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Stihl setzt weltweiten Wachstumskurs fort

Waiblinger Motorsägen- und Gartengerätehersteller trotz der Materialengpässe mit hohem Umsatzplus – Führungswechsel kündigt sich an

Da fliegen die Sägespäne: Im Waiblinger Stammwerk sägt ein Stihl-Mitarbeiter mit der vor allem für Profis entwickelten neuen Akku-Säge MSA300 einen Baumstamm durch. Foto: Bernd Weißbrod/dpa
Da fliegen die Sägespäne: Im Waiblinger Stammwerk sägt ein Stihl-Mitarbeiter mit der vor allem für Profis entwickelten neuen Akku-Säge MSA300 einen Baumstamm durch. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Waiblingen. Die Coronapandemie scheint die Geschäfte des Waiblinger Motorsägen- und Gartengeräteproduzenten Stihl geradezu anzutreiben. Bertram Kandziora zeichnet ein positives Bild der Geschäftsentwicklung. Von Januar bis Ende August sei der Umsatz in der Stihl-Gruppe im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 11,7 Prozent auf 3,51 Milliarden Euro gestiegen. Das wechselkursbereinigte Plus beträgt sogar 15,4 Prozent. Im Heimatmarkt erzielte Stihl mit 1,03 Milliarden Euro einen Umsatz, der mit einem Plus von 15,9 Prozent deutlich über dem starken Vorjahresniveau liegt. Kandziora zeigt sich für den Jahresverlauf optimistisch: „Stihl-Produkte werden stark nachgefragt. Wir produzieren weltweit auf hohem Niveau, um die Kunden beliefern zu können.“

Flexibilität der Belegschaft

„Wir liegen bei Absatz und Umsatz aller Produktgruppen deutlich über den Vorjahreswerten und über Plan. Das hohe Engagement, die Flexibilität unserer Belegschaft und eine vorausschauende Planung in Produktion, Vertrieb und Logistik haben dies ermöglicht“, lobt der 65-Jährige, der gegen Ende des Stihl-Medientages nebenbei ankündigt, nach 20 Jahren im Vorstand zum 1. Februar in Rente zu gehen.

Bei Stihl in Waiblingen und in den anderen Werken werden weiter Sonntags- und Sonderschichten gefahren. Dabei sorgen sich Kandziora und die Vorstände wegen der Störungen in den Lieferketten. Die Probleme: Rohstoffknappheit, fehlende Produktionskapazitäten bei Lieferanten und bei Stihl sowie begrenzte Transportkapazitäten. Es geht um Stahl, Kunststoffgranulat und Elektronikkomponenten. „Ohne diese Engpässe hätten wir noch mehr produzieren können“, erklärt Kandziora. „Wir hätten 1,5 Millionen Motorgeräte mehr verkaufen können“, betont Produktionsvorstand Martin Schwarz. „Die Produktion läuft weltweit auf Hochtouren, um die Rückstände aufzuholen und unsere Kunden besser versorgen zu können“, so Kandziora. Es sei nicht überall gelungen, den Bedarf an Stihl-Produkten zu erfüllen. Im ersten Quartal 2022 sollen die Lieferrückstände von 1,5 Millionen Geräten abgearbeitet sein, Mitte des Jahres die Material- und Lagerbestände aufgefüllt sein.

Die Rekordzahlen machen sich bei den Mitarbeiterzahlen bemerkbar. Die Gruppe beschäftigt weltweit 19523 Menschen (31. August), 7,3 Prozent mehr als Ende 2020. Im Stammhaus arbeiten 5684 Personen (plus acht Prozent). Die Belegschaft verteilt sich auf 4009 Beschäftigte in Waiblingen, 416 in Fellbach, 257 in Ludwigsburg, 924 in Weinsheim und 78 in Wiechs am Randen. „Derzeit haben wir mehr als 100 freie Stellen zu besetzen“, betont Kandziora, vor allem im Entwicklungsbereich, so im Akku-Bereich, in der Elektrotechnik, Robotik, Digitalisierung und Software, Internet of Things oder im E-Commerce.

Zwar werden 90 Prozent der Stihl-Motorsägen vor allem im Profi-Bereich mit Benzin angetrieben, dennoch verzeichnet das Unternehmen schon länger einen Trend zu Akku-Modellen. 50 Prozent aller Akku-Geräte werden von Privatleuten gekauft – vom Rasenmäher, Gehölzschneider bis hin zum Handstaubsauger. Beliebte Produkte sind unter anderem der Mähroboter iMOW, der Akku-Gehölzschneider GTA 26.

Zu den zehn neuen Akku-Geräten für Profis aus dem Forst- und Gartenbaubereich und für Privatkunden, die vorgestellt wurden, zählen der Akku-Heckenschneider HLA 135 und die Akku-Motorsense FSA 135. „Mit der MSA 300 präsentieren wir die leistungsstärkste Akku-Motorsäge, die derzeit im Markt verfügbar ist. Damit erreichen wir eine vollkommen neue Dimension bei Sägearbeiten in lärmsensiblen Bereichen und unterstreichen unsere Innovationskraft“, betont Kandziora. Für die Profi-Säge wurde der Akku-Pack AP 500S entwickelt. Dank innovativer Technologie besticht er durch einen hohen Energieinhalt bei niedrigem Gewicht. Er soll eine deutlich höhere Lebensdauer im Vergleich zu normalen Lithium-Ionen-Akkus haben. Für professionelle Anwendungen hat Stihl mit dem BGA 300 auch sein erstes rückengetragenes Akku-Blasgerät im Sortiment. Dank des patentierten „Silencer Systems“ soll es das leiseste Gerät seiner Leistungsklasse im Markt sein.

Gehäuseteile für E-Bike-Motoren

Die hohe Nachfrage nach E-Bikes sorgt ebenfalls für eine positive Geschäftsentwicklung. „In unserem Magnesium-Druckguss-Werk in Weinsheim fertigen wir auch Millionen Gehäuseteile für E-Bike-Antriebe und beliefern damit Unternehmen in der Fahrradindustrie“, sagt Kandziora.

Derzeit wird der Stammsitz modernisiert und erweitert. Leuchtturm des künftigen Gebäudeensembles ist die Stihl-Markenwelt, die Anfang 2023 eröffnet wird. Sie soll Besucherinnen und Besuchern auf drei Ebenen die Unternehmens- und Produktgeschichte erlebbar machen und ihnen eine Wissensplattform zu den Themen Wald und Forst bieten.

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