Logo

Oststadt

„Strafrunde“ für Lidl und Planer

Anwohner konnten einige Verbesserungen durchsetzen – Ausschuss genehmigt aber aktuelle Planung für Discounter

Discounter mit Parkflächen und Wohnungen: Für dieses Bauprojekt beginnt jetzt das Bebauungsplanverfahren. Die Fassadengestaltung ist noch offen, das begrünte Dach soll – so eine Anregung – weniger massiv ausgestaltet werden. Illustration: Lidl/Stadt
Discounter mit Parkflächen und Wohnungen: Für dieses Bauprojekt beginnt jetzt das Bebauungsplanverfahren. Die Fassadengestaltung ist noch offen, das begrünte Dach soll – so eine Anregung – weniger massiv ausgestaltet werden. Illustration: Lidl/Stadt Ludwigsburg

Im Sommer 2017 wird das Bauprojekt in der Oststadt erstmals vorgestellt – jetzt haben die Stadträte im Ausschuss für Stadtplanung, Hochbau und Liegenschaften mehrheitlich grünes Licht gegeben. Der aktuelle Entwurf für den Lidl-Markt enthalte wichtige Korrekturen, dies sei „den Anwohnern zu verdanken“, lobte Dieter Juranek (SPD) bei der Beratung am Donnerstagabend deren Engagement. Damit kann das Verfahren für das Bauprojekt eingeleitet werden. Bis wann es wirklich auf die Baustelle geht, ist noch offen. Die reine Bauzeit ist bislang mit bis zu 18 Monaten angegeben worden. Vorher muss der Bebauungsplan stehen.

Den früheren Entwurf hatte der Gemeinderat abgelehnt wegen der Höhe und mit der Auflage, den Markt im Erdgeschoss unterzubringen. Doch zu Letzterem ist Lidl nicht bereit, ansonsten seien viele Anregungen übernommen worden, heißt es. „Die Ehrenrunde hat sich gelohnt“, befand Stadtplaner Martin Kurt. Geringere Höhe, Wohnungen entlang der Steubenstraße, Zufahrt von der Oststraße aus – all das sei im neuen Entwurf berücksichtigt. „Wir haben alle Forderungen, auch die der Anwohner, an Lidl weitergegeben“, sagte Baubürgermeisterin Gabriele Nießen, die einräumte, dass das Gebäude eine sehr große Kubatur habe. In der Oststadt gebe es aber mit dem Polizeipräsidium und dem Landratsamt vergleichbar große Gebäude.

„Größer, aber niedriger“ – so fasste Kurt das Ergebnis zusammen. Noch tiefer in die Erde zu gehen, wie es die Anwohner fordern, sei äußerst schwierig. Der Markt mit Wohnungen überrage nicht mehr wie im ersten Entwurf die Häuser in der Nachbarschaft, er sei gleichauf mit deren Firsthöhe.So groß der Bau sei, er belege nur 53 Prozent der Fläche, was mehr als vertretbar sei. Dabei vergrößere sich die Grünfläche von 1350 Quadratmetern im jetzigen Bestand auf 1780 Quadratmeter. Rundherum würden Bäume gepflanzt.

Für Sebastian Haag (FDP) war das eher eine „Strafrunde“, die die Planer einlegen mussten, um dieses Ergebnis zu erzielen. Noch zu klären sei die Lärmbelastung wegen der Lastwagen, die den Markt andienen. „Jetzt ist was Besseres herausgekommen“, stellte für die CDU auch Wilfried Link fest. „Trotz größerem Gebäude gibt es mehr Grün als jetzt, die Wohnungen auf dem Markt sind richtige Zuckerwohnungen.“ Auch die Freien Wähler überzeugt der Entwurf. Es habe sich vieles positiv verändert, „wir müssen da jetzt grünes Licht geben“, so Bernhard Remmele. Er ist der Überzeugung, dass die Leute ebenerdig parken wollen.

Von einem grünenStadtteilzentrum weit entfernt

Grüne und Lubu lehnen die Planung ab. Christine Knoß kritisiert den „autogerechten Markt“ und wirft Lidl vor, zu wenig in die Zukunft zu denken. Mehr Parkplätze ziehen Verkehr an, so die stellvertretende Fraktionschefin, die sich fragt, wo der Wille zur Verkehrswende bleibe. Einkaufen zu Fuß oder mit dem Fahrrad müsse das Ziel sein. „Das gesamte Gebilde ist ein stadtplanerischer Fehlgriff“, so Knoß. Es gebe weniger Wohnungen als erhofft, nur 25 statt 38, auch würden sämtliche Bäume gefällt und am Rande dann nur „Zahnstocher“ gepflanzt. Dass Lidl nicht in die Tiefe bauen will, während die Kreissparkasse für die Garage dreigeschossig nach unten geht, findet sie traurig.

Harsche Kritik kommt auch von der Lubu-Vertreterin. Elga Burkhardt erinnerte an die Idee des Ludwigsburger Gestaltungsbeirats, der von einem grünen Stadtteilzentrum im Osten sprach. Davon sei dieser Entwurf eines Discounters weit entfernt. Was Lidl nun vorlege, sei nicht gutzuheißen, die Stadt, die in erster Linie für die Bürger da sei, müsse dies ablehnen. „Ich habe den Eindruck, dass die Anwohner mit der neuen Planung bestraft werden sollen.“

Die Vorwürfe ließen die anderen Fraktionen nicht gelten. Sie sprechen von „städtebaulicher Qualität“, vom Zugewinn an Grün, von den dringend benötigten Wohnungen in der Stadt. Stadtplaner Kurt sieht dies als wichtigen Baustein, die Zahl der Wohnungen könne, sobald die Detailplanung gemacht werde, auch noch nach oben gehen. SPD-Stadtrat Juranek seinerseits wundert sich über die Grünen. Die Anwohner würden sich um die Höhe des Gebäudes sorgen – „und die Grünen haben dem ersten Entwurf zugestimmt, als zwei Geschosse oben drauf waren“.

Autor: