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Investitionen

Statt drei Sporthallen jetzt nur eine

Verwaltung will vorerst nur die Halle in der Oststadt angehen – Stadträte bemängeln lange Planungs- und Bauzeit bis 2024

Hinter der Eishalle soll die neue Sporthalle gebaut werden. Archivfoto: Bürkle/Grafik: Stadt Ludwigsburg
Hinter der Eishalle soll die neue Sporthalle gebaut werden. Foto: Bürkle/Grafik: Stadt Ludwigsburg
Hinter der Eishalle soll die neue Sporthalle gebaut werden. Archivfoto: Bürkle/Grafik: Stadt Ludwigsburg
Hinter der Eishalle soll die neue Sporthalle gebaut werden. Foto: Bürkle/Grafik: Stadt Ludwigsburg

Eigentlich hatten sich alle schon darauf eingestimmt, dass es möglich sein könnte, drei Sporthallen gleichzeitig zu bauen. Zum einen hatte der jetzige OB Matthias Knecht noch im Frühjahr als Vorsitzender des Stadtverbands Sport von einem begrüßenswerten „Dreiklang dreier Hallen“ gesprochen. Zum anderen haben die Stadträte jüngst bei einem Besuch in Ulm erfahren, dass dort drei Sporthallen gleichzeitig gebaut werden – und zwar für erstaunliche 12,5 Millionen Euro.

Die Überraschung für die Stadträte, die am Donnerstagabend im Ausschuss für Stadtplanung, Hochbau und Liegenschaften über die Sporthallen beraten haben, war nun perfekt: Die Stadt plant, vorerst nur eine Halle zu bauen. „Wir werden die Oststadthalle jetzt vor die Klammer ziehen“, sagte Baubürgermeisterin Gabriele Nießen. Bezüglich Ulm frage sie sich, ob da nicht Äpfel mit Birnen verglichen würden. Auch der Fachbereichsleiter Hochbau, Mathias Weißer, glaubt, dass die Verhältnisse „nicht vergleichbar“ sind. In Ulm werden die Hallen ebenerdig direkt nebeneinander gebaut. Das Fazit der Verwaltung: Eine parallele Finanzierung der Hallen sei nicht darstellbar.

Ein Antrag von Freien Wählern, SPD und FDP hatte vor einem Jahr genau dies angeregt, zumal bis dato von einem Kostenrahmen von 18 bis 20 Millionen Euro für die Sporthallen in Ludwigsburg die Rede war. Sie wollten, dass die Hallen für die Oststadt, für Oßweil und Poppenweiler gemeinsam in Auftrag gegeben und damit Kosten auch gespart werden. In der Zwischenzeit ist eine vierte dazugekommen, auch in Grünbühl besteht Bedarf.

Der zweite Schock für die Stadträte: die lange Planungs- und Bauzeit. Bis zur Fertigstellung der Sporthalle Ost dauert es knapp fünf Jahre. Erst im Herbst 2024 wäre sie bespielbar. Schuld daran sei nicht der Architektenwettbewerb, den die Stadt empfiehlt, so Weißer. Er benötige nicht mehr Zeit als ein Vergabeverfahren – außerdem sei eine europaweite Ausschreibung notwendig.

Stadträte reagierengrößtenteils enttäuscht

Entsprechend enttäuscht fielen die Reaktionen aus. „Wir brauchen kein Edelprojekt, eine einfache und funktionale Halle reicht“, so Freie-Wähler-Stadtrat Jochen Zeltwanger, der auf die Hohenecker Halle verwies, die für 2,3 Millionen Euro gebaut werden konnte. Ähnlich auch die SPD. „Wir brauchen keine architektonischen Highlights“, befand Margit Liepins, die kritisierte, dass seit 2008 nichts getan worden ist. „Bei diesem Zeitplan kann dann der nächste Gemeinderat die Halle einweihen.“ Sie bemängelt, dass die Verwaltung keine Angaben dazu macht, wann die anderen Sporthallen gebaut werden sollen. „Wird die letzte dann erst in 20 oder 25 Jahren gebaut?“

Ein Aspekt, der auch FDP-Stadtrat Sebastian Haag nicht gefiel. „Für Oßweil und Poppenweiler haben Sie nichts konkretisiert.“ Den angepeilten Zeithorizont hält er für sehr schwierig. Außerdem sei es nicht angebracht, kurz vor den Haushaltsberatungen und ohne Bezug auf die versprochene Prioritätenliste für Investitionen die zwei Hallen beiseite zu schieben. Die CDU stimmte mit ein. „Poppenweiler hat die Stadt schon bei der Eingemeindung eine Halle versprochen, das ist jetzt 25 Jahre her“, echauffierte sich Wilfried Link. Die Lubu kündigte an, den Beschluss für die eine Halle abzulehnen.

Anders positionierten sich die Grünen, auch in der SPD gab es Gegenstimmen. „Wir müssen für die Oststadt so schnell wie möglich die Halle bekommen“, sagte Christine Knoß, die auf den Bedarf bei den Schulen verwies. Sie befürchtet, dass gar nichts vorangeht, wenn der Ausschuss auf den gleichzeitigen Bau der drei Sporthallen besteht. SPD-Stadtrat Dieter Juranek schloss sich dem an. „Die Oststadthalle war für uns immer vorrangig.“ Die Justinus-Kerner-Schule und die neue Fuchshofschule warteten dringend darauf. „Das ist jetzt die Chance, die Halle zu bauen.“ Juranek, selbst Architekt, empfahl jedoch, nicht wie die Stadt nur auf die Holzbauweise zu setzen – dies sei mit Sicherheit teurer als andere Baustoffe, auch sei es angesichts dessen, dass Holz oft Tausende Kilometer Transportwege hinter sich hat, nicht ökologischer. Der Beschluss wurde entsprechend abgeändert.

Als die SPD ankündigte, ihren Antrag zurückzuziehen, brach der Damm. Die Fraktionen rückten von ihrem Ansinnen ab und stimmten mehrheitlich – bei drei Gegenstimmen von Freien Wählern und Lubu – für den Bau der Sporthalle. Vorerst ohne Parkierung, die als Hochgarage hinter dem Stadionbad angedacht ist. Ideen dafür wie auch für die Umgestaltung des Berliner Platzes soll der Architektenwettbewerb bringen. Gelder sind für Parkplatz und Umgestaltung noch nicht vorgesehen.

Nießen betonte, dass eine „wirtschaftliche Lösung“ angestrebt werde, von einem architektonischen Highlight könne keine Rede sein. „Wir orientieren uns aber nicht an der Eishalle, die ziemlich in die Jahre gekommen ist“, ergänzte Weißer. Dieser warnte auch davor, sich zu viel von Generalübernehmern zu versprechen. „Die Halle in Hoheneck ist gut, keine Frage, zu denken gibt aber, wenn sowohl Geschäftsführer als auch Projektleiter heute nicht mehr in der Firma sind.“

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