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Stinkt nicht, bellt nicht, hört nicht

„Ist das ein Fuchs?“ Sabine Scholz hat sich schon dran gewöhnt, dass sie solche Fragen gestellt bekommt, wenn sie mit ihrer Emmi Gassi geht. Dabei ist Emmi weder ein Fuchs noch ein kleiner Husky, wie andere vermuten. Sie ist ein Shiba Inu, eine der ältesten Hunderassen der Welt.

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Ausnahmsweise hält Emmi still auf dem Arm von Sabine Scholz. Sie lässt sich eigentlich nur ungern auf den Arm nehmen.
Foto: Bild: Alfred Drossel

LUDWIGSBURG. In der Tat, auf den ersten Blick könnte man meinen, Emmi sei ein kleiner Fuchs. Das Fell rot, der Schwanz buschig und dazu ein frecher Blick. Und doch ist Emmi ein Hund. Diese Rasse wurde auf den japanischen Reisfeldern einst als Rattenfänger gezüchtet. „Deshalb kann unsere Emmi auch ganz prima Mäuse fangen“, sagt Sabine Scholz.
Lange hatten sie und ihr Mann Thorsten überlegt, welcher Hund zu ihnen beiden passen könnte. Ein Urlaub am Königssee brachte die Entscheidung: „Wir haben eine Familie mit einem Shiba gesehen, und wussten: Das ist unser Hund!“ Es sind die Ästhetik und das Wesen, das die beiden überzeugt hat.
Aber Shibas werden in Deutschland nur ganz wenig gezüchtet. Die Wartezeiten sind lange. Doch Familie Scholz hatte Glück: „Ich hatte bei einer Züchterin angerufen und nachgefragt. Da sagte sie, wir könnten gleich kommen, gerade sei jemand abgesprungen.“ Das war an einem Sonntag. Im Haushalt Scholz gab es bis dato kein Hundekörbchen, kein Hundefutter, nichts. Das musste alles am nächsten Tag besorgt werden.
Aber das war nicht die größte Herausforderung. Viel schlimmer war der erste Spaziergang. „Furchtbar“, erinnert sich Sabine Scholz. Denn Emmi hat sich nicht gerade wie ein wohlerzogener Hund benommen. Sie hat gezogen, gezerrt, gebellt. Dabei bellen Shibas eigentlich ganz selten. „Ich war danach schweißgebadet“, erinnert sich Sabine Scholz. Zweifel kamen auf, ob das alles richtig war mit dem Hund.
Ein Personal-Trainer wurde extra für Emmi engagiert. Und schon nach wenigen Übungseinheiten hat’s geklappt. „Ein Shiba gehorcht nur aus Liebe“, weiß Sabine Scholz. „Man kann seinen Willen nicht brechen, und er lässt sich nicht mit Leckerlis bestechen.“ Genau das gefalle ihr so an Emmi. Dass sie ihren eigenen Kopf hat.
Bisweilen kann das aber auch sehr anstrengend sein. Beim Tierarztbesuch zum Beispiel. Da schreit Emmi gerne mal die ganze Nachbarschaft zusammen. Laut, hoch, schrill. Oder wenn Emmi keine Lust hat. Zum Beispiel, um mit einer Gondel zu fahren. „Da hat sie sich einfach krank gestellt“, erinnert sich Sabine Scholz. „Anfangs haben wir uns richtig Sorgen gemacht, so überzeugend war sie.“ Aber dann ließ sie sich doch ablenken – und fuhr sogar mit der Gondel.
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Überhaupt macht Emmi so ziemlich alles mit. Selbst nach einer 20 Kilometer langen Wanderung liegt sie nicht schlapp am Boden. Das liegt möglicherweise auch an der guten Pflege. Für sie wird sogar extra gekocht. „Ein Drittel des Futters sollte Reis sein“, sagt Sabine Scholz. Da ist der Hund eben ein richtiger Japaner. Zudem gibt es Nudeln mit Gemüse, Fisch oder Fleisch. Und zum Schlafen darf sie manchmal sogar zu Sabine und Thorsten Scholz ins Bett. Immerhin hat ein Shiba keinen Eigengeruch. Nur die Pfoten müffeln hin und wieder. Das größte Hobby der gut einjährigen Emmi: Stofftiere ausweiden. „Wir gehen immer auf den Flohmarkt, um neue Kuscheltiere zu kaufen“, sagt Sabine Scholz. Die werden dann von Emmi sauber aufgeschlitzt und ausgenommen. Danach sind sie nicht mehr interessant.
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Besonders viel Spaß hat Emmi beim Agility Training. Aber auch alleine kann sie sich beschäftigen. „Sie sortiert Stöckchen, rennt hinter Blättern hinterher oder knackt Walnüsse“, staunt Sabine Scholz immer wieder aufs Neue und ist sich sicher: Kein anderer Hund passt so perfekt zu ihr und ihrem Mann wie Emmi.

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