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Blühendes Barock

Symphonie aus Licht und Musik

Fast 25.000 Besucher auf einem Fleck, und doch ist die Stimmung so entspannt. Das Musikfeuerwerk im Blühenden Barock eint am Samstag in einer tropischen Nacht Partyvolk, Genussmenschen und Klassikfans.

Immer wieder ein Höhepunkt im Ludwigsburger Veranstaltungskalender: das Musikfeuerwerk im Blühenden Barock. Foto: Ramona Theiss
Immer wieder ein Höhepunkt im Ludwigsburger Veranstaltungskalender: das Musikfeuerwerk im Blühenden Barock. Foto: Ramona Theiss

Ludwigsburg. Wenige Minuten nach dem Einlass um 18 Uhr sind die Logenplätze im Südgarten belegt. Zwischen Blumenrabatten und Buchsbaumseparées reiht sich Decke an Decke. Bunt wie die Beete ist das Bild, zusätzliche Farbtupfer geben Kühlboxen und Sonnenschirme, Campingstühle mit integriertem Flaschenhalter. Es wird viel gecremt und getrunken. Bei einigen nicht nur Wasser, denen steigen Hitze und Alkohol, schnell zu Kopf. Wenige verschlafen schließlich sogar das Feuerwerk.

Wer einen Sonnenstich vermeiden will, trägt Hut mit Krempe und flaniert im weitläufigen Park, in dem wieder tausende Lichter aufgebaut sind. Auf der Wiese im Ostgarten spielen die Straßenmusiker Noah und Marvin zum Auftakt. Später heizt die „Night Life Band“ vor der Südfassade des Schlosses ein. Das Septett aus Stuttgart ist mit brillanten Musikern besetzt und covert perfekt die Songs von Adele bis Zaz und alles was so an Hits alphabetisch dazwischen liegt. Beim Feiern und Tanzen wird mächtig Staub aufgewirbelt.

Das Essensangebot ist abwechslungsreich. Exoten sind Thai Curry oder Salsiccia. Auch an den vielen Getränkeständen halten sich die Warteschlangen einigermaßen in Grenzen. Nur die Damen an den Toilettenwagen müssen wieder Zeit einrechnen: Mindestens zehn Minuten für einmal Pipi. Aber das war auch schon einmal schlimmer. Die Feuerwehr patrouilliert mit „Hydrofix“ auf dem Rücken einem kompakten Löschgerät. Es sind viele Raucher auf dem Gelände, die Brandgefahr ist wegen der Trockenheit groß.

Gegen 22 Uhr wird es vor dem Schloss immer voller. Beim Knall zu Beginn des Feuerwerks gibt es gar kein Durchkommen mehr. Dem russischen Komponisten Nikolai Rimsky Korsakov (1844 bis 1908) ist das Feuerwerk gewidmet. Stücke wie der weltberühmte Hummelflug oder „Procession of the Nobles“ sind zu hören. Verspielt-romantisch und pompös arrangieren die pyrotechnischen Künstler von Flash Art die Show aus Musik und Feuer. Die Zündzeiten auf die Millisekunde genau auf jede einzelne Note abgestimmt. So werden musikalische Gemälde in den Nachthimmel gezaubert.

Daneben wird auch ein Stück Alexander Porfirjewitsch Borodin gespielt. Es ist dessen Komposition „Prinz Igor“, das Komponistenkollege Korsokow nach dessen Tod 1887 vollendete und orchestrierte, erklärt der Creative Director von Flash Art, Markus Katterle.

Es ist eine bombastische Symphonie aus Licht. Es blinkt und blitzt, wie perlender Champagner funkelt es am Himmel, hunderte bunter Glühwürmchen wirbeln durch die Nacht, Sternschnuppen verglühen, Wasserfälle aus Gold und Silber stürzen in die Tiefe, Herbstlaub schwebt zu Boden. Spannend ist das Feuerwerk durch überraschende Wechsel in Tempo und Dynamik. Auch die Band hat sich in diesem Jahr zurückgehalten und nach dem tosendem Applaus des Publikums dem Kunstwerk ein paar Minuten Nachhall gegeben.

Weniger entspannt ist die Stimmung bei den sechs Buslinien, die kurzerhand gestrichen waren. Vor allem Auswärtige aber auch Ludwigsburger stranden an den Bushaltestellen am Schloss, Rathaus und Arsenalplatz. Hier ruht der ÖPNV über zwei Stunden lang. Erst kurz vor Mitternacht sind alle Straßensperren wieder abgebaut. Simone aus Stuttgart ist sauer: „Es gab im Internet keinerlei Hinweise auf eine Beeinträchtigungen im Busverkehr.“ Es seien im Gegenteil die regulären Abfahrtzeiten angegeben gewesen. Die lange Wartezeit trübe das ansonsten großartige Erlebnis doch sehr. Durch die digitale Anzeige in der Wilhelmstraße fühlt sie sich komplett verschaukelt. „Eben noch wurde ein Bus mit nur einer Minute Verspätung angezeigt, der ist auf einmal komplett verschwunden und nun erst in einer halbe Stunde angekündigt.“

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