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ÖPNV

Tarifzonenreform, die dritte

Nach der ab 2020 wirksamen Verlegung von Heimerdingen auf die Tarifzonengrenze, damit für ganz Ditzingen einheitliche VVS-Preise gelten, will nun auch die Nachbarstadt Ähnliches erreichen.

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Korntal-Münchingen. Der Jubel war groß, als es nach mehreren Vorstößen im Februar endlich gelungen war, Ditzingen in absehbarer Zeit zu vereinigen und eine Ungerechtigkeit zu beseitigen. Denn aktuell liegen die Kernstadt, Schöckingen und Hirschlanden auf der Grenze zwischen den VVS-Tarifzonen 2 und 3, der Ortsteil Heimerdingen aber inmitten der Zone 3. Wer von dort zum Beispiel nach Stuttgart will, muss 4,20 Euro bezahlen, der Rest der Stadt nur 2,90 Euro. Ein Missverhältnis, das wie berichtet zum 1. Januar 2020 beseitigt wird, parallel wird auch Hemmingen auf die Zonengrenze verlegt, um nicht die von Heimerdingen über dieses Örtchen nach Korntal führende Strohgäubahn zu benachteiligen.

Doch Ditzingen ist bei Weitem nicht die einzige Kommune im Landkreis Ludwigsburg, in der es derzeit diese Ungleichheit gibt. Auch die Sachsenheimer oder Eberdinger Teilorte liegen nicht in derselben Tarifzone. Ebenso gehört Münchingen zur Zone.2, Korntal und Kallenberg hingegen liegen auf der Grenze zum großen Stuttgarter Ring, zahlen für die Fahrt zum Hauptbahnhof also nur 2,50 statt 2,90 Euro. Das zu ändern, habe der VVS „seinerzeit kategorisch abgelehnt“, so die Stadtverwaltung über Gespräche im Sommer 2018.

Doch nun hat sich das Blatt offenbar gewandelt – und bald könnten alle Einwohner der Doppelstadt den günstigeren Preis zahlen. Denn der Gemeinderat soll in seiner Sitzung am kommenden Donnerstag über eine Verschiebung von Münchingen auf die Zonengrenze beraten. Seit der großen Tarifzonenreform des VVS zum 1. April dieses Jahres gebe es zwar schon Vorteile für die Nutzer, weil sich vor allem für die Münchinger die Ticketpreise nach Stuttgart von 4,20 auf 2,90 Euro reduziert haben. Aber durch eine Verlegung dieses Stadtteils auf die Zonengrenze wie die anderen beiden könnte eine einheitliche Tarifzone gelten „und der ÖPNV (Strohgäubahn gestärkt werden“, heißt es in der entsprechenden Vorlage der Verwaltung.

Knackpunkt sind aber die Kosten, denn dem VVS entgehen durch die Verlegung Einnahmen, die er kompensiert haben möchte. Im Fall von Ditzingen und Hemmingen beläuft sich das auf einen Betrag von jährlich 91.000 Euro. Für Korntal-Münchingen, so hatte Bürgermeister Joachim Wolf in einer Ratssitzung Ende Februar die Information des VVS weitergegeben, wären es aber 200.000 Euro – nicht leistbar, so seine Stellungnahme dazu.

Nun aber fällt diese Summe deutlich geringer aus und es werden nur noch rund 55.000 Euro pro Jahr gefordert, geht aus einem Antwortschreiben des Unternehmens hervor. Diese Differenz begründet sich mit den Änderungen durch die große Tarifzonenreform – warum aber die höhere Zahl trotz Wissen um die niedrigeren Ticketpreise noch vor Kurzem im Umlauf war, bleibt offen. Und beim VVS heißt es nun auch: „Wir sind grundsätzlich dafür offen, Verschiebungen im Tarifzonenplan umzusetzen, wenn die jeweilige Kommune für die Mindereinnahmen aufkommt.“ Es sei lediglich – wie auch im Fall Heimerdingen – schlicht nicht machbar gewesen, die Verlegung einzelner Orte schon zum 1. April 2019 umzusetzen. Und auch für die weitere Änderung des Tarifzonenplans ist zumindest etwas Vorlauf nötig. Bis Ende Juni, so der VVS, muss ein Votum des Gemeinderats her – es wird eine der letzten Entscheidungen des amtierenden Gremiums sein, das in der kommenden Woche auch wegen anderer Themen noch eine Extraschicht einlegen muss.

Info: Die nächste Gemeinderatssitzung ist am Dienstag, 21. Mai, um 18 Uhr im Korntaler Rathaus. Auf dem Plan stehen diverse formale Entscheidungen zu Neubaugebieten. Die Sitzung am Donnerstag, 23. Mai, beginnt um 18.Uhr im Widdumhof. Weiteres Verkehrsthema ist dabei der Umbau der Tampoprint-Kreuzung.

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