere Anbieter, die auch Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigen“, versichert Knobloch. So seien die Akkus der Fahrzeuge austauschbar und die Fahrzeuge haltbarer als bei anderen Anbietern. Auch mussten die Unternehmen sozialversicherungspflichtige Beschäftigte nachweisen. So soll Ausbeutung zulasten des Gewinns verhindert werden. „Wir sind in Baden-Württemberg die erste Stadt, die diesen Weg geht“, so Knobloch. „Die E-Scooter sind ein weiterer Baustein im Mobilitätsangebot der Stadt und kein Touristengag“, so Knobloch. Mögliche Nutzer könnten Pendler sein, interessant könnten die E-Scooter für die Strecke vom Bahnhof ins Gewerbegebiet West sein. Auf dieser Strecke werden bisher auch die Fahrräder von RegioRad häufig genutzt.

„Der kritische Punkt ist das Abstellen“, das gibt auch Matthias Knobloch zu. Deswegen hat die Stadt jetzt vier Stellplätze eingerichtet, sogenannte Hubs. Dort ist aber längst kein Platz für alle Fahrzeuge. „Frei parken ist nicht verboten, aber für die Nutzer teurer.“ Ob sich die Nutzer daran halten, oder die Leih-roller wie in anderen Städten zu Stolperfallen werden, wird sich ab Montag zeigen, wenn das „Modellprojekt E-Scooter Ludwigsburg“ an Fahrt aufnimmt. Kosten jedenfalls, das betont Knobloch, sind für die Stadt nicht entstanden. „Wir subventionieren nichts.“

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