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Staus bringen Autofahrer zur Verzweiflung

Mit einer Online-Karte will die Stadt einen größeren Durchblick im Baustellen-Dschungel bieten. Diese zeigt derzeit vor allem eins: Mit parallel gesperrten Achsen kommt die Fahrt durch die Stadt einer Schnitzeljagd gleich. Wie eine Testfahrt zeigt, ist das nicht nur den Baustellen selbst geschuldet.

Ein wahrer Schilderwald erwartet Autofahrer auf der B27 an der gesperrten Abbiegung auf die Friedrichstraße. Ein Umleitungszeichen sucht man hier vergeblich. Foto: Werner
Ein wahrer Schilderwald erwartet Autofahrer auf der B27 an der gesperrten Abbiegung auf die Friedrichstraße. Ein Umleitungszeichen sucht man hier vergeblich. Foto: Werner

Ludwigsburg. An die 25 Autos in zehn Minuten, deren Fahrer entweder auf der Straße drehen oder zögerlich in die Teinacher Straße biegen: Dies ist das tägliche Szenario in der Markgröninger Straße, die vom Regierungspräsidium (RP) einen neuen Belag erhält. Laut Baustellenkarte der Stadt dauern die Arbeiten bis heute, auf Anfrage erklärt das RP, dass die Straße spätestens Samstag wieder offen sein soll.

Warum die Autofahrer in die Irre geschickt werden? Von Norden her kommend warnen zwar Schilder vor der Sperrung und weisen die Autofahrer in die August-Bebel-Straße und weiter in die Tal- und Osterholzallee, die offizielle Umleitungsstrecke. Ein Hinweis aus Richtung Stadt fehlt jedoch komplett. Einzig das Schild Richtung Vaihingen/Enz ist verschämt durchgestrichen. Hinweise auf ein frühes Abbiegen auf die Umleitungsstrecke an der Bahnbrücke fehlen. Erst an der Absperrung merkt der Autofahrer: Hier ist Schluss. Ein Umleitungsschild (etwa in die Teinacher Straße) fehlt.

Die neue Baustellenkarte (logis2.ludwigsburg.de/tbview2/index.php?workspace=verkehr oder über www.ludwigsburg.de) sei ein Teil der Digitalisierungsstrategie der Stadt, erläutert Bürgermeister Michael Ilk. Das Fernziel: „Dass die Antragsteller voll digital über Eingabemasken arbeiten“, auch intern solle es bis zum Gebührenbescheid digital laufen. Derzeit wird die Datenbank dahinter händisch eingepflegt.

Ein weiteres Ziel lautet: Aktualität. Jeden Abend werde die Karte aktualisiert, so Ilk, ein Mausklick bietet Hinweise auf Bauträger, Art der Arbeiten, Dauer und etwaige Umleitungen. Noch läuft nicht alles rund: Die Baustelle in Grünbühl läuft unter privat statt WBL, die Teilsperrung der Friedrich-Ebert-Straße ist noch aktiv, steht aber weiter auf Enddatum 7. August, aktuell fehlt zudem die Baustelle an der Kreuzung Schorndorfer/Oststraße der SWLB sowie die Sperrung der westlichen Monreposstraße von der B27. Diese haben wir in unserer Karte eingefügt.

Eine zusätzliche Zeichnung der Umleitungsstrecke wäre zu unübersichtlich, sagt Serkan Kulmac. Er betreut für die Straßenverkehrsbehörde die digitale Karte für die Stadt, die Umleitungen würden angewiesen und überprüft, sagt er. Dass derzeit mehrere gesperrte wichtige Achsen für Chaos sorgen, bedauert Ilk.

Mit der gesperrten Markgröninger Straße, der teils gesperrten Schwieberdinger Straße und der Schillerstraße sind alleine drei Ost-West-Achsen Ludwigsburgs nicht oder schwer befahrbar. Auch an der Autobahnauffahrt Ludwigsburg-Süd (Westrandstraße) gibt es Sperrungen. Die gesperrte Abelstraße (laut Stadt bis 24. August) macht eine zentrale Nord-Süd-Verbindung unmöglich, die B27 in Schloss- und Stuttgarter Straße ist durch die Umfahrungen trotz Ferien zur Stautrasse geworden. Und im Osten (Schorndorfer/Oststraße) sorgt der Schaden an einem Wasserschieber vier Wochen lang für eine Engstelle und Umfahrungen über das Krankenhaus, hinzu kommen kleinere Baustellen. 60 bis 70, sagt Kulmac, seien es insgesamt jährlich, 30 Prozent davon seien verkehrsrelevant.

Das RP indes (an der Autobahnauffahrt Ludwigsburg-Süd und in der Markgröninger Straße aktiv) kommt nun parallel hinzu. Die Stadt habe hier wenig Spielraum, so Ilk. Vom RP heißt es auf Anfrage, grundsätzlich würden die Maßnahmen im Frühjahr jedes Jahres mit Verkehrsbehörde, Verkehrspolizei, Landratsamt und den betroffenen Kommunen abgesprochen. Dies sei Coronas wegen im April per Mail erfolgt, an Ludwigsburg wie Asperg. Auch sei „zu einer Bauanlaufbesprechung eingeladen worden“.

Warum die Umleitungsstrecken auch für die Schwieberdinger Straße fehlen, kann Kulmac nicht sagen. Dort ist im Plan zu lesen „Umleitungen sind vor Ort ausgeschildert“ – die aber sucht man vergeblich. Bis auf mehrere Schilder, die Autos – beim derzeitigen Baustellenstand unnötig – von Westen kommend über die Siegesstraße und Solitudeallee nach Kornwestheim und Stuttgart leiten wollen. Bis mindestens März soll der letzte von vier Sanierungsabschnitten gehen, auf einen Zweischichtbetrieb wurde verzichtet. Wer auf der Stuttgarter Straße Richtung Süden fährt, bekommt auf Höhe Friedenskirche eine Warnung mit einem Schild, das recht kryptisch vor Stau und Baustelle warnt und die B27 als Weg zur A81 nennt, von einem Durchfahrtsverbot ist nichts zu sehen. Das wird an der Kreuzung ersichtlich, Umleitungsschilder fehlen ganz – wohl auch, weil man die verkehrsbelastete Südstadt nicht noch als Ausweichstrecke nennen möchte. Die Autofahrer finden sie ohnehin: Bewohner der Südstadt berichten von massiven Staus in Richard-Wagner- und Elmar-Doch-Straße.

Stark belastet auch die Anwohner der Talallee – da ging nicht nur zu Stoßzeiten gar nichts mehr. Eine Stunde, sagt ein Anwohner, sei die durchschnittliche Wartezeit von Autos und Lkw gewesen, mit voller August-Bebel- und Kurfürstenstraße (teils mit Baustelle) gab es wenig Abfluss. Die LVL habe ihre Busfahrten deswegen teils eingestellt. Später sei die Ampelschaltung an der Osterholzallee verändert worden, dann aber hätte sich dort der Rückstau verstärkt. Spätestens 2021, hat die Deutsche Bahn geplant, soll die Eisenbahnbrücke an der August-Bebel-Straße saniert werden. Dann gilt erneut: Großflächig umfahren – oder, wenn’s geht, das Auto gleich stehenlassen.

info: Anfragen oder Anregungen gehen an strassenverkehr@ludwigsburg.de.

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