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Steinbruch: Noch ist nichts entschieden

Darf der Steinbruch Klöpfer in Rielingshausen über bereits genehmigte Flächen hinaus erweitern? Diese Frage soll in einem Verfahren zur Änderung des Regionalplans geklärt werden. Foto: Andreas Becker
Darf der Steinbruch Klöpfer in Rielingshausen über bereits genehmigte Flächen hinaus erweitern? Diese Frage soll in einem Verfahren zur Änderung des Regionalplans geklärt werden. Foto: Andreas Becker
Ob der Steinbruch Klöpfer in Rielingshausen über die bereits genehmigten Flächen hinaus erweitern darf, diese Frage hat der Planungsausschuss des Verbands Region Stuttgart gestern nicht beantwortet. Er hat sich aber mehrheitlich dafür ausgesprochen, ein Verfahren zur Änderung des Regionalplans vorzubereiten.

Marbach. Mit großer Vorsicht, so hat es den Anschein, tastet sich die für die Rohstoffsicherung in der Region Stuttgart zuständige politische Ebene an die Frage heran, wo und in welchem Umfang künftig Rohstoffe abgebaut werden dürfen und ob die Aufgabe von Betrieben – wie etwa des Steinbruchs Fink in Bietigheim-Bissingen – die Erweiterung andernorts möglicherweise bedingt. Denn eines der im Regionalplan verankerten Ziele ist es, Gestein und andere Rohstoffe möglichst vor Ort zu gewinnen und so lange Transportwege mit all ihren negativen Randerscheinungen wie Verkehrsaufkommen und Emissionen, zu verhindern.

Dass sich die Regionalpolitiker gestern mehrheitlich willens zeigten, in ein Änderungsverfahren einzusteigen, dürften die Verantwortlichen des Steinbruchs Klöpfer gerne gehört haben. Denn so besteht weiterhin die Chance, dass die jüngst beantragte Erweiterung, die für so viel Wirbel in Rielingshausen sorgt, in den nächsten Jahren genehmigt wird. Hätte der Planungsausschuss keine Notwendigkeit für Änderungen im Regionalplan gesehen, hätte dies das Aus für die weitere Expansion des Steinbruchs bedeutet.

Doch so folgten – mit Ausnahme der Linken – alle Fraktionen dem Vorschlag von Chefplaner Thomas Kiwitt, in Vorbereitung des Änderungsverfahrens „alle Aspekte auf den Tisch zu legen“, sprich, die ökologischen Auswirkungen einer Steinbrucherweiterung ebenso zu bewerten wie die Auswirkungen auf den Ort, aber auch die Rohstoffsicherung bis zum Jahr 2049. Die „Causa Klöpfer“ ist übrigens der einzige Änderungswunsch, der heftig umstritten ist. In Herrenberg wurde eine Lösung gefunden, die mit dem geltenden Regionalplan konform geht, eine Erweiterung in Weissach wird aus dem Plan genommen, weil hier ein Naturschutzgebiet ausgewiesen werden soll, und in Markgröningen stößt die Überlegung, die Abbaufläche um zehn Hektar zu vergrößern, vor Ort nicht auf Widerspruch. Gegen die Erweiterungspläne von Klöpfer sind dagegen sowohl der Marbacher Gemeinde-, als auch der Rielingshäuser Ortschaftsrat sowie eine Bürgerinitiative, die sich vehement dagegen wehrt, dass der Steinbruch bis auf 350 Meter an die Wohnbebauung heranrücken soll.

Und so wollen die Regionalräte – das war gestern der gemeinsame Nenner in fast allen Wortmeldungen – „ergebnisoffen“ in das Änderungsverfahren gehen, in dessen Verlauf alle Beteiligten ihre Bedenken oder Anregungen formulieren können. Der Rems-ecker Kai Buschmann (FDP) mahnte, dabei die „regionale Flughöhe“ einzunehmen und aus dieser Warte die Einzelfälle zu entscheiden. Die Steinheimerin Regina Traub (SPD) ließ durchaus Verständnis für die Kritik in Rielingshausen durchklingen, war sich aber gleichzeitig sicher, „dass ohne ein förmliches Verfahren keine Ruhe einkehren wird“. Nicht nachvollziehbar sei aber, wie die Firma Klöpfer darauf komme, dass ihr Betrieb nur noch acht Jahre gesichert sei.

Für die Freien Wähler befürwortete Wilfried Dölker den vorgeschlagenen Weg, es gehe um eine „gründliche Prüfung aller Vor- und Nachteile“ einer Regionalplanänderung. Einerseits seien die Sorgen vor Ort verständlich, andererseits „braucht man selbst für Radwege Schotter“. Für eine Interessenabwägung plädierte auch Roland Schmid (CDU/ÖDP) mit den Worten: „Es wäre falsch, gar nicht ins Verfahren zu gehen und sich damit vielleicht auch unangenehmen Fragen zu entziehen.“

Auf ein transparentes Verfahren, an dessen Ende die Argumente abgewogen werden müssen, setzen auch die Grünen. Angela Brüx bezeichnete den noch zu erstellenden Umweltbericht als ein Gutachten, das von großem Interesse sein werde.