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Student fädelt für die Großbottwarer Winzer China-Connection ein

Die Erschließung neuer Märkte soll den Weinabsatz ankurbeln. Foto: Holm Wolschendorf
Die Erschließung neuer Märkte soll den Weinabsatz ankurbeln. Foto: Holm Wolschendorf
Riesling und Lemberger von den Bottwartaler Winzern können bald auch Menschen aus dem Reich der Mitte genießen. Den Anstoß für die China-Connection gab der 23-jährige Julian Fähnle, Masterstudent der Betriebswirtschaftslehre an der Uni Stuttgart. Seine Forschungsarbeit wurde jetzt in die Tat umgesetzt.

Großbottwar. „Wachstum durch die Erschließung neuer Absatzmärkte“: Diesen Titel trug Julian Fähnles Forschungsarbeit. Der aus einer Großbottwarer Winzerfamilie stammende Student, der auch selbst zwei Weinberge bewirtschaftet, hatte darin den chinesischen Weinmarkt analysiert und kam zu dem Schluss, dass es sich beim Reich der Mitte um ein profitables Absatzgebiet handelt.

Fähnle sprach bei einem Termin in der Kellerei in Großbottwar von einem kalkulierbaren Risiko. Das könne darin bestehen, dass die Genossenschaft auf dem nach China gelieferten Wein möglicherweise sitzenbleibt. Das wird aber eigentlich nicht befürchtet, denn allgemein stehen deutsche Produkte, darunter eben auch Weine, bei der aufstrebenden chinesischen Mittelschicht hoch im Kurs und diese ist laut Fähnle auch bereit, dafür mehr zu bezahlen. Das Konzept: Riesling und Lemberger werden von einem dortigen Händler online vermarktet.

„Ruinöse Situation“ beim Rotwein

Dass es auch für die Bottwartaler Winzer gut wäre, neue Märkte zu erschließen, liegt Fähnle zufolge am stagnierenden, zum Teil sogar leicht rückläufigen Weinabsatz in Deutschland. Eine Wachstumsstrategie sollte also her und Julian Fähnle hat mit seinem Konzept die Geschäftsführung der Genossenschaft überzeugt. Der Kniff: Der Riesling als deutsches Markenzeichen ist international ein Begriff und begehrte Ware. Er dient somit als Mittler für den roten Lemberger. Der Hintergrund: Immerhin drei Viertel der im Bottwartal produzierten Tropfen sind Rotweine. Der Geschäftsführer der Bottwartaler Winzer, Uwe Ziegler sprach dabei von einer ruinösen Situation. „Wir bieten ein nachhaltiges Produkt von hoher Qualität, das geht aber nicht für 2,50 Euro“, machte Ziegler deutlich. So viel kostet durchschnittlich eine Flasche Wein in Deutschland.

Viele Winzer geben auf

Viele Winzer geben dem Geschäftsführer zufolge auf und wenig junge Leute ziehen nach. „Das Traubengeld bringt einfach zu wenig“, so Ziegler. Auf dem Spiel steht somit die Rebenlandschaft als Teil der württembergischen Kultur. Den praktischen Ansatz, den Julian Fähnle in seiner Seminararbeit gewählt hatte, überzeugte auch den CDU-Bundestagsabgeordneten Fabian Gramling, der sich bereit erklärte hatte, Türöffner für Julian Fähnles Projekt bei einflussreichen Ansprechpartnern zu sein. „Die Weinregion ist auf die Erschließung neuer Märkte dringend angewiesen“, betonte Gramling. Deshalb sei es auch wichtig, den internationalen Weg zu gehen, zumal der Württemberger Wein eine gute Entwicklung genommen habe, so der Bundestagsabgeordnete der auch sogleich die Tropfen aus seinem Wahlkreis Neckar-Zaber, die nun in China online bestellt werden können, testen konnte.

Wie Julian Fähnle betonte, sei diese Forschungsarbeit aus der Absicht entstanden, etwas für die Weinberge in seiner Heimat im Bottwartal und somit auch für die Familientradition zu tun. Aus Karrieredenken sei das nicht entstanden, versicherte Fähnle. Seine berufliche Zukunft sehe er eher im Personalwesen, fügte er an.