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Jugendgemeinderat

Stadträte wollen als Paten helfen

Wahl steht kurz bevor, die Kandidaten sind gefunden – Die Jugendlichen sollen größtmöglichen Freiraum erhalten

Ludwigsburg. Die anstehende Wahl des ersten Ludwigsburger Jugendgemeinderates wird mit Spannung erwartet. Nach zwei Jahren harter Überzeugungsarbeit sind die Jugendlichen kurz vor ihrem Ziel: Endlich direkt in der Stadt mitbestimmen zu können.
Was die Ludwigsburger Jungend beschäftigt und welche Themen sie auf die Agenda setzen wollen, weiß Hannah Junginger von der Jugendförderung der Stadt Ludwigsburg. Sie hat sich mit den Kandidaten zusammengesetzt und mit ihnen ihre Ziele diskutiert. Große Themen seien Mobilität und Integration, berichtet Junginger. Die Jugendlichen forderten bessere Bedingungen für Fahrradfahrer, mehr Nachtbusse und wollten mit Workshops anderen jungen Menschen helfen, in Ludwigsburg anzukommen. Aber auch Sport- und Freizeitangebote seien Themen, für die sich die Jugendlichen einsetzen möchten, sobald sie gewählt sind, so Junginger weiter.
Damit sie in die Arbeit der Kommunalpolitik hineinfinden, stehen ihnen sechs Paten aus den Reihen des Gemeinderates zur Seite. Sie sollen die Jugendlichen unterstützen. Gabriele Moersch (Freie Wähler) und Annegret Deetz (SPD) hatten die Initiative der Jugendlichen zur Gründung des Jugendgemeinderats von Anfang an unterstützt. Deetz berichtet, sie habe auch in der eigenen Fraktion Überzeugungsarbeit leisten müssen. „Der Verdacht der Ratskollegen, es handle sich beim Jugendgemeinderat um ein Strohfeuer, wurde weggewischt“, sagt sie. Sie freut sich, dass das Gremium nun kurz vor der Einsetzung steht. Auch Moersch findet es großartig, dass die Jugendlichen trotz der Skepsis von Gemeinderatskollegen dabei geblieben sind. „Ich freue mich auf die Aufgabe als Patin und die Arbeit mit den jungen Menschen“, erklärt sie. Moersch hatte schon 2011 in einem Antrag gefordert, einen Jugendgemeinderat einzurichten. Ihr Antrag wurde damals abgelehnt.
Dass die Initiative für den Jugendgemeinderat nicht aus dem Gemeinderat kam, findet Klaus Herrmann gut. Er übernimmt für die CDU die Rolle des Jugendgemeinderatspaten. Bevor Herrmann Mitte Dezember im Ausschuss für Bildung, Sport und Soziales dem Jugendbeteiligungskonzept zustimmte, hatte er den Jugendlichen jedoch ein allgemeines Rede- und Anhörungsrecht abgesprochen. Vor diesem Hintergrund bekommt seine Aussage, dass die bald gewählten Kandidaten hoffentlich das große Interesse auch noch in zwei Jahren weitertragen, einen leicht skeptischen Unterton.
Laura Wiedmann (Grüne), früher selbst Mitglied im Reutlinger Jugendgemeinderat, hält es für wichtig, dass das Engagement von den Jugendlichen selbst ausgeht. „Ich hoffe, dass die Begeisterung lange bestehen bleibt“, sagt sie. Jochen Eisele (FDP) betont, dass die Arbeit mit den Jugendlichen Neuland für beide Seiten sei. Er ist gespannt auf die Aufgabenfelder und die Ideen. Ein Vorteil sei es, sagt Claudia Dziubas (Ökolinx), dass es im Jugendgemeinderat keine Parteibindung gebe. Sie hofft, dass es künftig keinerlei Parteiwerbung geben werde. Letztlich sind sich alle sechs Paten einig, den Jugendlichen den größtmöglichen Freiraum zu lassen. Sie sollen selbstständig arbeiten können und ihre eigenen Erfahrungen machen. „Die Jugendlichen werden manchmal anstrengend sein und das sollen sie auch“, erklärt Eisele. Er ist sich sicher: Es wird trotzdem Spaß machen.