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Artur Fischer Erfinderpreis

Steh-Orthese und clevere Lampe

Jury zeichnet zwei Tüftler aus dem Kreis Ludwigsburg aus – Anerkennung für stromproduzierende Socken

Martin Pfrommer wurde für seine Steh-Orthese für schwerbehinderte Kinder mit dem dritten Platz des Erfinderpreises ausgezeichnet.
Martin Pfrommer wurde für seine Steh-Orthese für schwerbehinderte Kinder mit dem dritten Platz des Erfinderpreises ausgezeichnet.
Der 14-jährige Benedikt Veit gewann in der Kategorie „Klasse 8 bis 10“ mit seiner intelligenten Arbeitslampe den zweiten Preis.
Der 14-jährige Benedikt Veit gewann in der Kategorie „Klasse 8 bis 10“ mit seiner intelligenten Arbeitslampe den zweiten Preis.
Die Flutex-Socken von Lara Lynn Lorenz produzieren Strom. Fotos: Baden-Württemberg Stiftung.
Die Flutex-Socken von Lara Lynn Lorenz produzieren Strom. Foto: Baden-Württemberg Stiftung.

Kornwestheim/Bönnigheim/Sachsenheim. Daniel Düsentrieb lebt. So wie der unermüdliche Tüftler im Comic wollen die modernen Erfinder mit ihren Entwicklungen vor allem Probleme im Alltag pragmatisch lösen. Dies hat der Artur Fischer Erfinderpreis wieder gezeigt, zu dem sich in diesem Jahr 170 junge und ältere Erfinder gemeldet hatten, um einen der mit insgesamt 38.000 Euro dotierten Preise zu gewinnen. „Sie sind total am Puls der Zeit“, sagte Sven Baszio, Geschäftsführer der Stiftung Jugend forscht, bei der Preisverleihung in Stuttgart. „Kreativität, Wille und Mut zur Veränderung – das ist gerade in Zeiten der Digitalisierung wichtig für unser Land“, betonte Katrin Schütz, Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium. „Der Artur Fischer Erfinderpreis ist ein bedeutendes Symbol der Innovationskultur und des Innovationspotenzials Baden-Württembergs“, sagte sie.

Eine Stützhilfe für schwerstbehinderte Kinder, eine intelligente Arbeitsleuchte, stromproduzierende Socken, ein Gardinenschienensystem, Kaffeekapseln aus Gelatine und ein Klebstoff aus Bananenschalen – die Kandidaten hatten vielfältige Ideen. Zwei der Preise und eine Anerkennung gingen an Erfinder aus dem Kreis Ludwigsburg.

So zeichnete die Jury im Bereich „Private Erfinderinnen und Erfinder“ Martin Pfrommer aus Bönnigheim mit dem dritten Preis aus (5000 Euro). Der Tüftler hat zu Hause eine Steh-Orthese für schwerstbehinderte Kinder entwickelt, die kaum oder gar keine Kontrolle über ihre unteren Gliedmaßen haben. Dabei handelt es sich um einen extrem leichten Stehständer aus Aluminium mit einem einstellbaren Gurt- und Polstersystem, das mit den kleinen Patienten mitwächst, wie der Orthopädiemechanikermeister erklärt. „Normale Stehständer, in die die Kinder reingeschnallt werden, sind mit 40 bis 50 Kilogramm sehr schwer“, sagt der 60-Jährige, der in einem großen Sanitätshaus in Stuttgart arbeitet. Pfrommers Steh-Orthese „Sil“ wiegt nur drei bis vier Kilo. „Ich habe ein modulares und transportables System entwickelt, das mitwächst“, betont der Fachmann. Die Kinder und Jugendlichen könnten die Orthese so bis zu zehn Jahre verwenden. Und die für sie unangenehmen Gipsabdrücke, die jährlich abgenommen werden müssten, würden entfallen. Zudem könne sie nach Hüftoperationen eingesetzt werden. Pfrommer arbeitet mit einem Nürtinger Unternehmen zusammen. Ab Januar 2020 startet der Vertrieb seiner Orthese. Orthopädiehäuser könnten den Bausatz für ihre kleinen Kunden einfach zusammensetzen – und mit den Krankenkassen abrechnen. Die Orthese ist nicht Pfrommers erste Erfindung. Sein „Nemus“-Korsett macht die Patienten autonomer, weil es ihren Rumpf im Stehen wie im Sitzen stützt. Und er hat neue Projekte „in der Pipeline“.

Mit seiner intelligenten Arbeitslampe gewann Benedikt Veit, der aufs Kornwestheimer Ernst-Sigle-Gymnasium geht, den mit 1500 Euro dotierten zweiten Preis in der Kategorie „Klasse 8 bis 10“. Das Prinzip: „Ein Roboter überprüft ständig die Sender, die der Benutzer an den Händen trägt“, sagt der 14-Jährige, „und lenkt den Lichtkegel der Lampe immer auf die Hände.“ So werde der Arbeitsplatz immer optimal ausgeleuchtet. Die Idee dazu ist dem Schüler eines Abends im Dunkeln im Garten gekommen, als er und sein Vater bei der Arbeit durch die Taschenlampen geblendet wurden oder auch fast gar nichts sahen. Etwa 30 Stunden hat er an der Umsetzung seiner Idee gearbeitet. Während der Projektvorstellung habe es schon einen Interessenten gegeben, aber: „Da ist noch Feinarbeit nötig.“ Derzeit arbeitet Benedikt Veit an einem modifizierten System – und hat schon neue Projektideen.

Die Socken von Lara Lynn Lorenz produzieren Strom, das war den Juroren eine Anerkennung wert. Denn die Socken können so zum Beispiel beim Gehen Smartphones laden – und dies ganz ohne Kabel. Die Idee dazu kam ihr bei einem Schulprojekt „Jugend gründet“. Momentan hat die 17-Jährige, die aufs Evangelische Lichtenstern-Gymnasium in Sachsenheim geht, drei Prototypen, deren Material Druck in Strom verwandelt, die allerdings noch nicht voll funktionsfähig sind. „Die Strommenge hängt vom Gewicht ab und davon, wie schnell man geht und welche Schuhgröße man trägt“, sagt die Erfinderin. Die Stromproduktion funktioniert – wie gut, müssen Messungen noch ergeben. Auch an der drahtlosen Übertragung durch eine spezielle Antenne direkt aufs Handy arbeitet sie noch. Möglich ist, dass man die Socken mit dem Namen Flutex über kurz oder lang kaufen kann, denn der Strumpf- und Sockenproduzent Falke hat an der Erfindung Interesse gezeigt. „Mal sehen, wie es sich entwickelt“, sagt Lara.

Beim Fischer-Preis, der mit 10.000 Euro dotiert war, setzte sich die Idee des 74-jährigen Gaggenauers Edmund Erath durch, mit der durch eine neuartige Membranfiltertechnik aus Klärschlamm Stoffe wie Nickel zur Wiederverwertung herausgefiltert werden können. Die Erfindung des Umweltschutzberaters sei ressourcenschonend und umweltfreundlich, urteilten die Juroren. Erath erhielt auch den mit 5000 Euro dotierten Sonderpreis Ressourcen-Effizienz der Unternehmensgruppe Fischer.

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