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Bonuscard

Studenten sollen sich anmelden

Nach langen – und teuren – Anlaufschwierigkeiten kommt die Studentenkarte ins Rollen. Mit der StuWiCard sollen Studenten an Ludwigsburgs Hochschulen mit Rabatten dazu animiert werden, hier ihren Hauptwohnsitz anzumelden. Das scheint langsam zu funktionieren.

Die Zahl der Studenten in Ludwigsburg steigt. Und viele von ihnen melden mittlerweile ihren Erstwohnsitz hier an.Foto: Thomas Frey/dpa
Die Zahl der Studenten in Ludwigsburg steigt. Und viele von ihnen melden mittlerweile ihren Erstwohnsitz hier an. Foto: Thomas Frey/dpa
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Ludwigsburg. Es ist ziemlich genau zwei Jahre her, da stand die Studentenkarte vor dem Aus: Die Kampagne mit einem eigens engagierten Unternehmen war zu teuer geworden, der Effekt marginal. Mittlerweile ist aus dem Heimvorteil – wie die Karte seit 2012 hieß – eine StuWiCard (Studenten-Willkommen-Karte) geworden, die in Eigenregie entwickelt wurde. Insbesondere die Kombination mit einer App, die die Karte eigentlich obsolet macht, steigerte die Attraktivität erheblich.

Und: Mit der Nutzung von Instagram, Facebook, Youtube und Whatsapp-Gruppen über die Hochschulen, konnte die Stadtverwaltung richtig Boden gut machen. „Wir sprechen alle Studierenden in Ludwigsburg an“, sagte Jürgen Schindler, der Fachbereichsleiter der Bürgerdienste, kürzlich stolz im Sozialausschuss. Die Karte ist für alle Studenten nutzbar, das Guthaben von 200 Euro indes ist für die Studenten vorbehalten, die in Ludwigsburg ihren Hauptwohnsitz anmelden.

Bisher kaum Erfolg gehabt

Eingeführt wurde die Bonuskarte 2012, um Studenten dazu zu animieren, ihren Erstwohnsitz in Ludwigsburg anzumelden. Für jeden Einwohner bekommt die Stadt Geld über den Finanzausgleich, rund 800 Euro. So gab die Stadt in rund vier Jahren 250.000 Euro aus. Diese Investition wurde zwar wieder eingespielt, aber der Gewinn hielt sich in Grenzen.

Mit dem neuen Modell, so Schindler, bei dem nur die digitale Infrastruktur ausgeschrieben wurde und die Mitarbeiter direkt in der Stadtverwaltung sitzen, sehe das anders aus. In einer Prognose, ausgehend von 500 Hauptwohnsitzanmeldungen zeigte er, dass es bei Kosten von insgesamt 130.000 Euro zu Einnahmen über den Finanzausgleich von 380.000 Euro kommt. Eine Werbetafel am Ortseingang, Endgeräte in Einzelhandel und Gastronomie, monatliche Systemkosten von 1380 Euro sowie der Willkommensbonus von 100.000 Euro seien überschaubar, so Schindler. Hinzu kommen rund 8300 Euro für eine jährliche Fahrradverlosung. Dieses Jahr seien erneut 15 Räder unter 150 Studenten verlost worden, sagte Sarah Gutscher von den Bürgerdiensten.

Bis zur Einführung der digitalen Infrastruktur im Frühjahr wurden pro gemeldetem Student 200 Euro an Luis-Gutscheinen ausgegeben. Diese kamen auf rund 38.000 Euro und sind unbefristet. Auf Laura Wiedmanns (Grüne) Nachfrage erläuterte Schindler, dass das Geld bei Luis verbleibe, auch wenn die Gutscheine nicht komplett eingelöst worden seien. „Das ist nicht mehr nachvollziehbar“, zudem seien die Gutscheine unbefristet. Wer also in einer Schublade noch einen findet, kann diesen weiter einlösen. Mit Karte und App indes, sagte er, würden bis zu 80 Prozent des Guthabens von 200 Euro eingelöst. Hinzu kommen Sonderaktionen, die permanent laufen und beworben werden.

