Logo

Streit auf dem Radweg eskaliert

Jeder Radfahrer kennt das: Autos, die auf dem Radweg halten oder parken. Laut Verwaltung und Polizei darf man solche Autos fotografieren und der Stadt melden. Die leitet den Fall dann an die Bußgeldstelle weiter. Man sollte dabei aber nicht an die falschen Autofahrer geraten. Das ist Elmar Weinhold passiert.

Kein Durchkommen in der Solitudestraße: Der Autofahrer sieht es gar nicht ein, den Radweg für Radfahrer freizuhalten. Foto: Elmar Weinhold
Kein Durchkommen in der Solitudestraße: Der Autofahrer sieht es gar nicht ein, den Radweg für Radfahrer freizuhalten. Foto: Elmar Weinhold

Ludwigsburg. Radfahrer leben in Ludwigsburg gefährlich. Das ist keine Neuigkeit. Dass die Gefahr aber nicht nur von fahrenden Autos, sondern auch von den Insassen parkender Autos ausgeht, dürfte für den einen oder anderen neu sein.

Was Elmar Weinhold vor kurzem passiert ist, ist für ihn ein „Paradebeispiel für Autofahrer, die keine Rücksicht nehmen und denen jede Einsicht fehlt.“ Doch was war geschehen? Weinhold war auf dem Radweg durch die Solitudestraße unterwegs. Vor einem Restaurant parkte allerdings ein schwarzer Mercedes. Seine beiden Insassen benutzten den Radweg quasi als Drive-In Fahrspur und warteten auf ihr Essen (Foto). „So musste ich wohl oder übel anhalten, weil dadurch die komplette Straße blockiert war. Links war starker Gegenverkehr, der Radweg durch den Falschparker blockiert, rechts mussten sich schon Fußgänger zwischen dem Auto und dem Kellner hindurchzwängen. Ein Abstandhalten in Zeiten von Corona war gar nicht möglich“, schildert Weinhold. „Die Insassen haben mich gesehen, gelacht, keine Anstalten gemacht wegzufahren und sich weiter unterhalten.“

Daraufhin zückte Elmar Weinhold sein Handy und machte ein Foto von der Situation. „Das haben die Zwei dann bemerkt und sind ausgestiegen und wollten, dass ich das Foto lösche, weil sie der Meinung waren, es sei illegal.“

Da er sich weigerte, hätten sich die beiden durchtrainierten Kerle links und rechts von ihm aufgebaut und ihn 15 Minuten lang bedroht und beleidigt, schildert Weinhold. Dann hätten sie ihn aufgefordert weiterzufahren, gleichzeitig aber sein Fahrrad festgehalten. Schließlich habe ein Passant die Polizei gerufen.

Bedroht und festgehalten

Als diese kam, hat Weinhold die beiden Autofahrer wegen Beleidigung angezeigt. Umgekehrt haben auch die beiden ihn wegen Beleidigung angezeigt. Doch damit war der Fall nicht erledigt. Auch die Polizei forderte Elmar Weinhold nun auf, das Foto von dem Auto zu löschen. Da sich der wackere Radfahrer weigerte, wollte die Polizei sogar sein Handy beschlagnahmen. Nach Rücksprache mit dem Revier machte der Beamte aber einen Rückzieher. Ein Foto in der Öffentlichkeit zu machen, ist erlaubt.

Der Fall schien zunächst erledigt. Auf die Rückfrage, ob das Blockieren des Fahrradwegs, das Festhalten des Fahrrads und die Bedrohungen allesamt mit der Anzeige wegen Beleidigung erledigt seien, fügte der Polizist nach kurzem Nachdenken noch eine Anzeige wegen Nötigung hinzu. Daraufhin behaupteten die beiden Autofahrer, sie wären von Weinhold angegriffen worden.

„Diese Leute denken, ihnen gehört die Welt und alle anderen haben sich nach ihnen zu richten. Die haben bewusst falsch geparkt, weil ihnen der Verstoß und die Behinderung andere Mitbürger und die maximal 30 Euro egal sind. Sie haben bewusst andere Mitbürger gefährdet und bedroht und halten sich nicht an die Straßenverkehrsordnung oder den Seuchenschutz. Ihnen sind andere Menschen egal“, ärgert sich Elmar Weinhold.

In den letzten Jahren, in denen er als Ordner bei mehreren Fahrradaktionen mitgefahren ist, sei er immer wieder körperlich und auch verbal von Autofahren angegriffen worden. Schon drei Mal habe er deshalb Autofahrer angezeigt. „Jedes Mal ist das Verfahren wegen mangelnden öffentlichen Interesses eingestellt worden, weil die Polizei überlastet ist und Protokolle nicht oder nur teilweise geschrieben wurden, oder eben auch mal nach der langen Schicht doch keine Anzeige geschrieben wird“, sagt der passionierte Radfahrer. Auch im laufenden Verfahren rechnet er sich wenig aus. Wahrscheinlich lande der Fall im Papierkorb, so seine Befürchtung.

Die Polizei ermittelt in dem Fall

Auf Rückfrage bestätigt die Polizei, dass in dem Fall wegen Körperverletzung und Nötigung ermittelt werde. Die Sache mit dem Fotografieren ist rechtlich gesehen klar: „Ein Foto von einem falsch geparkten Auto, auf dem das Kennzeichen zu sehen ist, kann an Polizei oder Ordnungsamt geschickt werden und wird dort zum Beweismittel. Anders sieht es aus, wenn dieses Foto im Internet verbreitet, sprich veröffentlicht wird. Dies kann einen datenschutzrechtlichen Verstoß darstellen“, so die Polizei auf Rückfrage unserer Zeitung.

Auch die Stadt bestätigt, dass wenn eine Anzeige samt Foto alle notwendigen Angaben umfasse und die rechtlichen Voraussetzungen gegeben seien, sie den Fall an die Bußgeldstelle weiterleite, wo ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet werden kann. Bisher hat die Verwaltung aber keine Zunahme von solchen privaten Anzeigen feststellen können. Was in der Coronakrise allerdings zugenommen hat, sind Beschwerden wegen Hol- und Bringdienstverkehr vor den Restaurants.

Autor: