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Stadtbahnast zu Bosch vor Ludwigsburger Linien

Der Schwieberdinger Bosch-Standort soll über eine Trasse aus Markgröningen an die Stadtbahn angebunden werden. Der Ast könnte noch in diesem Jahrzehnt umgesetzt werden – vor den Ludwigsburger Innenstadtvarianten.

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Kreis Ludwigsburg. Es ist Michaela Reinold von der Aktiven Bürgergemeinschaft, die am Mittwochabend im Schwieberdinger Gemeinderat die Frage stellt, die durch die Turn- und Festhalle wabert: „Werden wir es noch erleben, dass eine Stadtbahn nach Schwieberdingen fährt?“ Sie ist gerichtet an Frank von Meißner, den neuen Geschäftsführer des Zweckverbandes, der das rund 250 Millionen Euro teure Projekt im Landkreis managen soll. Die Idee: Die Markgröninger Bahn über Möglingen nach Ludwigsburg zu reaktivieren und in einem weiteren Schritt als Niederflurstadtbahn in die Ludwigsburger Ortsteile Oßweil und Schlösslesfeld sowie Pattonville und zum Schwieberdinger Standort des Automobilzulieferers Bosch zu erweitern.

In der City gibt es ein Nadelöhr

Von Meißner sagt zunächst, dass „wir uns am Anfang eines Weges“ befinden. Dass langwierige Genehmigungsverfahren zu durchschreiten seien und der Artenschutz berücksichtigt werden müsse. Dann antwortet er Reinold: „Selbstverständlich.“ Der Bahnmanager geht sogar davon aus, dass ein Stadtbahnast zu Bosch, wo in Schwieberdingen rund 6500 Menschen beschäftigt sind, noch in diesem Jahrzehnt realisiert werden könnte – wenn alles optimal läuft.

Der (sehr ehrgeizige) Zeitplan lässt aufhorchen. Ein Schwieberdinger Ast noch in den 20er Jahren würde bedeuten, dass er deutlich früher an den Start gehen würde, als die Ludwigsburger Innenstadttrassen. Die plant der Zweckverband, in dem die Anrainerkommunen und der Landkreis als Projektpartner vereint sind, erst für 2032. Die Inbetriebnahme der Markgröninger Bahn peilen von Meißner und Landrat Dietmar Allgaier bekanntlich vier Jahre früher an.

Warum die Boschanbindung in Schwieberdingen schneller passieren könnte, als Züge durch die Ludwigsburger City fahren zu lassen, begründet von Meißner auf Anfrage unserer Zeitung so: Die Umsetzung in Ludwigsburg sei komplizierter, wo das Areal um den Bahnhof als Nadelöhr gilt, die Gegebenheiten in Schwieberdingen einfacher.

Dafür müsse sich die Schwieberdinger Seite aber schnell auf eine Variante festlegen – was sie am Mittwochabend getan hat. Demnach soll die Trasse hinter dem Markgröninger Bahnhof nach Süden abzweigen, das Bildungszentrum mit Gymnasium und Realschule erreichen, am geplanten Neubaugebiet Ziegelei haltmachen und dann über die ICE-Strecke zu Bosch führen.

Der Nachteil für die Markgröninger: Aus einem 15-Minuten-Takt nach Ludwigsburg wird für die Haltepunkte zwischen Bahnhof und Festplatz ein Halbstundentakt – weil die Linie nach Schwieberdingen aufgeteilt werden muss. Der Vorteil: Zwei bedeutende Wegmarken wie das Bildungszentrum und die Ziegelei bekommen einen Anschluss an die Schiene, was in Markgröningen immer gewollt war.

Vom Tisch ist damit eine Schwieberdinger Andienung über Möglingen, die von Meißner ohnehin als „schwer bis nicht vorstellbar“ klassifiziert hat. Der Grund: Im dicht bebauten Möglinger Ortszentrum müsste dafür ein zweites Gleis verlegt werden. „In den bisherigen Abstimmungsgesprächen ist deutlich geworden, dass diese Variante von Möglingen nicht mitgetragen werden kann“, sagt von Meißner. Der Schwieberdinger Beigeordnete Manfred Müller machte im Gemeinderat deutlich, dass seine Kommune nur im Konsens mit den anderen Anrainern an das Stadtbahnsystem angebunden werden könne. Er sagt: „Die Sorgen und Nöte der anderen müssen berücksichtigt werden.“

Der Kosten-Nutzen-Faktor sinkt

Was bleibt, sind zwei Wermutstropfen: Der Ast von Möglingen hätte laut von Meißner einen höheren Nutzen gebracht – im Gegenzug aber auch mehr Kosten produziert. Der Bahnmanager bezeichnete ihn als „Porsche unter den Varianten“. Darüber hinaus drückt der Schwieberdinger Ast den Kosten-Nutzen-Faktor des gesamten Systems zwischen Markgröningen, Möglingen, Ludwigsburg und Pattonville nach unten – er sinkt nach Angaben des Landratsamtes von 1,48 auf 1,3. Wichtig: Er bleibt aber immer noch über dem für die Förderfähigkeit des Projekts wichtigen Wert von 1,0.

In Schwieberdingen herrscht jetzt die Freude darüber vor, eine konkrete Stadtbahntrasse gefunden zu haben. Der Bürgermeister Nico Lauxmann machte im Interview mit unserer Zeitung allerdings auch deutlich, dass mit zwei Schienenanschlüssen – Strohgäubahn und Stadtbahn – auf die Gemeinde eine finanzielle Herkulesaufgabe zukomme. Die Schwieberdinger CDU träumt derweil von noch größeren Plänen: einem Schienenringschluss über Korntal nach Stuttgart.

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