„Das Angebot läuft mittlerweile komplett digital“, sagte Gutscher im Ausschuss. Die Studenten nutzen beim Einkauf ihre App, um sich zu identifizieren, der Händler scannt den QR-Code auf deren Handy und rechnet den Bonus ab. Dabei sieht der Händler direkt, wie viel Guthaben auf der Karte gespeichert ist.

Die Studenten bekommen mit der Karte laut Schindler einen satten Gesamtbonus, die beteiligten Geschäfte, Restaurants, Kinos, Sportvereine oder Dienstleister machen sich umgekehrt bei den Neu-Ludwigsburgern bekannter. Und das nicht nur analog: Die App bietet Raum für aktuelle Angebote, gekoppelt mit einem Navi-System und Informationen.

Mittlerweile glänzt das System mit rund 60 Akteuren. Auch die Ludwigsburger Kreiszeitung, unter deren Regie auch ein StuWiCard-Imagetrailer gedreht wurde, ist mit dabei. Das ganze Netz greife mittlerweile, betonte Schindler, die Teilnahme sei „beeindruckend“.

30 Anmeldungen im mobilen Büro

Alles wächst: Waren es zu Beginn der Studentenkarte 2012 noch 7500 Studierende, kommt Ludwigsburg nach Angaben der Stadtverwaltung aktuell auf rund 10.700 junge Menschen, die eine der Hochschulen besuchen (siehe Zahlen unten). Gleichzeitig steigt auch der Anteil derer, die die StuWiCard nutzen. Seit Ende September 2018, als das neue Konzept griff, haben laut Verwaltung 417 Studierende, die ihren Hauptwohnsitz in Ludwigsburg haben, entweder einen Luis-Gutschein (bis April 2019) oder eine Gutschrift auf der StuWi-Datenbank erhalten. Mittlerweile wurden laut Schindler 734 Karten freigeschaltet.

Erkennbar ist der Erfolg auch an den Wohnsitzen. 2003 waren es bei knapp 90.000 Einwohnern 4,5 Prozent Nebenwohnsitze, aktuell sind bei 96.334 Einwohnern nur 2851 nicht mit Hauptwohnsitz gemeldet, das entspricht einem Anteil von knapp drei Prozent. Alleine mit dem mobilen Bürgerbüro, das zu Semesterbeginn auf dem Campus von PH und Verwaltungshochschule seine Zelte aufschlägt, sind laut Sarah Gutscher zu Semesterbeginn 30 Anmeldungen für einen Hauptwohnsitz erledigt worden.

Kommt die Zweitwohnsitzsteuer?

Dass damit nun auch Studenten erreicht werden, die vom Studentencampus an der Reuteallee den Weg in die Stadt selten findet, bewertete auch Laura Wiedmann positiv, die im Nebensatz auf das „Verschwinden der Plastikkarte“ hoffte. Voll des Lobs waren auch die anderen Fraktionen. „Stück für Stück kommen Sie mit tollen Ideen, wie man weitermachen kann“, sagte CDU-Rat Claus-Dieter Meyer, der gleich vorschlug, die Studenten nach einem Jahr Hauptwohnsitz mit einer Bonusaktion zu belohnen. „Viel Herzblut“ bescheinigte Hubertus von Stackelberg (SPD) Schindler und seinem Team, dies sei eine „sehr gute Entwicklung“, von der auch die Stadtgesellschaft profitiere. Und: „Wir sparen jetzt auch eine Menge Geld.“ Als „sehr ansprechend“ bewertete Hermann Dengel (FW) das Konzept, Johann Heer für die FDP sagte, Ludwigsburg sei schon lange eine Studentenstadt, nur habe es keiner gemerkt. „Die Karte verbessert das.“

Dass sich Ludwigsburg 2012 explizit für Zuckerbrot statt Peitsche entschieden habe und nicht – wie andere Städte – auf Zwang oder eine Zusatzsteuer setze, um den Hauptwohnsitz zum Usus zu machen, betonte der Erste Bürgermeister Konrad Seigfried. Allerdings sei diese Sichtweise in Zeiten eines angespannten Haushalts nicht auf alle Ewigkeit angelegt. Eine Änderung könne durchaus in Betracht gezogen werden, sagte er. Dazu gebe es aber „noch keine finale Meinung bei der Stadt“.

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