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Bienenprojekt

Summende Bewohner an der B27

Die Bewohner des Mikrohofhauses in Ludwigsburg bekommen Nachbarn – und zwar 100000. Vier Bienenvölker ziehen nämlich auf die Sternkreuzung. Was es mit der Aktion auf sich hat, erklärt Stadtimker Florian Schimpf.

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Im Zuge des Stadtjubiläums hat Bienenexperte Florian Schimpf vier seiner Völker auf die Sternkreuzung mitten auf die B 27 gesetzt. Der bunte Kasten sowie die vertikalen Grünwände nebenan sollen die Verdichtung im Stadtgebiet symbolisieren. Fotos: Oliver Bürkle
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Das Bienenhaus der Frankfurter Künstler "finger gruppe". Foto: Bürkle
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Ludwigsburg. Lärm, Abgase, Stau. Man könnte sich einen weitaus schöneren Platz für Bienen vorstellen als mitten auf der B27. Florian Schimpf sieht das anders. „Ich finde es spannend, Bienen auf diesem Weg in die Öffentlichkeit zu bringen. Es wird Diskussionen anstoßen“, sagt der Biologe und Bienenexperte. Als Aktion zum Stadtjubiläum siedelt er vier seiner Völker auf der Sternkreuzung an. Es soll ein Denkanstoß sein. Geht es den Bienen gut?, werden sich Fahrer und Passanten fragen. Ist der Honig überhaupt genießbar? Und was ist das eigentlich für ein buntes Haus um die Bienenkästen herum?
Wie die Bienen auf den Standort reagieren, werde sich zeigen, sagt Schimpf. „Die Abgase sind jedenfalls zu vernachlässigen.“ Auch der Feinstaub sei so minimal, da die Tierchen den Nektar von weit unten aus den Blüten herausholen. „Außerdem reicht ihr Flugradius drei Kilometer weit.“ Die Fluglöcher sind so ausgerichtet, dass weder der Verkehr noch die Fußgänger behindert werden, so der Imker.
Die Aktion auf der Sternkreuzung soll auch die Verdichtung des Stadtraums symbolisieren. Wie ist das Leben auf dichtem Raum? Was ist urbanes Imkern? Wo hört die Stadt auf und wo fängt die Landwirtschaft an? Wie kommt mehr Grün in die Stadt? Auch die vertikal begrünten Wände neben dem Bienenhaus werfen diese Fragen auf.
Bei dem bunten Kasten, der die Bienenvölker umschließt, handelt es sich um ein Werk der Künstler „gruppe finger“ aus Frankfurt am Main, die seit Jahren sehr aktiv in Sachen Bienen und Kunst sind. Das Frankfurter Bienenhaus soll die Bienenhaltung und ihre Bedeutung für die Gesellschaft publikumswirksam präsentieren. „Durch die bedruckten Platten erhält der Kasten seine kommunikative Funktion“, erklärt Florian Schimpf.
Das Ansiedeln von Bienen in Städten hat die Imkerei populär gemacht. Urbanes Imkern liegt im Trend. Auch in Ludwigsburgs Hinterhöfen leben immer mehr Völker. Florian Schimpf hat selbst viele Bienen, sie sind vor allem im Blühenden Barock und an der Pädagogischen Hochschule, wo er den Lehr- und Forschungsbienenstand der Hochschule verantwortet. Hauptberuflich arbeitet er in der Bienenforschung an der Universität Würzburg.
Dabei ist Imkern in der Stadt nichts Neues, sagt Schimpf. Es hat sogar mit dem Stadtjubiläum zu tun. Der Pädagoge entdeckte historische Schriften aus dem Jahr 1802, in denen der damals bekannte Waisenhauspfleger Rümelin dem Herzog eine dauerhafte Bienenzucht in Ludwigsburg vorschlug.
Nun stehen jedenfalls Bienen im öffentlichen Raum – mittendrin in der Stadt. Bis Oktober ist es deren Zuhause. Ob es dann auch einen Jubiläumshonig gibt? Wohl eher nicht, sagt Schimpf. „Die große Blütezeit ist vorbei. Daher rechne ich mit keinem großen Ertrag.“

Info: Florian Schimpf plant zusammen mit der Stadt Führungen rund um das Bienenhaus. Termine für Veranstaltungen/Führungen unter www.ludwigsburger-honig.de.