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„Streit schwächt uns gegenüber der Bahn“

Der Vorstoß aus Ludwigsburg, die Reaktivierung der Stadtbahnstrecke zwischen Ludwigsburg und Markgröningen vorzuziehen, hat im Landratsamt für Verwunderung gesorgt. „Wir sind voll im Zeitplan“, sagt Landrat Dietmar Allgaier. Er will das Gesamtprojekt einer Stadtbahn zwischen Remseck und Markgröningen nicht gefährden.

Die Bahnstrecke bei Markgröningen ist derzeit noch überwuchert. Sie soll baldmöglichst reaktiviert werden. Foto: Alfred Drossel
Die Bahnstrecke bei Markgröningen ist derzeit noch überwuchert. Sie soll baldmöglichst reaktiviert werden. Foto: Alfred Drossel

Kreis Ludwigsburg. Dietmar Allgaier war schon ein wenig überrascht, als er von den Vorwürfen aus der Stadt Ludwigsburg las, die Planung der Stadtbahn dauere viel zu lange. „Bislang war es nach meiner Beobachtung eher der Landkreis, der aufs Tempo gedrückt hat“, so Allgaier. „Viele Entscheidungen hängen auch von der Stadt Ludwigsburg ab“, spielt er den Ball wieder ins Rathaus zurück. Der Zeitplan stehe. Am 19. Mai habe man sich in der eingesetzten Lenkungsgruppe zwischen den beteiligten Kommunen darauf geeinigt, jetzt zunächst den Zweckverband zu gründen und gleichzeitig dem Landrat den Auftrag erteilt, mit der Bahn über einen Kauf oder eine Verpachtung der Strecke zwischen Ludwigsburg und Markgröningen zu verhandeln. Vorgesehen ist, dass der Ausschuss für Umwelt und Technik am 3. Juli die Satzung vorberät und der Kreistag am 23. Oktober beschließt. Darin ist geregelt, wie die Finanzierung aussehen soll, welche Stimmanteile Kreis und Kommunen haben und welche Prüfaufträge es gibt. Unter anderem wird dabei auch auf die Anbindung von Schwieberdingen und den W&W-Halt in Kornwestheim verwiesen. Klar sei aber auch, so Allgaier, dass „dem Vorlaufbetrieb der Strecke zwischen Ludwigsburg und Markgröningen Priorität beigemessen werde“. Dies gelte es umzusetzen.

Dafür hat Allgaier auch ein Mandat bekommen. Deshalb wundert ihn die Forderung aus Ludwigsburg, man solle nun endlich mit der Reaktivierung beginnen. Anfang Juli ist ein Termin angesetzt, bei dem Allgaier gemeinsam mit der Stadt Ludwigsburg, dem Konzernbevollmächtigten für Süddeutschland der Deutschen Bahn und der DB Netz eruieren will, wie auf der Strecke eine Stadtbahn fahren kann. Der Knackpunkt: Der Bahnvorstand hat beschlossen, keine Nebenstrecken mehr zu verkaufen. Ausnahmen könnten nur gemacht werden, wenn die Projektbetreiber, in diesem Fall der Landkreis und die beteiligten Kommunen, dieses Vorhaben einig vorantrieben. „Deshalb schwächt die Diskussion gerade unsere Verhandlungsposition gegenüber der Bahn“, befürchtet der Landrat. Es sei auch noch völlig offen, welcher Zugtyp dort fahren wird. Ausgelegt ist die Strecke für Bahnzüge, der Landkreis strebt aber eine Niederflurlösung an.

Das wissen auch die Freien Wähler im Kreistag. Sie haben für die Ausschussitzung beantragt, dass Landkreis, Ludwigsburg, Markgröningen und Möglingen eine eigene Vereinbarung zur Reaktivierung der Strecke schließen und – das ist der wichtige Unterschied –nach Bahnordnung dort gefahren wird. Alles andere würde dann über den Zweckverband geplant, an dem sich auch die Stadt Remseck und der Zweckverband Pattonville (mit Kornwestheim) beteiligen soll. „Die Förderbedingungen sind für solche Strecken exzellent, das dürfen wir nicht verpassen“, drückt Fraktionschef Rainer Gessler aufs Tempo. Die Freien Wähler machen derzeit in allen beteiligten Kommunen Werbung für diese Lösung und scheinen auch auf offene Ohren zu stoßen, wie die Reaktionen in der Stadt Ludwigsburg zeigen.

Auch im Kreistag gibt es kaum Widerspruch, auch die Grünen sind dafür, Tempo zu machen, „solange das Gesamtprojekt Stadtbahn nicht gefährdet wird“, so Fraktionschefin Brigitte Muras. Genau diese Sorge treibt Rems-ecks Oberbürgermeister Dirk Schönberger um, der nicht abgehängt werden will. „Vielleicht ist es die Luft im Ludwigsburger Rathaus, die immer wieder zu solchen Diskussionen führt“, sagt der OB süffisant.

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