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Stahlträger dienen als Dekoelement

„Ihr machet es wieder schee, gell“, mahnt eine Ur-Gronauerin, als sie Erhard Fichtner vor der alten Schule sieht. Er hat das denkmalgeschützte Gebäude Anfang 2019 gekauft und baut es derzeit zum Büro- und Wohngebäude um.

Von außen wird die Alte Schule weiterhin gleich aussehen. Fotos: Holm Wolschendorf
Von außen wird die Alte Schule weiterhin gleich aussehen. Foto: Holm Wolschendorf
...genauso wie die unter Denkmalschutz stehende Holztreppe.
...genauso wie die unter Denkmalschutz stehende Holztreppe.
Die Kinderzeichnungen an den Toiletten müssen weichen.
Die Kinderzeichnungen an den Toiletten müssen weichen.
Die Stahlträger bleiben erhalten...
Die Stahlträger bleiben erhalten...
Das Holz muss teils ersetzt werden.
Das Holz muss teils ersetzt werden.

Oberstenfeld. „Natürlich. Das wird ein richtiges Schmuckstück“, beruhigt Fichtner die ältere Dame. Mit seinem Vorsatz „möglichst viel erhalten“ hatte er damals auch den Gemeinderat überzeugt, der sich sehr schwergetan hatte, das Haus zu verkaufen und damit auch auf den Unterricht im Oberstenfelder Teilort zu verzichten. Fichtner weiß um die Emotionen, ist doch sein Unternehmen „Protec“ nur ein paar Meter entfernt beheimatet und er täglich im Ort.

Die größte Herausforderung sei gewesen, das Gebäude zu entkernen und Statik, Brandschutz, Energiebelange und den Denkmalschutz in Einklang zu bringen. Und dann verzögerte Corona die Bauarbeiten. Von außen bleibt den Gronauern der Anblick ihrer alten Schule erhalten. Der Klinker wird abgestrahlt, ebenso der Naturstein. Mehr ist nicht zu tun. „Der Klinker ist robust und selbst der Sandstein sieht noch gut aus“, so Fichtner. Die Holzfenster hätte Fichtner gerne durch eine Aluminium-Holz-Kombination ersetzt, aber der Denkmalschutz besteht auf Holzfenstern. Auch die bestehenden Jalousien müssen weg. Kompromiss für den Sonnenschutz: ausfahrbare Jalousien mit niedrigerem Aufbau. Die Eingangstür aus Holz entspricht nicht den Anforderungen an Dämmung und Sicherheit, weshalb eine neue, aber in der gleichen Optik gehaltene, Haustür eingebaut wird. Als besonderen Schatz bezeichnet Fichtner „die wunderschönen gusseisernen Stahlträger“. Sie waren mit Gipskarton verkleidet, die rötliche Farbe wird durch einen Schutzlack erhalten. Sonst sollen die beiden ehemaligen Klassenzimmer zu neutralen, modernen Büros ausgebaut werden, inklusive Lärmschutz. Vom rechten Zimmer gelangt man über eine neu geschaffene Tür in den Garten und kann dort die Mittagspause mit Blick auf die Bottwar genießen.

Der Keller war bisher nur über eine Außentreppe zugänglich, er ist nun ins Gebäude integriert und wird zum Heizkeller mit Pelletheizung. Der ursprüngliche Kriechkeller, der nur zur Belüftung der Holzdecken diente, wurde ausgehoben und wird zum richtigen Keller. Der Toilettentrakt bekommt einen mit Fenstern geschlossenen Vorbereich. Die Kinderzeichnungen bleiben nicht erhalten – sie wurden aber fotografiert – , aber die alten Türen, so weit es geht. „Wir handeln schwäbisch und heben auf, was geht“ scherzt der Beilsteiner. Die Holztreppe innen ist denkmalgeschützt, der Noppenbelag eher nicht. „Ich glaube nicht, dass dieses Relikt aus den 80er-Jahren noch passt“, sagt Fichtner lächelnd.

Im ersten Obergeschoss befindet sich die große Vier-Zimmer-Wohnung mit Terrasse auf den Toiletten. Auch hier bleiben die Stahlträger sichtbar. Im Dachgeschoss wird in die Zwei-Zimmer-Wohnung eine Dachloggia integriert – das kleine runde Guckfenster wird eine Herausforderung für den Fensterbauer, da diese heute nicht mehr hergestellt werden. Die kleinere Wohnung ist für Singles gedacht. Das Gebälk ist nur etwas für Profis: Es ist statisch und wegen der Dämmung eine Herausforderung. Nicht erhalten bleibt die Schultafel vom letzten Schultag, dem 14. Juli 2016.

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