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Stadtbad-Schließung keine Option

Markgröningen will so lange wie möglich das marode Stadtbad offen halten. Außerdem muss ein Grundsatzbeschluss her: Ob der Benzberg einem zentralen Sportpark weichen soll.

Wie geht es weiter mit dem alten Stadtbad und den Sportanlagen am Benzberg in Markgröningen? Ein Sportstättenentwicklungsplan weist jetzt den Weg. Fotos: Holm Wolschendorf
Wie geht es weiter mit dem alten Stadtbad und den Sportanlagen am Benzberg in Markgröningen? Ein Sportstättenentwicklungsplan weist jetzt den Weg. Foto: Holm Wolschendorf
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Markgröningen. An Silvester wird es zehn Jahre her sein, dass das Schwieberdinger Hallenbad zum letzten Mal öffnete – und ein Reopening steht weiter in den Sternen. Die Gemeinde will auf ihrer Gemarkung lediglich eine Fläche für eine neue Schwimmstätte reservieren, ohne in die konkreten Planungen einzusteigen. „In den Nachbarkommunen sieht es also auch nicht besser aus“, sagte der Markgröninger Sozialdemokrat Martin Krämer im jüngsten Gemeinderat.

Das alte Markgröninger Stadtbad ist seit Jahren ein Sanierungsfall. Bisher ist es der Stadt mit Flickschusterei jedoch gelungen, die Einrichtung weiterzubetreiben. Das soll auch so bleiben. „Wir wollen, dass unser Hallenbad so lange wie möglich nutzbar bleibt“, sagte der Fraktionschef der Freien Wähler, Matthias Reutter, im Rat. Die CDU zeigte sich bereit, „möglichst lange vertretbare Mittel bereitzustellen“. Der Fraktionschef Erich Hutflus: „Wir sehen ja, dass Schüler in der Nachbarschaft nicht mehr schwimmen lernen können.“

Seit einiger Zeit schwelt in Markgröningen zudem eine Debatte, ob ein Schwimmbad nicht neu gebaut und dann interkommunal betrieben werden sollte – etwa mit Schwieberdingen und Asperg. Doch nach Angaben des Bürgermeisters Rudolf Kürner gestaltet sich der Plan schwierig. „Es müsste die dreifache Größe unseres jetzigen Bades haben“, so der Rathauschef. Außerdem wäre Bedingung, dass der Schwimmunterricht in den Tagesablauf der Schulen eingebettet werden könnte. Bislang sind die drei Partner offenbar nicht über das Gesprächsstadium hinausgekommen.

Das Stadtbad ist zentraler Bestandteil eines Sportstättenentwicklungsplans, den Markgröningen in den vergangenen knapp drei Jahren mit den Schulen, Sportvereinen und Experten erarbeitet hat. „Nach anfänglichen Schwierigkeiten haben wir die Vereine mit ins Boot bekommen“, sagt Stefan Eckl vom Stuttgarter Institut für Kooperative Planung und Sportentwicklung (ikps). Die Diskussionen, die in Workshops geführt wurden, bezeichnet der Fachmann als „intensiv“. Herausgekommen sei jedoch ein Konzept, das für das kommende Jahrzehnt trage.

Eckls Institut empfiehlt jetzt, nicht nur den Schwimmsport in Markgröningen zu erhalten. Notwendig sei darüber hinaus, eine neue Ballsporthalle in Unterriexingen zu bauen, das Raumprogramm am Benzberg insbesondere mit den maroden Sporthallen zu überprüfen und den Schulsport zu stützen. „Gute Rahmenbedingungen für Schüler zu schaffen ist eine Pflichtaufgabe“, sagte Eckl im Gemeinderat. Für wünschenswert hält er zudem den Bau einer Freilufthalle für Fußballer, die überdachtes Training möglich macht und als abgespeckte und damit günstigere Variante einer richtigen Sporthalle daherkommen würde.

Fraglich scheint auch, was aus dem Sportkomplex am Benzberg werden soll. Eckl glaubt, dass in Markgröningen ein Grundsatzbeschluss kommen muss: ob am Benzberg festgehalten – oder ein zentraler Sportpark geschaffen werden soll. Das Problem ist jedoch die schwierige finanzielle Situation der Kommune. Dazu trägt auch Corona bei. Der Experte: „Der Wunsch und die Realität sind nicht immer deckungsgleich.“

So sieht das wohl auch die Markgröninger Kommunalpolitik. „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht zu viele Begehrlichkeiten wecken“, sagte der GAL-Ratsherr Arndt Zwicker im Rat. „Es wird schwer, in den nächsten zehn bis 15 Jahren alles zu erfüllen.“ Die FDP hofft auf kreative Lösungen im Doppelpass mit den Vereinen. Die CDU sieht eine sehr gute Basis, um zu planen. Und der Freie Wähler Reutter macht klar: „Wir stehen zum Sportstättenentwicklungsplan. Er ist nichts für die Schublade gedacht.“

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